Allgemeine Berichte | 10.03.2020

Beklemmendes Stück über Folter im Alten Bahnhof Puderbach

Fragen stellen kann sehr wohl schlimm sein

Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit

In dem Stück wird die Theorie zur Wirklichkeit. Die in Julias Textenbeschriebene Katharina Güschen nimmt in Julias Zimmer Gestalt an.

Puderbach. Eine Frau muss für ihren Chef eine Rede vorbereiten. Das Thema: „Die strafprozessualen Befragungstechniken im 17. Jahrhundert“. „Fragen ist doch gar nicht so schlimm!“, findet die lebenslustige, gut gelaunte Frau. Aber sie täuscht sich: Fragen kann sehr schlimm sein! Das wird sie im Lauf des Theaterabends im Puderbacher Alten Bahnhof lernen. Die Kulturschaffenden in der VG Puderbach haben das kleine Kölner Cassiopeia-Theater eingeladen. Gespielt wird „Das Verhör der Katharina Güschen“.

Julia, eine der beiden Protagonistinnen des Stücks, führt ein Gespräch mit einem imaginären Partner. Sie kokettiert, am Ende sagt sie: „Das passt total zu ihm, nicht zu fragen.“ Viel lieber würde sie sich an diesem Wochenende verlieben, als die Rede zu schreiben. Mehr widerwillig be

gibt sie sich an die Arbeit. In einem Umschlag findet sie Unterlagen über Hexenprozesse. Den Zuschauer beschleicht eine Ahnung, um welche Art von „Befragungstechniken“ es gehen wird.

Da taucht auch schon, wie ein Gespenst, die zweite Bühnenakteurin auf, Katharina, im langen weißen Kleid. Julia trägt rot. Monologisierend nähert sie sich ihrem Thema an, mehr widerwillig. Sie findet immer mehr Informationen über die gefragte Zeit, es gab viele Kriege. Julia verzweifelt: „Ich habe keine Ahnung vom 17. Jahrhundert!“ Helfen könnte ihr die Frau im weißen Kleid, denn die war Zeitzeugin im 17. Jahrhundert. 1613 wurde sie, 43-jährig, in Bensberg bei Köln als Hexe erst gehängt und dann verbrannt.

Julia dämmert es im Zuge ihrer Recherchen: „Das ist doch Inquisition!“ Sie findet Dokumente, die die unterschiedlichen Stufen der Folter drastisch beschreiben. Julia ist entsetzt. Sie merkt: Sie soll eine Rede über Folter schreiben. Lieber würde sie sich verlieben, immer noch.

Katharina monologisiert derweil Texte, anfangs scheinbar zusammenhanglos: „Unsere Kultur macht uns zu dem, was wir sind. Nicht unsere Natur!“ Dann schreit sie verzweifelt: „Ich bin gekommen, um Gehör zu finden! Hört mich denn niemand?“ Auf engstem Raum treffen hier zwei Welten und zwei Zeiten aufeinander. Katharina ist gekommen, um endlich Gehör zu finden, was man ihr damals, im Hexenprozess, nicht gewährte. Sie will erklären, will Zeugnis ablegen über ihre Schuld und ihre Unschuld. Ohne Folter.

Julia findet Akten über den Fall Katharinas. Die war zwölf Jahre alt, als ihre Großmutter und zwei Tanten verbrannt wurden. Mit 32 Jahren wird Katharina der Hexerei bezichtigt. Katharina verschafft sich Präsenz in Julias Bewusstsein. Die beiden Frauen sprechen miteinander. Katharina beschreibt die Pein ihrer Folter. Schwer, beinahe erdrückend legt sich eine beklemmende Stimmung über das Publikum. Dramatische Klavier-, Geigen- und Flötenmusik bestärkt dieses Gefühl.

