Violinsonaten von W.A.Mozart, Leoš Janácek und César Franck, mit Dmitry Udovichenko und Tatiana Belikova beim Grafschafter Kunstverein
Faszination und Meisterschaft
Holzweiler. Die Sommersonne strahlte, und es war dem Publikum des Ehepaars Maerker in ihrer herrlichen klassizistischen Villa nicht zu verdenken, dass es nicht so zahlreich erschienen war wie sonst. Das Foyer war etwa zu zwei Dritteln besetzt, aber alle Zeugen des Konzerts wurden mit einem Erlebnis beschenkt, an das sie sich noch lange erinnern werden.
Wir haben schon viele junge und bemerkenswerte Talente in Holzweiler hören dürfen. Ohne diese erfreuliche Tatsache auch nur im mindesten zu schmälern: Dmitry Udovichenko (Violine) und Tatiana Belikova (Klavier) ließen schon bei den ersten Takten von W.A.Mozarts Sonate für Klavier und Violine e-Moll KV 304 keinen Zweifel daran aufkommen, dass ein absolut außergewöhnlicher und beglückender Konzertgenuss zu erwarten war. Der erst 24 Jahre alte preigekrönte Geiger faszinierte mit zartem und dabei höchst wandlungsfähigem Spiel. Seine zwei Jahre ältere Duopartnerin blieb ihm dabei absolut auf „Ohrenhöhe“. Beide zusammen zelebrierten sie ein stets aufmerksames und hingebungsvolles Zwiegespräch. Sie zauberten ein absolut ausgewogenes Klangbild in den Konzertsaal und agierten dabei entspannt und unangestrengt. Sie - und dadurch auch die Zuhörenden - genießen jeden Ton. Jeder einzelne Zusammenklang durfte neu und ganz auf seine ureigene Art erblühen.
Leoš Janáceks Violinsonate (1921) ist unter Geigern gut bekannt, in Deutschland jedoch eher selten öffentlich zu hören. Udovichenko zauberte zu Beginn mit sanften Sounds. Immer wieder hörte man Verwandtschaft zu Debussy und Ravel, aber auch viel Verschmitztes, tschechisch Skurriles. Das mit technischen Schwierigkeiten gespickte Werk erklang in jedem Takt achtsam, auch bei den kräftig zupackenden und für beide Instrumente virtuosen Passagen im zweiten Satz (Ballada. Con moto). Janácek entschied sich in seiner Tonsprache nicht zwischen Tradition und Neuem, sondern spricht wechselweise in klanglich schwelgender Dur-Moll-Harmonik und expressivem Neutönertum.
Als abschließender Höhepunkt erklang César Francks Violinsonate A-Dur. Der erste Satz, Allegretto moderato, ist wie ein ausgedehntes Intro zu dem markanten und zentralen Allegro. Udovichenko und Belikova begannen vollkommen souverän und akkumulierten rasch in reinem klanglichen „Licht“. Es folgte eine Art meditativ-dialogisches Schwelgen bis hin zum stürmischen zweiten Satz. Udovichenkos Violine wirkte wie verwandelt - keine Spur mehr von zartem Mozart-Rokoko! Dafür hörten man alle Facetten des großen romantischen Violinklangs. Sogar wenn Udovichenko deutlich leiser als seine Pianistin spielt, wird seine hohe klangliche Präsenz niemals von den Tonkaskaden des Klaviers überdeckt. Franck hat die Sonate keinem Geringeren als Eugène Ysaie gewidmet, der sie im Dezember 1886 in Brüssel uraufführte und auch die beiden umjubelten Pariser Aufführungen des Jahres 1887 spielte. Das Publikum applaudierte begeistert, und das Duo ließ sich nicht lange zu einer sehr originellen und spannenden Zugabe bitten. Von Udovichenko und Belikova wird man sicher noch hören. Hoffentlich bald auch wieder in der Region!
