Allgemeine Berichte | 23.05.2023

Wie das Fest in Burgbrohl gefeiert wurde, erfuhr Eberhard Thomas Müller 2002 von Hedi Habermann (†)

Fronleichnam im Brohltal

Das Bild aus den 50er Jahren zeigt den blauen Altar im Oberdorf. Die Aufnahme müsste von Foto Stumpf, also von Gerd Stumpf oder seinem Vater sein, die die Ortgeschichte fotografisch dokumentiert haben. Pfarrer damals war Pastor Schmitz. Foto: privat

Burgbrohl. Das Fest Fronleichnam, „Leib des Herrn“, geht zurück auf die Visionen der Heiligen Juliane von Lüttich († 1258). Das Fest ist die Vollendung von der Menschwerdung bis Ostern. Jetzt zeigt sich Christus in der Hostie und wird hinaus in die Welt getragen, denn er will alles heil machen. So freuen wir uns als Katholiken und zeigen das auch hier im Brohltal öffentlich in unseren Prozessionen. Wir zeigen Christus und beten ihn an, der in unseren Tabernakeln immer gegenwärtig ist. Im Brohltal und auch in Burgbrohl hat das Fest eine lange Tradition, über die der Journalist Eberhard Thomas Müller im Jahr 2002 mit der heute verstorbenen Burgbrohler Bürgerin Hedi Habermann gesprochen hatte.

Vor dem II. Weltkrieg muss der Fronleichnamstag in Burgbrohl, wie Hedi Habermann berichtetet, etwas ganz Besonderes gewesen sein: „Wenn Fronleichnam war, kamen tags vorher Wagen mit Maigrün von Buchholz und von Weiler. Und dann fragten sie: ‚Wie viel Stück wollt er?‘ ‚Fünf‘, ‚Und ihr?‘, ‚Sieben‘, ‚Und ihr?‘, ‚Zehn!‘ – je nachdem wie groß die Front war. Und da haben die Juden immer mitgeholt, zwei oder drei Bäume oder vier, und haben sie an ihren Häusern aufgemacht und so mit uns doch am gleichen Seil gezogen.“ (Audiodokument vom 7. November 2002) Zu dieser Zeit gab es eine gute Ökumene zwischen Juden und Christen. Herausragend auch der von Hedi Habermann beschriebene Straßenschmuck: „Wir von uns aus (also vom Josefsplatz aus in Richtung Brohl (Anm. d. Red.)) konnten bis über die Kreuzung sehen. Das sah aus wie ein Wald. Nur dieses Grün und Fahnen und Girlanden und Triumphbögen! Es war also ganz herrlich! Und bei uns auf dem Josefsplatz stand ein Altar, der war so großartig gemacht, als wenn es in der Kirche gewesen wäre. Und rundherum wurden dann sehr große Tannenbäume für den Hintergrund gesetzt. Die Männer hatten schon tags vorher die Bäume und den Altar aufgestellt. Und am andern Morgen wurden dann die Blumen hingetan, die Kerzen usw. Dann standen wir um 5 Uhr auf, um den Altar so hinzukriegen. Er war der Schönste hier im Dorf, sehr groß und direkt vor der Krone (zu dieser Zeit stand auch die Josefssäule noch vor der Krone. 1938 oder 1939 wurde die Säule im Zuge der Begradigung der Brohltalstraße abgerissen (Information von Toni Jüngerich, der später in Andernach lebte (Anm. d. Red.)). Vorher hatten die Kinder schon Blumen gesammelt. Die Blumenteppiche waren Kunstwerke.“ Die Kommunionkinder „durften eine Girlande rund um den Himmel tragen.“ An einen Morgen gingen die Kinder meist nach Buchholz, und haben Tannen geschnitten, mit denen die Girlande und die Triumphbögen gebunden wurden. Für die drei bis vier Triumphbögen hatte man je zwei Pfähle aufgestellt und ganz mit Girlanden umwickelt. Die Triumphbögen erhielten Embleme – z.B. Symbolen wie Anker, Kreuz und Herz für Glaube, Hoffnung und Liebe. Hedi Habermann: „Wir hatten die ganze Woche zu tun, indem wir die Blumen holten und haben an den Blumen gezogen. ‚Stroppe‘ haben wir das genannt. Und jedes Haus hatte ein kleines Altärchen.“ So weit die Erinnerungen von Hedi Habermann.