Katharina erklärt, wie sie durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in den Verdacht der Hexerei geriet. Julia versteht, dass Katharina viel Pech hatte, möchte aber nicht „da mit reingezogen werden“. Um in einer von männlicher Willkür beherrschten Welt ihr Überleben und das ihrer Tochter zu sichern, musste sich Katharina mit Männern einlassen und wurde von ihnen ausgenutzt. Unter der unerträglichen Folter gesteht sie alles, was man ihr vorwirft. Katharina: „Ich habe mich selbst erniedrigt, im Schmerz. Ich hätte noch viel mehr gestanden, wenn man es von mir verlangt hätte.“

Lange bleibt es still im Theaterraum

Lange bleibt es still im Theaterraum, als die beiden Frauen im Dunkel von der Bühne verschwunden sind. Applaus erscheint unangebracht angesichts der Schwere des Themas. Aber die schauspielerische Leistung von Rosemarie Steinbach-Fuß und Simone Silberzahn hat Applaus verdient. Der kommt dann auch, kräftig und lang. Regisseur Udo Mierke hat die Aufführung mitverfolgt, genau wie Claudia Hann, die die Musik komponierte. Sabine Knorr-Henn von den Kulturfreunden Puderbach ist es, die das Publikum aus seiner Befangenheit erlöst und zu Gesprächen bei einem Glas Wein und einer Salzbrezel einlädt.

Fragen stellen kann sehr wohl schlimm sein

In dem Stück wird die Theorie zur Wirklichkeit. Die in Julias Texten beschriebene Katharina Güschen nimmt in Julias Zimmer Gestalt an.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Gitta Meyer: Ehrlich,die ganze Idee Buga im Mittelrhein ist falsch. Die Gemeinden sind verschuldet. Schauen sie sich Lahnstein an. Hier ist nichts los. Die Brücke wird bestimmt toll,aber sonst.....
  • Oliver Burggraf: Sehr schöne Vorabinfo vor dem Festival. Freuen uns schon drauf

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3

  • Claus Wiest: Das Foto zeigt die Rheinfähre Linz-Remagen, aufgenommen von der Anfahrt auf der Linzer Seite mit Blick auf den Ort Kripp.
Dauerauftrag 2025
Imageanzeige Werbeplan 2026
Kirmes Polch
Kirmes Polch
Kirmes Polch
Werbeplan 2026
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Nico Luo (rechts) und Julian Luo.  Foto: Fei Luo
13

Bendorf. Beim Landeswettbewerb Jugend musiziert in Mainz am 19./20. März haben die beiden Brüder Nico und Julian Luo aus Bendorf in der Wertung „Klavier solo“ große Erfolge erzielt. Die beiden hatten sich beim Regionalwettbewerb Ende Januar in Neuwied durch erste Preise für den Landeswettbewerb qualifiziert und ihr Programm in monatelanger Arbeit mit ihrem Lehrer, dem Pianisten Thomas Mombaur aus Ettringen, einstudiert und immer weiter verfeinert.

Weiterlesen

Mara Hermes ist überzeugt von der Bedeutung des Ehrenamts.  Foto: privat
20

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Blutspenden, Karnevalsumzüge oder auch Großveranstaltungen wie Rock am Ring wären ohne sie kaum denkbar: die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, helfen Menschen in Not und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. In der Reihe „HeimatHelden“ stellt BLICK aktuell Menschen vor, die diesem Engagement ein Gesicht geben.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
8

Blaulichtmeile Koblenz am 09.05.2026

Thementag Kriminalprävention und Karriere in Koblenz

Koblenz. Die Polizei Koblenz lädt gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt, der Berufsfeuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz am Samstag, den 09.Mai 2026, ab 10:00 Uhr zu einem abwechslungsreichen Thementag am Löhrrondell in Koblenz ein.

Weiterlesen

Symbolbild.
47

Flucht trotz ausgelöstem Airback: Polizei stoppt Autofahrer unter erheblichem Alkoholeinfluss

22.04.: Kontrollverlust auf der B260: Alkoholisierter Fahrer flieht nach Unfall

Nievern. Am Abend des 22. April 2026, etwa um 20:15 Uhr, ereignete sich auf der B260 in Fahrtrichtung Bad Ems ein Unfall. Ein Fahrzeug geriet auf Höhe des Überfliegers im Nievern-Bereich außer Kontrolle, begann zu schleudern und stieß schließlich an den Bordstein. Der Schaden an der Felge war beträchtlich, und die Airbags des Autos wurden ausgelöst. Trotz dieser Umstände entfernte sich der Fahrer zunächst unerlaubt von der Unfallstelle.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dienstleistungen
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
neue Heizung?
Dachdecker (m/w/d)
Floristik Meyer
Anzeige Uhren Vintage
Maibaumstellen Heimersheim
Kirmes Polch
Maifest in Gönnersdorf
Maifest Gönnersdorf
Erzieher
Servicemitarbeiterin
SB Wahlen
100 Jahre Eifelverein Dernau