Studienfahrt der VHS Remagen
Fahrt ins Blaue führte in den „Pott“
In der Ruhrmetropole Essen erlebten die Teilnehmer ein ebenso interessantes wie unterhaltsames Programm
Remagen. Mitten ins Zentrum des Ruhrgebiets führte die diesjährige „Fahrt ins Blaue“ der Volkshochschule Remagen. Essen, die viertgrößte Stadt Nordrhein-Westfalens, war diesmal das Ziel, was erst kurz vor der Ankunft verraten wurde. Bei dieser Studienfahrt, die sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut, entrichten die Teilnehmer vorab einen Betrag, der zur Teilnahme an einem interessanten Programm mit jedoch noch nicht bekanntem Ziel führt. „Ins Blaue“ ging es daher bei zunächst etwas wechselhaftem Spätsommerwetter mit einem komfortablen Reisebus, und bei den Teilnehmern stieg sichtlich die Neugier. Dass es Richtung Norden ging, war rasch klar, aber wohin? Selbst raffiniertesten Fragen hielten die VHS-Verantwortlichen auch diesmal stand, und ein mit „Pokerface“ behafteter Geschäftsführer Wolfgang Proft erklärte den Teilnehmern über Bordmikrofon, das Reiseziel habe er vergessen, es stünde jedoch auf einem Zettel, den er aber irgendwo verlegt habe. Erst kurz vor Ende der Hinfahrt, so wollen es die „Spielregeln“, ließ Proft die Katze aus dem Sack: „Wir besuchen heute die Stadt Essen an der Ruhr“ – eine Ankündigung, die sichtbare Vorfreude auslöste, ist doch die Ruhrmetropole bekannt für ihren Wandel von einer Industrie- zur Top-Kulturstadt.
Stadtrundfahrt als erster Programmpunkt
Kaum in Essen angekommen, ging es auch schon los: Ein mit fundierten Kenntnissen ausgestatteter Reiseführer stieg zu und machte den Teilnehmern im Rahmen einer rund zweistündigen Stadtrundfahrt höchst eindrucksvoll den Wandel Essens von einem Zentrum der Montanindustrie zur modernen Wirtschafts-, Handels- und Dienstleistungsmetropole im Herzen des Ruhrgebiets erlebbar. Vorbei ging es dabei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein oder dem Museum Folkwang, in dem zahlreiche Stilrichtungen der modernen und zeitgenössischen Kunst vertreten sind. Auch auf die architektonisch einheitliche, stilistisch geschlossene Margarethenhöhe richteten sich interessierte Blicke, und über den Gruga-Park erfuhren die Teilnehmer, dass dieser aus der ersten Großen Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung (Gruga) im Jahr 1929 hervorgegangen ist, der ersten Gartenausstellung Deutschlands, die als ein dem Gemeinwohl dienender Volkspark eröffnet wurde. Dass die Stadt Essen heute mit 600.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Ruhrgebiets ist und im Jahr 850 gegründet wurde, erwähnte Fahrtmoderator Ingo Dämgen ganz nebenbei. Mit seiner plaudernden Erzählweise hatte er da schon längst die Gunst der Anwesenden gewonnen. Geologische und topografische Gesichtspunkte zur Landschaft erläuterte er ebenso eindrucksvoll wie technische Details zum im Bergbau verwendeten Kastenfördergerüst oder die Geschichte des „Ruhrkohlehauses“, entworfen vom Architekten Egon Eiermann, der beispielsweise auch den Um- und Neubau der Berliner Gedächtniskirche und den „Langen Eugen“ in Bonn plante. Auch das durch den Bergbau ausgelöste Phänomen des Absinkens von Gebäuden und hieraus resultierende schiefe Häuser wurde beschrieben, und für rechte Verblüffung sorgten die Ausführungen über die Tatsache, dass rund 20 Prozent des gesamten Kernreviers durch den Bergbau unter dem Grundwasserspiegel liegt und seit Jahrzehnten durch Pumpen vor sonst sicherer Überflutung bewahrt werden muss. Mit dem riesigen Messegelände und der bekannten Gruga-Halle, dem Villenviertel Bredeney und dem teils landwirtschaftlich geprägten Stadtteil Kettwig, in dem einst die Zunft der Textilweber beheimatet war, folgten weitere Anfahrtsziele, wie auch der um 800 gegründete „Ur-Stadtteil“ Werden, im Süden der Stadt gelegen. Natürlich durfte auch die Villa Hügel nicht fehlen, die als Symbol für die Industrialisierung Deutschlands gilt. Eine Besichtigung hätte zweifellos den ohnehin eng gesteckten Zeitrahmen gesprengt, doch immerhin erfuhren die Teilnehmer dieser VHS-Studienfahrt allerlei über die 81 Hektar große Parklandschaft mit chinesischen Mammutbäumen und Blick über den Baldeneysee, aber natürlich auch über das 270 Zimmer umfassende Gebäude, das bis 1945 der Unternehmerfamilie Krupp als Wohnsitz diente und heute der Allgemeinheit zur Verfügung steht.
