Rheinbacher Georgspfadfinder knüpfen Kontakte zu Frankreich
„Freundschaft über die Grenzen“
53-jährige Partnerschaft zu den Kollegen in Le Vic wird wiederbelebt und mit Leben erfüllt
Rheinbach/Le Vic. Als Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 die deutsch-französische Freundschaft mit ihren Unterschriften besiegelten und eine neue Ära in der Beziehung der beiden Nachbarn einläuteten, da wurde die Annäherung der Länder in Rheinbach mit besonders großem Interesse verfolgt. Doch: Neu war eine deutsch-französische Freundschaft für die Rheinbacher nicht, denn die Sankt Georgs Pfadfinder (DPSG) hatten bereits drei Jahre früher enge Kontakte zu französischen Pfadfindern geknüpft. Mit den Kollegen in Le Vic besteht nun seit 63 Jahren eine Freundschaft, die zwischenzeitlich etwas eingeschlafen war, aber nun wiederbelebt wird, wie DPSG-Vorsitzender Werner Gerhards und sein Vorstandskollege Wilfried Sturm erläutern. Bei den Feiern zum 60-jährigen Bestehen der Freundschaft der beiden Länder in Verdun waren auch die Rheinbacher „Pfadis“ mit einer Delegation dabei und reisten anschließend gleich weiter in die Vogesen, wo sie ihre französischen Freunde trafen und eine Intensivierung der Partnerschaft vereinbarten.
Blick über den Tellerrand
Den Blick über den Tellerrand haben die Rheinbacher Pfadfinder des Stammes Antoine de Saint-Exupéry immer angestrebt. „Wir sind kreuz und quer durch ganz Europa getrampt, waren überall zu Hause und kannten auch keine Probleme mit anderen Ländern. Wie selbstverständlich saßen wir bei internationalen Treffen und Zeltlagern mit Kollegen aus aller Herren Ländern zusammen. Wir hatten Freunde in den Niederlanden, in Finnland, Dänemark, Frankreich, Spanien, Schottland, Norwegen, Österreich und Luxemburg“, erinnern sich Sturm und Gerhards.
Beim internationalen Lager in Rheinbach lernten die Gastgeber ihre französischen Freunde aus St. Dié in den Vogesen kennen. „Vor allem Dieter von Brauchitsch leistete wertvolle Vorarbeit bei der Verbindung zu den Franzosen und Pfadfindern anderer Nationen.
Es entwickelten sich regelmäßige Fahrten. Wir erfüllten den Élysée-Vertrag schon vor seinem Abschluss“, erzählt Werner Gerhards, unter dessen Stammesführung die Kontakte intensiviert wurden. Aus Unterbringungsgründen wohnten die Rheinbacher dann in Le Vic. Viele private Kontakte entstanden in dieser Zeit und leben teilweise noch heute. Besonders erwähnen Gerhards und Sturm ihren Freund Fritz Pelzer, der in den Anfangszeiten dieser Partnerschaft seine Liebe zu Frankreich und dessen Sprache entdeckte, Französisch studierte und schließlich Lehrer am Städtischen Gymnasium wurde.
Er leistete hervorragende Dienste bei den Treffen. In der Nazizeit waren die Pfadfinder in Deutschland und im westlichen Nachbarland verboten und erlebten eine Renaissance nach dem Krieg. Davon profitierten auch die Pfadfinder in den beiden Ländern.
Doch die Treffen wurden deutlich weniger, als die Ferienzeiten hüben und drüben des Rheins nicht mehr übereinstimmten. Regelmäßige Besuche sollen wieder angekurbelt werden, haben die beiden Stämme beschlossen.
In Le Vic wurden die Rheinbacher nun mit offenen Armen empfangen, mit einer groß gedeckten Tafel und exquisiten Getränken. „Es war eine tolle Feier“, sagen Gerhards und Sturm. In Le Vic ist mittlerweile ein einfaches Hotel errichtet worden, das sicherlich vor allem im Winter für die Rheinländer attraktiv ist, denn die Region gilt als schönes Skigebiet. Doch auch an private Kontakte zwischen Familien und Vereinen ist gedacht. Auf jeden Fall wollen die Pfadfinder der beiden Städte die 500 Kilometer Distanz in Zukunft öfter bewältigen und sich treffen. Im September soll der nächste Besuch sein.
Wilfried Sturm und Werner Gerhards informieren über die Freundschaft.
