Allgemeine Berichte | 11.02.2022

Naturschutzinitiative e.V. (NI) zu den forstlichen Arbeiten im Kaltenbachtal

Forst verstößt gegen gute fachliche Praxis und ökologische Waldwirtschaft

Extreme Wegezerstörung.  Fotos: NI

Rheinbrohl. Der Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI) erachtet die forstlichen Arbeiten im Kaltenbachtal als einen schwerwiegenden und verantwortungslosen forstlichen Eingriff in das Ökosystem Wald mit seinen streng geschützten Arten. Wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen sowie Wander- und Erholungsgebiete für Menschen wurden erheblich beeinträchtigt oder sogar zerstört.

Diese forstlichen Eingriffe sind nicht die einzigen Verstöße des zuständigen Revierleiters gegen die sogenannte „gute fachliche Praxis“. Der Revierleiter und der zuständige Forstamtsleiter werden nach Auffassung des Naturschutzverbandes NI ihrer Verantwortung gegenüber unseren Wäldern nicht gerecht. Hierüber wurde bereits auch in der Fachpublikation Naturschutz Magazin, Ausgabe 02/2020 ausführlich berichtet.

„Darüber hinaus wünschen wir uns im Zeitalter des Artensterbens, dem Verlust an Biologischer Vielfalt und der Lebensräume ein stärkeres Engagement der Naturschutz- und Forstbehörden für den Natur- und Artenschutz“, erklärten Harry Neumann, Landesvorsitzender der NI und Biologe Günter Hahn, Sprecher der NI im Kreis Neuwied.

Der Umweltverband fordert eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Wälder, keine naturwidrigen Aufräum- und Aufforstungsprogramme und keine neuen Monokulturen im Wald. Außerdem fordert die NI FFH-Verträglichkeitsprüfungen in europäischen Schutzgebieten.

Um eine weitere fachliche Expertise zu den katastrophalen Zuständen im Kaltenbachtal einzuholen, hat die Naturschutzinitiative (NI) die beiden Biologen Prof. Dr. Eberhard Fischer und Dr. Dorothee Killmann von der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, Abteilung Biologie gebeten, zu den forstlichen Arbeiten im Kaltenbachtal Stellung zu nehmen.

Stellungnahme von Prof. Dr. Eberhard Fischer und Dr. Dorothee Killmann: „Bei einer Geländebegehung des FFH-Gebietes „Wälder zwischen Linz und Neuwied“ und angrenzenden Wäldern konnten wir feststellen, dass zahlreiche Altbuchen und damit potentielle Biotopbäume für Fledermäuse, Spechte und Eulen im FFH-Gebiet gefällt wurden. Darüber hinaus wurden Habitate des Steinkrebses an Leubsdorfer und Ariendorfer Bach sowie am Kaltenbach aufgesucht. Der Steinkrebs ist eine nach der FFH-Richtlinie prioritär geschützte Art und wird dort im Anhang II geführt. In Rheinland-Pfalz steht er auf der Roten Liste als „gefährdet“ (RLP 3). Seine Lebensstätten dürfen nicht beeinträchtigt werden. Eine Verschlechterung seiner Populationen ist nicht zulässig. Steinkrebse leben in sauerstoffreichen, relativ schnell fließenden Bächen naturnaher Wälder. Sie benötigen ein stabiles, kiesig-steiniges Substrat, in das sie ihre Höhlen graben. Beide Bachtäler sind durch die Forstarbeiten extrem stark beeinträchtigt. Hier wurden am Hang sogenannte Fichtenkalamitätsflächen kahlgeschlagen.

Im Leubsdorfer und Ariendorfer Bach sind die Habitate durch Holzpolter überbaut, zudem findet sich Ast- und Stammholz direkt im Bachlauf. Im Bereich des Kaltenbachs wurden die Arbeiten mit Hilfe von schweren Forstmaschinen durchgeführt. Die bis zu 1 Meter tiefen Fahrspuren sind direkt im geschützten Biotop des Bachlaufes und am Hang erkennbar. Die Verdichtung des Bodens, die Freistellung der Bachläufe und die damit einhergehende plötzliche Veränderung des Mikroklimas sind gravierend und führen nach unserer Ansicht zu einer deutlichen Verschlechterung des Steinkrebs-Lebensraumes und des gesamten Ökosystems Wald. Eine Restaurierung des Geländes im Kaltenbachtal ist aufgrund der Schwere der forstlichen Eingriffe sehr fraglich.

Wir verweisen auch auf unsere Fachpublikation ‚Ökologische Waldwende – Jetzt‘, deren Grundsätze hier in erheblicher Art und Weise verletzt wurden“, so die Biologen Prof. Dr. Eberhard Fischer und Dr. Dorothee Killmann.