Zeitreise im Museum der Superlative
Nach einem gemeinsamen Mittagessen am Ufer des Baldeneysees, übrigens dem größten der insgesamt sechs Ruhrstauseen, musste es zügig weitergehen zum nächsten Programmpunkt, sodass für ein Flanieren an diesem idyllischen Gewässer wenig Zeit blieb. Mit leichter Verspätung erreichte der Bus das Ruhr Museum, das sich in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein, Schacht XII, befindet. Nach Transport über die 24 Höhenmeter überwindende längste Rolltreppe Europas erwarteten drei Führer die Gäste aus Remagen bereits und nahmen sie mit auf eine (Zeit-)Reise der besonderen Art.
Den drei Gruppen wurde hier die faszinierende Geschichte einer der größten Industrieregionen der Welt präsentiert. Man erlebte die gelungene Verbindung von Natur- und Kulturgeschichte in einem integrativen Konzept und die Präsentation von Mythen, Bildern und Phänomenen des Ruhrgebiets, die ungeheuren Dimensionen der Erdgeschichte, die lange Geschichte der Industrialisierung ebenso wie deren Folgen und zukünftige Perspektiven.
Hierbei präsentiert sich die Ausstellung unter ästhetischer und inhaltlicher Einbeziehung des authentischen Gebäudezustands, wobei auch die neuen Tendenzen in der Kultur- und Geschichtswissenschaft Berücksichtigung finden. Die Besucher folgten dem ehemaligen Weg der Kohle und erlebten auf drei Etagen eine Ausstellung zu den Kategorien Gegenwart, Gedächtnis, Geschichte. Im Unterschied zu vielen anderen Museen definiert diese Ausstellung zunächst ihr Thema und beschreibt die gegenwärtige Wirklichkeit der Metropole Ruhr. Es widmet sich in der folgenden Etage dem vorindustriellen kulturellen Gedächtnis der Region, ehe es auf einer letzten Ebene die dramatische Geschichte des Industrialisierungsprozesses im Ruhrgebiet erzählt, die wiederum in der Gegenwart mündet.
Eine Dampfmaschine wurde ebenso bewundert wie zahlreiche Alltagsgegenstände, durch Kirchenschließungen überflüssig gewordene liturgische Gegenstände, Standarten von Knappenvereinen, Plakate politischer Gruppierungen, Bergmannsutensilien und natürlich Kohle in ihren vielfältigen Erscheinungsformen.
Klar, dass auch dem Sport eine ganze Abteilung gewidmet ist, wobei hier der reichhaltigen Geschichte des Ruhrgebietsfußballs im besonderen Maße Rechnung getragen wird. Schmunzelnd betrachteten die Besucher eine Einzelvitrine, in der die „Dienstjacke“ eines gewissen Horst Schimanski zu sehen ist, einem 1938 (angeblich) in der Nachbarstadt Duisburg geborenen Mann, der später als mitunter verkorkster Kriminalkommissar zu Ruhm gelangte und als Ikone des Ruhrgebiets unvergessen ist. In der Tat eine sympathische Hommage an den verstorbenen Schauspieler Götz George.
Erläutert wurden überdies die unterschiedlichen Techniken der Kohleförderung und die immensen Eingriffe der Menschen in die Natur. Ein Mammutskelett stieß ebenso auf Interesse wie ein überdimensionales Diorama, in dem die Lebenswelt eines Sumpfmoorwaldes im Karbon vor 300 Millionen Jahren dargestellt wird, oder auch präparierte Tiere wie Braunbär, Wolf und verschiedene Vogelarten, die früher in der Region heimisch waren.
Ein bisschen Essen auf eigene Faust
Nach dieser hochinteressanten Führung gab es für die Teilnehmer noch ein wenig Gelegenheit, auf eigene Faust die Stadt Essen zu erkunden. Bei inzwischen herrlichem Spätsommerwetter promenierten die Besucher aus Remagen durch die entlang der Kettwiger Straße angesiedelte Fußgängerzone. Neben gemütlichen Cafés und interessanten Geschäften findet sich hier der Burgplatz, der mit einer breiten Treppe mit der Kettwiger Straße verbunden ist und daher als historische Keimzelle der Stadt Essen gilt. Nordwestlich dieses Platzes ging es an der Kirche St. Johann Baptist vorbei, die zum Stift Essen gehörte, und nur wenige Schritte entfernt der Essener Dom, die Kirche des um 845 gegründeten Essener Damenstifts, um das herum sich die Stadt Essen entwickelte.
Seit 1958, das hatte man bereits am Vormittag erfahren, ist der Dom Bischofssitz des Ruhrbistums.
Ausschließlich zufriedene Gesichter, auch bei den VHS-Vorständlern Wolfgang Proft, Klaus Brück und Martin Tillmann, gab es schließlich bei der Heimreise. Bestens gelaunte Teilnehmer dieser Studienfahrt der Volkshochschule Remagen hatten im Bus nun allerlei Gesprächsstoff.
Und nach einer staufreien Heimfahrt herrschte in einem Punkt große Einigkeit: „Im nächsten Jahr fahren wir wieder mit – ins Blaue.“
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