Allgemeine Berichte | 26.11.2016

Bankenexperte Prof. Dr. Hans-Peter Burghof beim Wirtschaftsforum Andernach

„Europäische Bankenunion ist für deutsche Kreditinstitute eine Katastrophe“

„Europäische Bankenunion ist für deutsche Kreditinstitute eine Katastrophe“

Andernach. „Stabilität oder Effizienz? Was leistet die Bankenunion?“ Diese Fragen standen in der vergangenen Woche über dem von der Stadt Andernach, Andernach.net und der Kreissparkasse Mayen ausgerichteten „Wirtschaftsforum Andernach“, für das Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, als Referent gewonnen werden konnte. Der auch durch die Medien bekannte Bankenexperte gab den interessierten Zuhörern in der Mittelrheinhalle Informationen zum Thema „Europäische Bankenunion“ und vermittelte seine Einschätzungen und Bewertungen.

Die Mittelrheinhalle wurde zum „Hörsaal“

„Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist es in Andernach eine gute Tradition, dass Stadt und Kreissparkasse im Herbst gemeinsam zum Wirtschaftsforum einladen“, stellte Christoph Weitzel, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Mayen, bei seiner Begrüßung fest und freute sich angesichts des großen Interesses, dass die Veranstaltungsreihe nichts von ihrer Strahlkraft verloren habe. Weitzel versprach dem Gast aus Stuttgart: „Herr Professor Burghof, heute Abend ist die Mittelrheinhalle Ihr Hörsaal!“

Erfrischend locker führte Burghof das Publikum an das komplexe Thema heran, erläuterte, wie es zur Europäischen Bankenunion kam und zeigte deren einheitliche zentrale Pfeiler – Bankenaufsichtsmechanismus, Bankenabwicklungsmechanismus und gemeinsame Einlagensicherung – auf.

Idee ist grundsätzlich gut, aber falsch umgesetzt

Die großen, global tätigen Bankinstitute können durch die bestehenden nationalen Regulierungsbehörden aufgrund der Komplexität der Geschäfte nur unvollkommen beaufsichtigt werden. Daher ist die von der EU im Mai 2014 beschlossene Übertragung von nationalen Kompetenzen auf zentrale Institutionen bzw. die Schaffung von einheitlichen, gemeinsamen Richtlinien im Bereich der Finanzmarktaufsicht und der Sanierung oder Abwicklung von Kreditinstituten innerhalb der EU sowohl mit hohen Erwartungen als auch mit gemischten Gefühlen verbunden.

Der nach eigenen Worten „begeisterte Europäer“ Hans-Peter Burghof beleuchtete, was aus seiner Sicht für die Bankenunion spricht, welche Wesensmerkmale das deutsche Bankensystem aufweist, ob die Bankenunion die Stabilität des Bankensystems erhöhen kann, welche Effizienz das Bankensystem von der zentralen Institution erwarten kann und wie sich die europäischen Regelungen auf den Mittelstand und den einzelnen Bankkunden auswirken. Seine kritischen Anmerkungen und besorgten Einschätzungen in der 90-minütigen freien Rede untermauerte Professor Dr. Burghof mit verständlichen Beispielen und endete mit seinem Fazit: „Die Europäische Bankenunion ist eine tolle Idee, wenn man es richtig gemacht hätte, wenn man sich auf die wenigen Tausend international tätigen Banken konzentriert hätte. So, wie diese Regulierung heute in der Summe umgesetzt wird, ist sie gerade für das deutsche Finanzsystem eine schlichte Katastrophe. Sie führt zur Ineffizienz und zerstört eine Struktur, die uns gedient hat, weil sie Vielfalt zerstört und noch nicht einmal langfristig zu der gewünschten Stabilität des Banksystems führt. Das Bankensystem, das daraus entsteht, ist mit seiner Struktur unsicher als zuvor.“

„Europäische Bankenunion ist für deutsche Kreditinstitute eine Katastrophe“
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