Restaurierung des Heiligenhäuschen an der Swist
„Et Hillije Hüsje - an der Swist“ im neuen Glanz
Swisttal. Swisttal hat viel zu bieten, aber wer kennt sie schon alle, die vielen interessanten Punkte dieser neun Orte, die 1968 im Zuge einer kommunalen Neugliederung vereinigt wurden. Wenn man jedoch mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte der Weg entlang der Swist zum Tourenprogramm gehören. Schon die Karte der Franzosen Tranchot und Müffling (Nr. 101 Heimerzheim), die um 1820 erstellt wurde, zeigt eine Furt, die über die Swist von Vershoven zum Dünstekovener Feld führte. Das Vieh wurde hier aus dem Stall über die Swist, zu den Weiden getrieben. Dieser Weg führt bis Schillingskapellen, wo sich ebenfalls am Ausgang der damaligen Klosteranlage ein Heiligenhäuschen befindet. Auf der westlichen Seite der Swist ist noch heute diese Furt zu erkennbar. Auf der östlichen Seite befindet sich das Heiligenhäuschen Vershovener Wiesen. Eine Tafel am Bilderstock an der Swist gibt Aufschluss über die Erbauung dieses Denkmals. Hier heißt es: „Zu Ehren Gottes und der seligen Jungfrau Maria haben dieses Denkmal aus den Steinen der Kirche zu Kapellen die Bürger Ferdinand Trimborn und Franziska Scheiff im Jahre 1823 gebaut.“ Auf dem alten Friedhof Bonn erinnert eine Tafel an die beiden. Der Pächter stellte in dieses Kappelchen eine 106 cm große barocke „Anna Selbtritt Gruppe“. Diese stammte aus dem Damenstift Schillingskapellen und war während der Französischen Revolution verschollen. Diese Figurengruppe, bei der Jesus zwischen Anna, und Maria auf einer Bank sitzt, war 135 Jahre der Mittelpunkt dieser Anbetungsstelle. Viele Christen pilgerten dort hin, um in einem Gebet Gott zu danken, oder auch um Hilfe zu bitten. Die Zeit hatte natürlich an dieser Figurengruppe Spuren hinterlassen. Auf Betreiben der Rheinischen Denkmalpflege wurde dieses kleine Kunstwerk restauriert und anschließend in der Kapelle der Burg Heimerzheim aufgestellt. Auch eine angefertigte Kopie wurde später aus Sicherheitsgründen nach Gut Kapellen gebracht. Die Eigentumsverhältnisse von Vershoven und Schillingskapellen haben sich in den letzten Jahrhunderten öfters geändert. Seit Anfang des 19. Jahrhundert sind beide Güter im Familienbesitz der Familie von Boeselager. Schon 1991 wurde es in die Denkmalliste der Gemeinde eingetragen. Wenn man jedoch das Bild zu dieser Eintragung betrachtet, erkennt man, hier ist seit Jahrzehnten nichts geschehen. Die Substanz des Denkmals war schon vor 30 Jahren marode. Öffnungen in der Kuppel bewirkten, dass eindringendes Wasser das Innere sehr beschädigten, auch das Mauerwerk zeigte große Schäden.
Betreuung liegt seit Jahrzehnten in Heimerzheimer Hand
Die Betreuung dieses Heiligenhäuschen liegt seit Jahrzehnten in Heimerzheimer Hand. Da die Familie, die sich hier verantwortlich fühlte, vor kurzen in die Eifel gezogen ist, hat Rainer Schmitz, ebenfalls aus Heimerzheim, die Patenschaft für dieses Denkmal übernommen. Schmitz hatte bereits vor Jahren seine künstlerisch handwerklichen Talente unter Beweis gestellt, als er die Begrüßungsschilder an der Heimerzheimer Kölner Strasse restaurierte. Ein Handschlag besiegelte zwischen Paul von Boeselager und Rainer Schmitz eine Zusammenarbeit. „Mach was draus, bedenke die Steine sind vom Kloster. Ich unterstütze dich, wo immer ich kann!“ So hat Schmitz die letzten sieben Wochen fast täglich an der Swist sein Lager aufgeschlagen. Mit Unterstützung des Bauhofes der Gemeinde Swisttal hat er erstmal die Spuren der Vergangenheit, Bank und Tisch usw. beseitigt. Später hat der Bauhof die Unterprofile für die Bänke gestellt und mit Kalksplitt den Weg befestigt. Mit moderner Technik hat Schmitz die Tafel entziffert und übersetzt und mit Axt und Säge wurde diese Stätte der Besinnung aus dem Dornröschenschlaf befreit. Nun ist alles hell und großzügig und von einer Ligusterhecke umrahmt. Mit traditionellen Mitteln hat er das Dach, die Fugen und das Mauerwerk gereinigt und instand gesetzt. In den letzten Jahrzehnten bildete eine Herz Jesu Gruppe aus Gips das Herzstück dieser Kapelle. Auch diese Figuren waren jedoch durch die Witterung gezeichnet, deshalb hat Schmitz hinter das Gitter eine Plexiglasscheibe angebracht. Maria und Josef wurden ausgetauscht. Sie stammen aus dem Nachlass der Siegburger Abtei Michelsberg und da das Heiligenhäuschen auf Ollheimer Boden steht, ist dies geschichtlich interessant. Hatte doch Anno II die Ollheimer Pfarrgemeinde vor Jahrhunderten verpflichtet, einen Teil der Einnahmen an diese Siegburger Abtei zu entrichten. Wenn man auf der Vershovener Wiese steht, hat man einen schönen Blick auf ein Teil der Gemeinde Swisttal.
Dünstekoven, Hohn, Buschhoven, Miel, Ollheim. Die Bänke haben bewusst keine Rückenlehne, so das sich der Besucher entscheiden kann, ob er das Heiligenhäuschen oder den Blick über die Felder bevorzugt.
Die kleine Parkanlage rund um den Bilderstock bietet nun allen, die aus den unterschiedlichen Gründen eine kleine Auszeit suchen, eine Stätte der Ruhe. Bei der Gestaltung dieser Außenanlage stand Hans Bölkow an seiner Seite.
Das Holz für die neuen Bänke hat die Familie Luppus gespendet. Die Familien Rupperath wollen sich bei der weiteren Bepflanzung und Beet-Einfassung einbringen. Ein Pultschild, das die Familie Trimborn fertigte, wird zukünftig die Gäste über die Geschichte dieses Bilderstocks informieren. An der Swist hat Schmitz nicht nur handwerklich gewirkt, er führte auch viele Gespräche, denn hier existiert wahrlich eine kleine Heiligenhäuschenfamilie. Erstaunlich viele Pendler stellen im dafür extra erstellten Leuchtkasten Lichter auf. Ein Freund dieser Stätte war so begeistert, dass er Schmitz einen Schein für die entstandenen Kosten zusteckte und sich für sein Engagement bedankte. Es gibt noch einiges zu tun, aber das kann jetzt Schritt für Schritt geschehen. Nun bleibt Schmitz die Hoffnung, dass die Arbeit damit belohnt wird, dass Wanderer und Radfahrer kurz anhalten, um an dieser Stätte etwas Ruhe und Besinnung zu finden
Vor der Restaurierung.
Nach der Restaurierung.
Der Bilderstock ist umrahmt von Bänken.
