Ehrenamtliche Helfer sind enttäuscht
Fehlende Impfpriorisierung zeigt geringe Wertschätzung für Brand- und Katastrophenschutz
Michael Zimmermann, der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Ahrweiler, machte die örtlichen Landtagsabgeordneten auf die Problematik aufmerksam
Kreis Ahrweiler. Michael Zimmermann, der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Ahrweiler, ist enttäuscht. Es fehlt ihm an Wertschätzung der rheinland-pfälzischen Landesregierung gegenüber den ehrenamtlichen Helfern im Brand- und Katastrophenschutz, vor allem im Zusammenhang mit der Impfung gegen das Corona-Virus. „Trotz Ankündigung auf der einschlägigen Internetplattform des Landes läuft die Impfaktion für die Helfer des Brand- und Katastrophenschutzes mehr als schleppend. Termine für Angehörige von Feuerwehren und Katastrophenschutz sind bisher in der Prioritätengruppe 3 so gut wie nicht vergeben worden“, kritisiert er. „Dies führt zu großem Unmut in den Einheiten.“ Deshalb wandte er sich jetzt an die Öffentlichkeit und an die örtlichen Landtagsabgeordneten, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Keine Antwort des Innenministers auf Brief
Bereits vor zwei Wochen habe er einen Brief an den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) geschickt, leider bisher ohne Antwort. „Wenn ich einen Brief schreibe, erwarte ich eigentlich eine Antwort“, zeigte Zimmermann sein Unverständnis in Anwesenheit der Landtagsabgeordneten Susanne Müller (SPD), Horst Gies (CDU) und Petra Schneider (CDU) sowie zahlreicher hochrangiger Vertreter von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Notfallseelsorge. Auch der Landesfeuerwehrverband habe bereits zwei Pressemeldungen veröffentlicht, auf diese habe es ebenfalls keine Reaktion der Landesregierung gegeben. „Dies wollen und können wir im Interesse unserer ehrenamtlichen Kräfte nicht hinnehmen“, machte Zimmermann deutlich. Dass sich seit 23. April auch die ehrenamtlichen Kräfte der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes in Rheinland-Pfalz als zur Priorisierungsgruppe 3 gehörend für eine Corona-Impfung registrieren könnten, werde aus den Reihen der Hilfskräfte als zu spät angesehen und als fehlende Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement vieler Frauen und Männer empfunden. Dabei habe Lewenz selbst gesagt, die Feuerwehrkameraden wüssten nicht, welche Ansteckungsgefahren ein Einsatz mit sich bringe und könnten immer wieder unvorhergesehen in Situationen kommen, in denen eine Impfung gegen das Virus zusätzliche Sicherheit bietet.
Andernorts werden Feuerwehrkräfte reihenweise geimpft
Das Warten auf die Impfung und eine weitere Verzögerung sei für die hiesigen Helfer umso schwerer zu verstehen, als in anderen Kreisen in Rheinland- Pfalz sowie im angrenzenden Nordrhein-Westfalen bereits reihenweise Feuerwehrkräfte geimpft würden.
„Ich bitte Sie daher, sich beim Gesundheitsminister und weiteren zuständigen Stellen für eine Sonderimpfaktion sowie entsprechende Kontingente für die Angehörigen des Brand- und Katastrophenschutzes einzusetzen“, so Zimmermann. Für diese Forderung hätten sich unter anderem auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler (CDU) und anderen handwerklichen Landräte stark gemacht.
Seit Beginn der Coronakrise sei unter großen Einschränkungen und Anstrengungen der Einsatzdienst weiter aufrechterhalten worden, obwohl der Übung- und Ausbildungsbetrieb stark eingeschränkt sei oder sogar über Wochen und Monate gar nicht stattgefunden habe. Mit einem Impfschutz könne der dringend notwendige Ausbildungsdienst wieder mit einem sicheren Gefühl für alle aufgenommen werden, so Zimmermann. Denn spätestens mit der geplanten Abschaffung der Impfpriorisierung zum 7. Juni drohe die eigentlich vorgesehene „erhöhte Priorität“ von Land- und Katastrophenschutz ohnehin zu versanden. „Die Motivation zum Helfen leidet bei vielen Ehrenämtern dadurch.“ Denn ausgerechnet bei einer weltweiten Pandemie würden sich diejenigen, die oft als Retter in der Not und als letzte Bastion angesehen würden, nicht richtig beachtet.
„Das Land ist in der Pflicht“
„Das Land ist in der Pflicht“, pflichtete der CDU-Landtagsabgeordnete Horst Gies bei, denn ehrenamtliche Hilfe sei ein Geben und Nehmen. Das sei ein gemeinsames Anliegen aller Fraktionen im Landtag, über alle Parteigrenzen hinweg. Zumal die Zurückhaltung bei den Impfungen negative Auswirkungen bis in Familien und Betriebe hinein zeige, wenn deren Mitglieder Einsätze für die Feuerwehr leisteten. Er bekräftigte noch einmal: „Impfen, impfen, impfen ist das einzig Richtige.“ Dem stimmte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Susanne Müller zu, „denn das Ehrenamt ist unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft.“ Sie versprach, das Anliegen bei der Landesregierung in Mainz vorzutragen. Allerdings wies auch auf das Nachrückverfahren hin, bei dem in allen Impfzentren eine Nachrückerliste mit impfberechtigten Personen geführt werde, die kurzfristig erscheinen könnten im Falle einer übrig gebliebenen Impfstoffmenge, wenn etwa ein Impfling nicht erschienen sei.
JOST
Vor dem Landes-Impfzentrum in Gelsdorf protestierten zahlreiche hochrangige Vertreter von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Notfallseelsorge für eine schnellstmögliche Impfung der ehrenamtlichen Helfer. Michael Zimmermann, der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Ahrweiler, übergab eine entsprechende Forderung an die Landtagsabgeordneten Susanne Müller (SPD), Petra Schneider (CDU) und Horst Gies (CDU). Foto: JOST
