Fresken in der Apollinariskirche werden untersucht
Forschung für zukünftig erfolgreiche Restaurierungen
Remagen. Wer die jüngst aufgestellten Gerüste im südlichen Querschiff der Apollinariskirche sieht, ahnt nichts Gutes. Erst 2015 wurde zum wiederholten Mal sanierend Hand an die Malereien gelegt. Ist es schon wieder so weit? Ja und nein. Die Wallfahrtskirche, die Ernst Deger, Karl und Andreas Müller sowie Franz Ittenbach von 1843 bis 1853 mit Szenen aus dem Leben Christi, Mariä und des heiligen Apollinaris ausmalten, hat mehrfach Renovierungen erfahren. Diesmal geht es zwar um Vorsorge: Simone Gerber untersucht dort akribisch die riesigen von Andreas Müller geschaffenen Wandgemälde „Die Bischofsweihe des Apollinaris“ und „Die Auferweckung der Tochter des Rufinus durch Apollinaris“. Doch nicht Forschung allein ist das Ziel, sondern Gerber will den aktuellen Zustand der Fresken präzise darlegen können, damit bei zukünftigen Maßnahmen die Fehler der Vergangenheit vermieden werden können. Denn an der Bischofsweihe zeigen leider sogar die erst 2015 konservierten und retuschierten Predellen (die kleinen Bilder unter der Hauptszene) Ablösungen von Farbe. Mit Taschenlampe und Lupe tastet Gerber die gesamte Oberfläche der Fresken ab. Die gebürtige Schweizerin, Steinmetzin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), studiert im vierten Mastersemester Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinpolychromie in Stuttgart. Die Leitung dieses Projektes liegt bei ihrem Professor, Diplom-Restaurator Roland Lenz von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK Stuttgart). Unterstützt wird die Untersuchung von Bistumskonservator Dr. Andreas Weiner (Amt für kirchliche Denkmalpflege, Trier) sowie vom freiberuflichen Restaurator Dr. Thomas Lutgen aus Trier/Luxemburg. Schon früh machten Schäden an der 1857 geweihten Kirche Renovierungen notwendig. Das galt auch für die Malerei, die bereits um 1900 durch ein damals schadhaftes Dach gelitten hatte. Nachfolgende Probleme lagen in der Bildherstellung selbst begründet. Gemalt wurde in den feuchten Putz, damit sich Farbe und Untergrund fest verbinden, was in Gänze nicht erreicht wurde. Denn Andreas Müller, der mit der Bischofsweihe das erste Bild der Ausmalung fertigte, aber auch seine drei Künstlerkollegen, waren in der komplexen Freskentechnik nicht hinreichend erfahren. Später rangen Experten um die Behebung von Schäden, wobei ihre Restaurierungen ungewollt neue Probleme verursachten. Simone Gerber untersucht die Bischofsweihe und die Totenerweckung gegenüber, da sie in den Unterschiedlichkeit ihrer Beschädigung stellvertretend für die gesamte Malerei der Kirche sind. An der Bischofsweihe wurden etwa Malschichten gefestigt und retuschiert. Die Totenererweckung hingegen hat Franz Stiewi strappiert, ein radikaler Eingriff, bei dem Partien von der Wand abgenommen und wieder eingefügt werden. „Das wird heute kaum noch praktiziert“, sagt Gerber.
Auf der Suche nach Schadstellen analysiert die 29-Jährige die gesamten, zuvor in ein Koordinatensystem aufgeteilten Wandflächen: Hauptbild, Allegorien, kleine Gemälde, Schriften, Pflanzenfelder und Stuckprofile. Ein starken Strahler steht auf dem Gerüst. Zudem setzt Gerber die Taschenlampe ein, „weil man im Streiflicht einzelne Schäden besser erkennt“. Ihre Befunde an der Bischofsweihe betreffen etwa gelblich-bräunliche Bereiche, „die sind wohl besonders anfällig“, freiliegende Kalkflächen oder abstehende Malschichten. Diese fotografiert sie mit einem Befundschildchen. Bestand, Zustand und Beschädigung trägt sie in eine Datenbank auf dem Laptop ein und markiert die nummerierten Stellen auf einer Gesamtübersicht. Zuhause wird sie Proben auch mikroskopisch untersuchen. Ziel ist es, Schadstellen in ihrem Schichtenaufbau, Bindemittel und andere Materialien auf bestimmte Restaurierungsschritte zurückzuführen, um Fehler nicht zu wiederholen. Gerbers Befunde werden vor Ort bei einem Expertentreffen mit Professor Roland Lenz, Bistumskonservator Dr. Andreas Weiner (Amt für kirchliche Denkmalpflege, Trier) und Gerber besprochen. Daraufhin verabredet man Spezialaufnahmen. „Die Ergebnisse meiner Untersuchung“, so erklärt Simone Gerber, „münden in meine Projektarbeit, die ich auch vor Ort vorstellen werde“.
HG
Die Beschädigungen werden fotografiert und in einer Datenbank festgehalten.
Durch das Streiflicht der Taschenlampe lassen sich einzelne Schadstellen besser erkennen.
