Ausstellung Sammlung Foest: Studioglas aus vier Jahrzehnten im Glasmuseum
Figuren, Skulpturen und Stelen - Glas in seinen schönsten Formen
Rheinbach. Mit einer Doppelausstellung unterstreicht das Glasmuseum Rheinbach einmal mehr, dass es zu den wichtigsten Standorten nicht nur in Deutschland gehört, wenn es um das Thema Glas in der Kunst geht. Die Studioglas-Sammlung von Eberhard Foest, die nun seit Sonntag am Himmeroder Wall zu sehen ist, gibt mit rd. 200 Exponaten einen ausgezeichneten Überblick über die Studioglas-Bewegung, die seit den 1960er Jahren Glaskünstler bewog, aus den bisherigen Bahnen der reinen Funktionalität des Werkstoffes Glas auszubrechen. In Deutschland war dies in erster Linie der Glasveredler Erwin Eisch mit seiner Werkstatt in Frauenau im Bayerischen Wald. Gleich beim ersten Besuch in den Eisch-Werkstätten während eines Urlaubs vor nunmehr schon 42 Jahren verfiel der junge Eberhard Foest - er hatte zwei Jahre an der Folkwangschule in Essen u.a. Bildhauerei und dann Hochbau an den Ingenieurschulen in Essen und Münster studiert - dem zähflüssigen und unendlich formbaren Werkstoff Glas. Der Besuch in Frauenau entfachte aber nicht nur die Sammelleidenschaft, der Bildhauer, Maler und Architekt entwickelte sich selbst zum Glaskünstler.
Im Glasmuseum am Himmeroder Wall eröffnete Bürgermeister Stefan Raetz die Ausstellung „Im Fluss - Die Studio-Sammlung von Eberhard Foest“. Der Titel der Ausstellung ist ein wenig irreführend. Zwar sind auch maßgebliche Werke von Eberhard Foest zu sehen, ein Großteil der Exponate sind aber aus der Sammlung Foest, darunter allein 40 Werke von Erwin Eisch, beinahe ebenso viele von so bekannten Künstlern wie Harvey Littleton aus den USA, neben Eisch einer der „Motoren“ der Studioglasbewegung, von Theodor G. Sellner und Alois Wudy, dazu weitere Werke von Simone Fezer, Marvin Lipofski, Finn Lyngaard, Stanislaw Borowski, Udo Edelmann, Pavel Molnar, Otmar Alt und anderen.
Bei dieser geballten Darstellung von Studioglas-Objekten war es kein Wunder, dass die Stuhlreihen im großen Ratssaal im Glasmuseum nicht für die mehr als 200 Besucher ausreichten, die zur Eröffnung gekommen waren. Dr. Norbert Kühn, Leiter des Fachbereichs Kultur beim Landschaftsverband Rheinland, wies in seinem Referat auf die freundschaftlichen Verbindungen des Glasmuseums mit dem Landschaftsverband hin. Mit dem vom Landschaftsverband 2013 mit auf den Weg gebrachten digitalen Verbundsystem unterstütze er zudem die Anstrengungen, das Thema Glas noch mehr in der Öffentlichkeit zu verankern.
Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung von dem Amati-Trio um die Gitarristin Martina Kölle begleitet.
Figuren und Bilder im Glaspavillon
Der zweite Teil der Ausstellung - „IM DIALOG - Die Wandlung der Figuren von Eberhard Foest“ - ist im Glaspavillon zwischen Glasfachschule und Stadthalle zu sehen. Dort zeigt sich der in Leverkusen lebende Foest mit seinen bildhauerischen Werken, mit großformatigen Bildern, aber auch mit einigen Exponaten seiner Glasarbeiten, die einen Bezug zu den holzschnittartigen „Figuren“ haben, die für Foest zu einem Markenzeichen geworden sind. Die menschenähnlichen, oft mehr als mannshohen Figuren sind aus Holz oder Metall gearbeitet, und die gleichen Figuren sind auch in großen, buchartigen Glasblöcken aus dünnen, fast durchscheinenden Lagen Gold oder Platin dargestellt, „eingebacken“ in bis zu zwanzig Schichten fünf Millimeter dicken Glasplatten.
Die Ausstellungen sind noch bis zum 4. Mai zu sehen.
Eberhard Foest vor einem seiner Bilder im Glaspavillon
