Allgemeine Berichte | 04.07.2016

Katzenhilfe Neuwied verzichtet auf Aufnahmegebühren für Katzenwelpen

Flut ausgesetzter Katzenbabys rollt auf Tierschützer zu

Schutzverordnung könnte Leid eindämmen - Organisationen setzen sich für Kastrationspflicht ein

Die kleine Pippa kam im letzten Frühsommer fast verhungert zur Katzenhilfe Neuwied. Lange bangten die Tierschützer um ihr Leben, doch sie hat es – im Gegensatz zu vielen anderen – geschafft. privat

Neuwied. Im Frühjahr erwacht die Natur, und bei vielen Tieren meldet sich Nachwuchs an. Für Tierschützer bedeutet dies den Beginn der Hochsaison: Zu keiner anderen Zeit werden so viele Katzen ausgesetzt wie in den Wochen zwischen Frühjahr und Sommer. „Zurzeit sind es vor allem trächtige Tiere, die wir aufnehmen müssen. In einigen Wochen kommen dann die Mütter mit ihren bereits geborenen Welpen“, erklärt Ingrid Haberscheidt, die zweite Vorsitzende der Katzenhilfe Neuwied und betont die besondere Herausforderung, die das alljährlich für ihren Verein bedeutet. „Auch für Katzen sind Geburt und Aufzucht der Jungen eine anstrengende und kräftezehrende Angelegenheit. Deshalb können wir diese Tiere nicht einfach in unserem Katzenheim aufnehmen, sondern suchen nach Möglichkeit einen ruhigen privaten Pflegeplatz bei unseren Freunden und Mitgliedern. Angesichts der Masse an Tieren, die wir jedes Jahr aufnehmen müssen, ist das keine einfache Aufgabe.“

„Die Spitze des Eisbergs“

Allerdings weiß Haberscheidt allzu genau, wie die Alternative für den unerwünschten Katzennachwuchs aussieht: Allzu oft ist sie tags und nachts ausgerückt, um auf einen Hilferuf zu reagieren – und kam zu spät: Die ausgesetzten Tiere waren bereits tot oder so geschwächt, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten. Den Alptraum ihres ehrenamtlichen Engagements nennt die Tierschützerin solche Szenen. „Das Schlimmste ist, dass wir genau wissen, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Viele Tiere sterben einfach im Wald oder auf der Straße, ohne dass es von uns überhaupt bemerkt wird.“

Die Verantwortlichen der Katzenhilfe werden deshalb nicht müde, an das Verantwortungsbewusstsein von Katzenbesitzern zu appellieren. Denn kurioserweise sind es vor allem die vermeintlichen Tierfreunde selbst, die eine entscheidende Rolle im Kreislauf von Verstoßenwerden, Leid und Tod spielen. „Trächtig werden ja nur die unkastrierten Tiere“, betont Haberscheidt. Und im Gegensatz zu echten Wildkatzen, die pro Jahr lediglich zwei oder drei Welpen aufziehen, sind domestizierte Tiere wesentlich gebärfreudiger: Bereits mit einem halben Jahr geschlechtsreif, können Katzenmädchen zwei bis dreimal pro Jahr bis zu sieben Junge zur Welt bringen. Beispielrechnungen zeigen beeindruckend auf, wie viel Nachwuchs ein einziges Katzenpaar in nur zwei oder drei Jahren produzieren kann.

 „Natürlich gleicht die Natur das wieder aus, indem sie die Überlebenschancen freilebender Hauskatzen durch Krankheiten und Fressfeinde drastisch absenkt. Aus dieser Spirale kommen wir nur heraus, wenn Katzenbesitzer ihre Tiere kastrieren lassen – das gilt selbstverständlich auch für Kater, die ja sogar für noch viel mehr Nachwuchs sorgen als eine unkastrierte Kätzin.“

Auch die Politik ist gefordert

Um ihr Anliegen zu unterstützen und den Tierschutz mittelfristig von dieser kaum zu bewältigenden Aufgabe zu entlasten, setzt die Neuwieder Katzenhilfe sich gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen aus der Region für eine Katzenschutzverordnung ein, die unter anderem eine Kastrationspflicht vorsieht. „Wer einmal einen Sommer lang bei uns gearbeitet hat, der wird diese Forderung nachvollziehen können“, glaubt Ingrid Haberscheidt. „Spätestens dann, wenn ihm ein hilfloses kleines Wesen unter den Händen wegstirbt.“

Allerdings wollen die Tierschützer nicht einfach abwarten, bis eine solche Verordnung auf politischer Ebene durchgesetzt werden kann. Sie haben sich deshalb entschlossen, auch in diesem Jahr auf eine Abgabegebühr für Katzenwelpen zu verzichten. „Obwohl wir natürlich eigentlich gerade jetzt dringend auf jeden Euro angewiesen sind“, betont Haberscheidt. „Aber es ist für alle Beteiligten besser, wenn die Tiere direkt zu uns kommen, statt irgendwo ausgesetzt und ihrem ungewissen Schicksal überlassen zu werden.“ Natürlich übernehme man auf Wunsch auch die Katzenmutter.

Wer also mit dem Nachwuchs seiner Katze überfordert ist, sollte sich an die Katzenhilfe Neuwied wenden. Dort wird man auch bei anderen Problemen rund um die Katze versuchen zu helfen – ohne den Besitzern Vorwürfe zu machen. Kontakt: Tel. (01 57) 52 68 76 61.

Die kleine Pippa kam im letzten Frühsommer fast verhungert zur Katzenhilfe Neuwied. Lange bangten die Tierschützer um ihr Leben, doch sie hat es – im Gegensatz zu vielen anderen – geschafft. Foto: privat

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