Frühjahrsdelegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Mayen-Koblenz e. V.
Flächen- und Vegetations- brände als neue Herausforderung
Bell. Der Kreisfeuerwehrverband Mayen-Koblenz hat jüngst die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Mayen-Koblenz in das Gemeindehaus in Bell zur traditionellen Frühjahresdelegiertenversammlung eingeladen. Die Veranstaltung stand im Zeichen der Information zu aktuellen und das aktuelle Feuerwehrgeschehen prägenden Themen.
Vom Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes, Jens Nikolai, konnten rund 180 Gäste aus dem Kreis der Wehren, Repräsentanten des Feuerwehrwesens, die Abgeordneten aus dem Bundes- und Landtag sowie die Bürgermeister der im Landkreis gelegenen Städten und Verbandsgemeinden mit Herrn Landrat Dr. Alexander Saftig an der Spitze begrüßt werden.
Nach den Grußworten des Bürgermeisters der Ortsgemeinde Bell, Bernd Merkler, des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Mendig Jörg Lemperz sowie des Landrates Dr. Alexander Saftig und des Kreisfeuerwehrinspekteurs Rainer Nell stand der Fachvortrag im Vordergrund des Interesses der Feuerwehrangehörigen. „Die Feuerwehr ist das Rückgrat der regionalen Gefahrenabwehr und dafür danke ich den mit persönlichem Einsatz agierenden Feuerwehrkameraden und -kameradinnen.“, so würdigte Dr. Alexander Saftig die Arbeit der Feuerwehren im Landkreis Mayen-Koblenz.
Als Referent konnte Andreas Rauch von der Initiative @fire gewonnen werden, der mit seinem Fachvortrag zur Bekämpfung von Flächen- und Vegetationsbränden ein Schwerpunktthema aus dem Hitzesommer 2018 aufgegriffen hat. Die Initiative @fire ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Mitglieder aus den Feuerwehren sowie aus dem Rettungsdienst rekrutiert und seine Kompetenzen den örtlichen Einheiten der Gefahrenabwehr zur Verfügung stellt.
Flächen- und Vegetationsbrände als neue Herausforderung
Im Vordergrund des Vortrages stand die richtige taktische Vorgehensweise bei der Bekämpfung von Flächen- und Vegetationsbrandbekämpfung. Der Referent schilderte eindrücklich die Gefahren für Mensch und Material, die aus der im Einsatzspektrum der für die Feuerwehr nicht alltäglichen Lage resultieren. In taktischer Hinsicht ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen einem Gebäudebrand und einem Brandereignis auf freien Flächen und in Wäldern. In der Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren werden diese Gefahrensituationen nicht hinreichend berücksichtigt und hierin liegen oftmals die Ursachen für eine nicht angemessene taktische Vorgehensweise. Im Gegensatz zu der Einsatzplanung bei Brandereignissen in Gebäuden sind die Gegebenheiten der Vegetation, der Topografie und des Wetters zu berücksichtigten. Insbesondere die Windrichtung und ein eventueller Wechsel des Windes sind bei der Aufstellung der Fahrzeuge zu berücksichtigen. Auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit eines Brandes auf dem Grasland sowie von Stoppelfeldern ist rasant und stellt eine besondere Herausforderung für die Brandbekämpfung dar. Die persönliche Schutzausrüstung ist weiterhin von Bedeutung für den Einsatzerfolg und muss im Gegensatz zur Innenbrandbekämpfung leicht ausgestaltet sein. Ferner ist der Schutz der Feuerwehrangehörigen vor brennenden Teilen der Vegetation von Relevanz, um schwerwiegende Verletzung zu vermeiden. In taktischer Hinsicht sind Flächenbrände von der Rückseite aus Richtung des bereits verbrannten Bodens entlang der Flanke zu bekämpfen. Eine Angriffsstrecke aus 120 m B-Schlauch und dreimal 30 m C-Schlauch benötigt 654 l Wasser nur zur Füllung der Schläuche, während bei 120 m C-Schlauch und dreimal 30 m D-Schlauch 210 l Wasser benötigt werden. Dies ist einerseits von Bedeutung bei der Auslastung des Wassertanks, insbesondere bei kleineren Löschfahrzeugen und andererseits mit Blick auf das Gewicht bei der Verlagerung der Schlauchleitung aufgrund einer Änderung im Brandverlauf. Es sollen grundsätzlich zwei Tanklöschfahrzeuge, bei denen eine Wasserabgabe im Fahrbetrieb möglich ist, entweder parallel oder auf der rechten und linken Flanke einzusetzen.
Neue Vorgehensweisen notwendig
Dabei ist auf eine Leitung für den Löschangriff und eine weitere Leitung für den Selbstschutz zu achten. Mit Blick auf einen Angriff vom bereits verbannten Bereich aus ist zu beachten, dass Glutnester oder Restfeuerstellen die Fahrzeugtechnik beeinträchtigen können. Zudem ist ein Ankerpunkt von einem gesicherten Anfahrtsweg aus zu bestimmen. Als Regel kann gelten: Sicherungsposten (Beobachter der Einsatzstelle einrichten); Kommunikation (Funkgruppen definieren und Lageveränderungen melden); Rettungswege (vorher festlegen) und Sicherheitszonen (rechtzeitig definieren).
Das Brandverhalten - so vermittelte Andreas Rauch den Teilnehmern - hängt maßgeblich von der Windrichtung, der Hangneigung, der Ausrichtung des Hanges in die Himmelsrichtungen und die Entzündbarkeit der Brennstoffe ab. Weiterhin ist bei Hängen auf herabrutschendes brennendes Material zu achten, da somit eine Brandgefahr im Rücken der Einsatzkräfte entsteht.
Der Vorsitzende Jens Nikolai dankte Andreas Rauch für das umfangreiche Referat und überreichte einen Präsentkorb. In seinem Schlusswort führte der Vorsitzende noch die Termine des Jahres 2019 an: Am 22. Juni die Abnahme des Feuerwehrleistungsabzeichens in Mayen und am 24. November die Delegiertenversammlung im Bürgerhaus Mayen-Hausen. Mit einem Dank an die Feuerwehrangehörigen schloss Jens Nikolai die Frühjahrsdelegiertenversammlung.
Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbands Mayen-Koblenz
Referent Andreas Rauch von der Initiative @fire hielt einen Fachvortrag zur Bekämpfung von Flächen- und Vegetationsbränden.