Allgemeine Berichte | 03.11.2025, 09:08 Uhr

Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 am 9. November 2025 um 18 Uhr

„Frauchen, warum weinen Sie?“ - „Bitte kommen Sie herein und weinen Sie auch!“

Koblenz. In Deutschland wird derzeit an den Pogrom von 1938, bekannt als „Reichspogromnacht“, erinnert, und auch in Koblenz finden Gedenkveranstaltungen statt.

Dieser Rückblick ist heute von besonderer Bedeutung. Der Pogrom, der sich vor 87 Jahren ereignete, markierte einen schrecklichen Rückfall in die Barbarei. Innerhalb einer einzigen Nacht wurden die Errungenschaften der Aufklärung, die Emanzipation, der Gedanke des Rechtsstaats und die Idee der individuellen Freiheit zunichtegemacht.

Eine solche Verfolgung der Juden hatte es in Mitteleuropa seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr gegeben. Anders als die unkontrollierten Gewaltausbrüche des Mittelalters war der Novemberpogrom von 1938 von staatlichen und quasi-staatlichen Instanzen organisiert und inszeniert.

In der heutigen Zeit steht die Gesellschaft erneut vor schwierigen Herausforderungen. Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus breiten sich seit Jahren in der Gesellschaft aus. Diese Tendenzen haben nicht nur Randgruppen erfasst, sondern sind auch in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob aus der jüngeren Geschichte ausreichend gelernt wurde. Eine solche Auseinandersetzung ist dringend notwendig, denn bereits einmal begann eine ähnliche Entwicklung, die im Zweiten Weltkrieg und mit dem Tod von 60 Millionen Menschen endete, darunter 11 Millionen NS-Opfer, von denen 6 Millionen Juden waren.

Aufklärung und das Wissen um die Geschichte sind entscheidend, um dieser beunruhigenden Entwicklung entgegenzutreten. Zwar bieten sie kein Allheilmittel, doch sind sie notwendig, um wirksam zu handeln.

Der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an diese Verbrechen und ihre Opfer lebendig zu halten. In Zusammenarbeit mit der Stadt organisiert der Verein am Sonntag, dem 9. November 2025, um 18:00 Uhr einen Gedenkgang. Das Motto der Veranstaltung entstammt einem Dialog, der in einer verwüsteten Wohnung am 10. November 1938 stattfand: „Frauchen, warum weinen Sie?“ – „Bitte kommen Sie herein und weinen Sie auch.“ Der Treffpunkt ist die ehemalige Synagoge „Bürresheimer Hof“ auf dem Florinsmarkt. Joachim Hennig, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, führt die Teilnehmer mit Biografien von Koblenzer Juden und Erinnerungen an die Geschehnisse der „Reichspogromnacht“ durch die Stadt. Die Route führt durch die Gemüsegasse, „An der Liebfrauenkirche“ und Marktstraße, über den Plan, durch die Görgenstraße, vorbei am Zentralplatz, durch die Viktoriastraße und Schloßstraße, das Schloßrondell, die „Neustadt“ bis zum Deinhardplatz. Der Gedenkgang endet nach etwa zwei Stunden am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz. Dort präsentiert der Förderverein eine Freiluft-Ausstellung mit 16 selbst erarbeiteten Biografien von NS-Opfern, die selbst oder deren Eltern den Pogrom erleiden mussten. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

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