Musikalische Reise im Heimerzheimer Karneval
Fastelovend Zesamme - Leedche un Verzällche mit Jupp Muhr
Heimerzheim. Die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) Sankt Kunibert Heimerzheim hatte mit Unterstützung des Pfarrausschusses, der Messdiener und des Katholischen Bildungswerk diese musikalische Reise ins Leben gerufen. So begrüßten dann auch Elisabeth Koch, Vorstandsmitglied der KFD, Pater Marek für die Messdiener und Rainer Schmitz, Vorsitzender des Pfarrausschusses, die Gäste dieses Mitsingkonzertes.
Elisabeth Koch freute sich darüber, dass so viele Swisttaler das Angebot angenommen hatten. Pater Marek bedankte sich für die Möglichkeit, dass die Messdiener die Getränke zugunsten der bevorstehenden Messdienerfahrt anbieten durften und schließlich begrüßte Rainer Schmitz Jupp Muhr und Thomas Michels und stimmte mit den Gästen einen Einmarsch an. Jupp Muhr alias „Dr. Kölsch“ ist in der Region und darüber hinaus ein gern gesehener Referent.
Der Historiker und Germanist, der sich gerne mit der kölschen Sprache beschäftigt, berichtete, dass Karnevalslieder gerade in der fünften Jahreszeit die Menschen motivieren sollen, den Alltag zurückzulassen.
Bekanntlich erinnern sich Viele bei bestimmten Liedern an persönliche Momente, darüber hinaus verbinden Texte aber auch oft Situationen des Zeitgeschehens. Karl Berbuer schrieb 1936 in einer unruhigen Zeit das Lied „Heidewitzka, Herr Kapitän“.
Man leistete sich nur einen Ausflug zum Drachenfels. Und da die Junge BRD 1950 noch keine Nationalhymne hatte, wurde der damalige Kölner Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einem Besuch in Chicago mit diesem Lied offiziell empfangen.
Karl Berbuer schaute den Menschen auf den Mund und als sich nur die gut Betuchten eine weite Reise leisten konnten, positionierte er sich auf die Seite von Otto Normalverbraucher, indem er sang: „Wat solle m´r en d´r Sahara. Zuhause war es doch viel schöner, hier bekam man selten einen Sonnenbrand und auf das lieb gewonnene Bier brauchte man auch nicht verzichten.“ Muhr erläuterte in seiner charmanten Art die Geschichte sowie Sinn und Zweck eines jeden Liedes, wie zum Beispiel „Während die Kölner in den Fünfzigerjahren noch mit dem Zelt unterwegs waren und sich dabei ärgerten, dass de Möcke un die Hummle sie verjöckten, ging es in den Siebzigerjahren in den sonnigen Süden. In Spanien konnte man ja überall die beliebten kölsche Tone hören, nur auf den Blick vom Balkon auf den Dom musste man verzichten.
In der Pause wünschten sich die Messdiener zugunsten ihrer Reisekasse „Schau nicht auf die Uhr, schau lieber tiefer ins Glas hinein“. Im katholischen Rheinland darf natürlich auch der kritische Blick in die Amtskirche nicht fehlen. So konnte es sich der ehemalige Leiter des Katholischen Bildungswerkes, Jupp Muhr, nicht verkneifen, das alte Volkslied „Wer soll das bezahlen“ um eine aktuelle Strophe in Bezug auf den Bischofssitz in Limburg zu ergänzen. Aber darüber hinaus waren sich alle einig, dat mer d´r Dom en Kölle losse.
Höchst christlich war auch das Handeln des Hilfslehrers Welsch, der es verstand, besonders den lernbehinderten Schülern das Wesentliche zu vermitteln. Sein Erfolg ist es, dass nach mehr als 100 Jahren jeder Rheinländer weiß, dass Dreimol Null Null es. Die Rheinische Kultur wurde insbesondere auch durch ihre Geschichte geprägt. Die Franzosen folgten den Römern. Die Italiener brachten die Pizza und die Türken den Döner mit. Die Kölsche sind stolz auf die Vielfalt, denn ihnen ist klar, vür´m Herjott simmer glich. So sangen an diesem Abend alle lautstark „Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing. Dat es jet, wo mer stolz drop sin.“
