Andacht für den Frieden und Lichterprozession zum Marienbrunnen am Fest von Maria Empfängnis
“Es gibt mehr als das alte Gesetz von Rache und Gewalt“
Remagen. Zum Friedensgebet hatte die katholische Kirchengemeinde Sankt Peter und Paul eingeladen: 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und 73 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Gleichermaßen beteten und sangen gut drei Dutzend Gläubige am Fest Maria Empfängnis um die Fürsprache Mariens nicht nur für Frieden in der Welt, sondern auch mit Blick auf das Bistum Trier und die anstehenden Reformen.
Lichterprozession
So folgten die Gläubigen auch nach der Andacht Pastor Frank Klupsch zu einer Lichterprozession zum Marienbrunnen. In seiner Predigt erinnerte Klupsch an die vielen Opfer aus den beiden Weltkriegen. Auch sein Onkel habe in den Krieg gemusst und sei aus der Hölle nicht mehr zurückgekehrt. „Wenn es eine Hölle gibt, so konnte man sie sicherlich damals finden auf dem sogenannten Feld der Ehre. Eine Hölle, die nur Menschen einander selber bereiten können. Und aus dieser Hölle ist er nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Wenige Jahre, nachdem er seine Heimat an der Mosel verlassen hatte. Gefallen für Führer, Volk und Vaterland. Ein Grab, sein Grab? Gab es nicht. Und so liegt wohl mein Onkel Andres irgendwo im Grab eines unbekannten Soldaten. Mein Onkel, dessen beide Töchter ihn nie kennengelernt haben. Mein Onkel, der Lieblingsbruder meiner Mutter. Wie viele Onkel, Väter, Brüder und Söhne sind damals gefallen? Wie viele Mütter und Töchter wurden getötet, durch den Wahnsinn des Naziterrors? Nicht nur im Krieg, auch in den Lagern, auch danach in der Gefangenschaft? Nicht nur bei uns, sondern auch auf der anderen Seite? Ich weiß von manchen Fotos, auf dem der gefallene Bruder, der Onkel oder der Vater zu sehen ist“, hob Klupsch hervor.
„Viele können heute nicht mehr erzählen“
Die Generation, die den Krieg noch erlebt habe, sei alt geworden. „Viele können heute nicht mehr erzählen, wie es damals war. Und wie wichtig wäre es gerade heute, wo die Erfahrungen langsam verblassen und wieder in der Welt mit dem Feuer gespielt wird. Wo nationale Interessen wichtiger werden als die Frage nach Krieg und Frieden“, so Klupsch.
Heute komme es darauf an, dass „wir Gott wieder die Ehre geben, auf sein Wort hören, ihn um Vergebung und den Geist der Versöhnung bitten, und ihm antworten mit unserem Gebet und mit der Tat unseres Lebens. Menschliche Antworten auf die Schrecken und das Grauen, die diese Kriege über die Völker Europas und die ganze Welt gebracht haben, reichen allein nicht aus. Nein, in Demut neigen wir uns vor Gott, um ihn zu bitten, auf die Fürsprache Mariens, Schuld zu vergeben und die Menschen in einem neuen Geist, alle Völker in einem Haus des Gebetes zusammenzuführen, damit die Wunden heilen. Wir wollen bitten, dass er uns die Kraft gibt, jedem Unrecht von Anfang an zu widerstehen, den Frieden zu suchen und zu fördern sowie Gottes Weisungen zum Leben, zur Richtschnur unseres Handelns zu machen. Es gibt mehr als das alte Gesetz von Rache und Gewalt, mehr als nur immer wieder Krieg. Es gibt einen Frieden, der jede Vernunft übersteigt, einen ewigen, dauerhaften Frieden“, betonte Klupsch.
Opfer von Krieg und Gewalt
Auch heute seien Söhne, Väter und Ehemänner, seien Töchter und Mütter Opfer von Krieg und Gewalt. Und von vielen gebe es wohl nicht einmal mehr ein Bild auf einer Kommode, sondern allein die Erinnerung des Nachbarn oder ein paar Pixel auf einem Handy von fliehenden Angehörigen. Auf die Frage, wo denn da Gott sei, antwortete Klupsch; „Der stirbt da im Bombenhagel von Aleppo, der weint und schreit mit der Mutter, die ihr Kind verloren hat bei der Überfahrt nach Lampedusa, der wird geboren im Schatten einer riesigen Mauer, die Bethlehem von Jerusalem trennt, der stöhnte in den Schützengräben der Weltkriege und schwitzte Blut und Wasser in den KZ’s. Der ist auf der Flucht und wird geschlagen Tag und Nacht, wird umgebracht. Da ist unser Gott! Und wir? Wir, ja wir halten dennoch an ihm fest, an Gott, an Christus, auch wenn du geschmäht wirst, auch wenn deine Wundmale heute noch bluten in jedem einzelnen der Opfer von Krieg und Terror“. Über dem Stall von Bethlehem leuchte nicht nur der Stern, sondern strahle auch das Kreuz auf, das Zeichen, dass die Liebe stärker sei als jeder Tod. „Bitten wir heute, am Fest Maria Empfängnis, um ihre Fürsprache, auch für unser Bistum Trier und beten wir für den Frieden“, hob Klupsch hervor, bevor die Lichterprozession begann. Im Anschluss an die Bittprozession öffnete das Nikolausbüdchen und die Teilnehmer genossen in geselligen Runden Punsch und Glühwein. AB
