Waldemar Rabschs Vielfältigkeit steht in der StadtGalerie zur Schau
„Es war nicht alles nur Karneval“
Neuwied. Förmlich aus allen Nähten platzte die StadtGalerie in der ehemaligen Mennonitenkirche bei der Vernissage von „Es war nicht alles nur Karneval“. Der Ansturm war Ausdruck von großer Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber Waldemar Rabsch. Und für die Freude, die er den Menschen mit seinen Bildern unablässig macht. Anlässlich dessen 85-jährigen Geburtstags hatte die Stadt Neuwied ihm eine Einzelausstellung in der Stadtgalerie angeboten. Dass einem Künstler diese Ehre zuteil wird, bezeichnete Oberbürgermeister Nikolaus Roth als Besonderheit. „Waldemar Rabsch ist ungewöhnlich breit aufgestellt“, unterstrich Nikolaus Roth. Zustimmung erntete er dafür von den zahlreichen Weggefährten, die Waldemar Rabsch über viele Jahre im Kunstkreis Engers begleiteten. Der überwiegende Teil der Besucher stammte aber aus dem ehemaligen Kirchspiel, was Neuwieds ersten Bürger zu der ungewöhnlichen Anrede „Liebe Weiser, lieber Heimbacher, liebe nicht Heimbach-Weiser“ verleitete.
Zeugnis seines Lebens
In der Karnevalshochburg ist Waldemar Rabsch eine Institution, die das Bild der heimischen Fassenacht im wahrsten Sinne des Wortes geprägt hat. Ob Bühnendekoration, Orden oder Fastnachts-Anzeiger, Waldemar Rabsch ist ein gefragter Mann. Mancher Motivwagen hat durch seinen Anstrich erst den gewünschten Ausdruck verliehen bekommen. Seine Dienste stellt er großzügig zur Verfügung. Im Westerwald zieren seine Werke ganze Hausfassaden, das Wandgemälde in der Waldhalle Segendorf ist von ihm und auch Wandgemälde von Stammtisch-Szenen in so manchem Gasthaus. Die Ausstellung in der StadtGalerie ist gleichzeitig Zeugnis seines Lebens. Und wie der Titel der Ausstellung schon verrät, gibt es ein breites Spektrum zu bewundern. Neben den bunten Bildern aus dem Karneval sind Szenen von unter Tage zu sehen, bei denen grau und schwarz die knochenharte Männerarbeit zeigen. Die Fastnachter lieben ihn für die humoristischen Bilder, die man minutenlang betrachtet und dabei immer wieder neues entdeckt.
„Waldemar Rabsch hat einen besonderen Zugang zur und im Umgang mit der Bilderflut unseres Alltags. Das heißt, es ist nicht das Außergewöhnliche, das Experimentelle, was er künstlerisch umsetzt, sondern das Normale, das oft gesehene. Eindrücke von Menschen, Häusern, Bäumen und Wäldern“, charakterisierte Hans-Peter Schmitz. Der Freund und Laudator sagte weiter: „Durch seinen gezielten Blick wird dem Laien manches Altbekannte neu gezeigt, nicht verfremdet, oft mit seinem angeborenen Humor angereichert, auf jeden Fall gegenständlich“. Seine Karikaturen seien unverkennbar, manchmal ironisch oder sarkastisch auf jeden Fall aber so kontrastvoll zur Realität, das sie zum Nachdenken bewegen. Es war Hans-Peter Schmitz, der 1992 von den Malkünsten des Neuen im Dorf hörte. So einen konnte man gut gebrauchen. Kurzerhand klingelte der ehemalige Präsident der KG Weis an dessen Türe und stieß auf Wohlwollen und Interesse. Mit dem Titelbild für die Fastnachts-Zeitung nahm das Engagement von Waldemar Rabsch im Brauchtum seinen Anfang. Die Ausstellung zeigt dessen Vielseitigkeit in Kohle, Öl, Acryl, Aquarell oder Druckverfahren. Aber auch Figuren und Plastiken in Styropor, Wachs oder Speckstein faszinieren den Betrachter. Viel war bei der Vernissage über den Menschen Waldemar Rabsch zu erfahren.
„Ich bin kein Künstler“
Dass er sich ausdrücklich nicht als Künstler sieht, ist überraschend. Seine vielfach hoch gelobte Vielseitigkeit ist für ihn nämlich ein Fluch. „Ich habe immer das gemalt, was die Leute von mir wollten“, zitierte ihn Hans-Peter Schmitz. Kunst ginge schließlich nach Brot und eine Familie müsse eben auch ernährt werden. Um das zu verstehen, skizzierte der Festredner den Lebensweg des, wie er sich selbst bezeichnet, „Handwerkers“ nach. 1931 wurde Waldemar Rabsch als Sohn einer Bergarbeiterfamilie in Herne geboren. Trotz unverkennbaren Talents am Stift kam ein Studium nicht in Frage. Aber immerhin eine Ausbildung als Werbegrafiker. Der junge Mann malte Kinobilder und Bühnenkulissen. Nach der Lehre fand Waldemar Rabsch eine Anstellung in einem Kaufhaus - Schaufenster und Plakate waren seine Arbeit. Nach dem Job ging es noch in die Abendschule. Aus Wirtschaftlichkeit gab er seine Berufung auf und ging auf die Zeche. Der Job war sicher und wurde gut bezahlt. Unter Tage stieß er auf Gleichgesinnte. Gemeinsam gründete man einen Kunstkreis, der in recht kurzer Zeit überregional Beachtung fand. Als die Zechen 1965 in die Krise geraten, kehrt Waldemar Rabsch als Plakatmaler für Karstadt in den alten Beruf zurück. In 15 Jahren arbeitete er sich zum Chef der grafischen Abteilung für mehrere Filialen hoch. 1980 machte er sich selbstständig. Große Einkaufsparks zählten ebenso zur Kundschaft wie Kirmesfahrgeschäfte. Dreimal schaffte er es mit großformatigen Gemälden, wie dem größten Adventskalender der Welt, ins Guinness Buch der Rekorde. Im gleichen Jahr lernte er seine Frau Elli kennen, die aus Güllesheim (WW) kommt. Durch deren Kontakte nach Heimbach-Weis ziehen sie sich 1992 hierhin in den Ruhestand zurück. „Der wurde allerdings von den Heimbach-Weiser Karnevalisten jäh zunichte gemacht“, schmunzelte Hans-Peter Schmitz. Er sprach den Anwesenden aus der Seele, als er sagte: „Alle wissen die künstlerischen Qualitäten des Menschen, in dessen Vokabular das Wort „Nein“ nicht vorkommt, zu schätzen“. FF