Harry Neumann und Günter Hahn betonen, dass es zu den Rodungsflächen im Kaltenbachtal keine direkte Wegeanbindung und auch keine Rückegassen für die hier eingesetzten Großgeräte gibt. Umso unverständlicher ist es, dass der Harvester mit offensichtlicher Unterstützung des zuständigen Försters mitten durch den Bestand des schützenswerten und naturschutzfachlich wertvollen Hainsimsen-Buchenwaldes auf mehreren hundert Metern gefahren ist.

Der Harvester hat damit den wertvollen, natürlichen Waldboden stark verdichtet und irreversibel geschädigt. Neumann und Hahn gehen davon aus, dass z.B. die dort im Boden überwinternden Feuersalamander und andere Kleintiere zerquetscht und damit getötet wurden. Die Harvesterspuren verlaufen sogar senkrecht zum Waldhang, sodass der Boden bei Regen erodiert und in den Kaltenbach eingeschwemmt wird. Dort lebt der Steinkrebs, dessen Höhlen dann zugeschwemmt werden.

Bei einer solch nassen Wetterlage verbietet die „gute fachliche Praxis“ den Holzeinschlag mit schwerem Gerät. Aber auch hier ist eine Rücksichtslosigkeit offensichtlich. Wenn man die Holzmenge sieht, ahnt man, was mit dem Waldboden und dem Lebensraum Wald passiert. Die Holzpolder liegen im geschützten Buchenwald des FFH-Gebietes. Auch ein kulturhistorisch bedeutsamer Birkenwald wurde nicht verschont und für eine andere Nutzung durchforstet - obwohl der karge Boden dort kaum für Holzproduktion geeignet ist.

Privatwaldbesitzer, wie bei Feldkirchen, haben mehr als 200 Jahre alte Buchen gefällt, um daraus Brennholz zu machen. Diese standen im geschützten Waldmeister-Buchenwald des FFH-Gebietes und stellten äußerst wertvolle Habitatbäume dar. Die Naturschutzbehörden scheint das offensichtlich nicht zu interessieren - es gibt wohl keine klaren Vorgaben und schon gar keine Kontrollen in diesem europäischen Schutzgebiet. Es ist zu befürchten, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis das FFH-Gebiet „Wälder zwischen Linz und Neuwied“ seinen ursprünglichen Wert wie zu Beginn der Unterschutzstellung verloren hat.

Pressemitteilung

Naturschutzinitiative e.V.

Links ein großer Polder mit Birkenstämmen. Der karge Boden ist kaum für Holzproduktion geeignet.

Links ein großer Polder mit Birkenstämmen. Der karge Boden ist kaum für Holzproduktion geeignet.

Extreme Wegezerstörung. Fotos: NI

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Kleinanzeigen
Kirmes Polch 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Lava Grill Buffet
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeige 35-jähriges Jubiläum
Kirmes in Löhndorf
Löhndorfer Kirmes
Anzeige KW 16
Empfohlene Artikel
Die Aktivgemeinschaft organisiert zahlreiche Stadtfest, so auch das beliebte „Sprudelnde Sinzig“. Foto: Archiv RASCH
111

Sinzig. 2022 übernahm Peter Krupp den Posten des ersten Vorsitzenden zusammen mit einem neuen Vorstand. Geplant war, dass die Position nur für ein Übergangsjahr von Krupp besetzt werden sollte, die 2023 dann durch Neuwahlen beendet würde. Auf diesem Stand ist es bis heute geblieben.

Weiterlesen

Wer grillt, sollte auch verantwortungsvoll mit den entstehenden Abfällen umgehen.
14

Kreis Neuwied. Mit den ersten Sonnenstrahlen startet auch wieder die lang ersehnte Grillsaison. Viele nutzen die Maifeiertage, um „anzugrillen“. Damit hinterher auch der entstandene Müll den richtigen Weg findet, gibt die Abfallwirtschaft des Landkreises Neuwied hilfreiche Tipps zur passenden Entsorgung.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Kinder empfingen die Erste Heilige Kommunion.  Foto: Dietmar Walter
42

Erstkommunion der Kirchorte Rheinbrohl, Hammerstein, Leutesdorf

„Gottes Liebe ist wie die Sonne“

VG Bad Hönningen. Am Sonntag, dem 19. April, empfingen 19 Kinder aus Rheinbrohl, 4 Kinder aus Leutesdorf, ein Kind aus Hammerstein und ein Kind aus Bad Hönningen in der Kirche St. Peter und Paul die Erste Heilige Kommunion.

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3
43

Macht mit beim BLICK aktuell-Bilderrätsel!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 4
50

Macht mit beim BLICK aktuell-Bilderrätsel!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 4

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Dauerauftrag 2026
Anzeige "Rund ums Haus"
Kirmes Polch 2026
Kirmes in Polch
Handwerker im Außendienst
Werksverkauf Anhausen
Heizölanzeige
Suchen Auslieferungsfahrer
Handwerkerhaus
Anzeige Jaadeporz 2026
Kirmes Löhndorf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen in Heimersheim