Wenn ich, Eberhard Müller, mich in die frühen 60er Jahre zurückversetze, erinnere ich mich an den großen blauen Altar, der im Oberdorf aufgebaut war. Der Altar befand sich in der Kurve vor der Abfahrt nach Oberlützingen unter einer Trauerweide gegenüber Bauer Wilms und neben dem Haus Dr. Breuer, dort, wo heute das alte Basaltkreuz und eine Bank stehen. Frauen aus der Nachbarschaft hatten den Altar mit weißen Blumen, Kerzen und Spitzendecken festlich gestaltet. Damals war noch das ganze Dorf mit Fahnen geschmückt, Maien standen links und rechts des Weges und kleine rote und weiße Fähnchen hatten die Bürger über die Brohltalstraße gespannt. In den frühen 60er Jahren führte die Prozession von der Pfarrkirche zur Tankstelle Glees, einige Jahre später zur Ecke Kirchstraße, wo jeweils der weiße Altar aufgebaut wurde. Von dort gingen die Gläubigen durchs Mitteldorf zum zweiten Altar, der zu dieser Zeit vor der Josefssäule stand. Weiter führte der Weg ins Oberdorf bis zum blauen Altar und wieder zurück in Richtung Pfarrkirche. Beim vierten Altar vor der Pfarrkirche hatten sich die Ordensschwestern mit ihrem sehenswerten Blumenteppich immer größte Mühe gegeben. Auch hier gab es mehrere Standorte, nämlich auf der Kirchwiese sowie auf dem Gelände des Krankenhauses.

Die liturgischen Reformen nach dem II. Vaticanum hatten zunächst gegenüber alten überlieferten Formen zu einer gewissen Unsicherheit geführt. Ein heftiger Sturm, der am Fronleichnamstag in den späten 60ern Bäume am Burgberg entwurzelte und die Gläubigen zwang, die Prozession in der Pfarrkirche abzuhalten, brachte das vorläufige Ende.

In den Folgejahren fand das Fest im Hof der neuen Schule statt. Auch das Burgkloster war einmal das Ziel. Pastor Burkhard Zimmerschied belebte die Prozession wieder, die erstmalig über den Greimerstalweg und den Burgberg führte. Später gingen die Gläubigen vom Schulhof aus nach Weiler. Dort war der Altar in der Ecke Hauptstraße/Jahnstraße aufgebaut.

Mit Pastor Gundolf Korb wurde dann die lange Prozession von der Pfarrkirche zur Kirche St. Vitus eingeführt. Pastor Martin Saurbier brachte den Wechsel zwischen Weiler und Burgbrohl als Ausgangspunkt und belebte den Altar an der Josefssäule wieder.

Die beiden Altäre in Weiler in der Hauptstraße und an der Josefssäule in Burgbrohl sind auch heute prächtig gestaltet. Früher war eine Teilnahme an der Fronleichnamsprozession nicht nur ein Bekenntnis für unseren Herrn im Sakrament, sondern auch ein gesellschaftliches Muss. Gläubige, die heute in Burgbrohl und Weiler an der Fronleichnamsprozession teilnehmen, meinen es ernst. Von daher sollte es uns nicht irritieren, dass derzeit im Gegensatz zu den 50er und 60er Jahren weniger Menschen mit der Prozession gehen und nur noch vereinzelt Altärchen und Fahnen den Prozessionsweg schmücken.

In Burgbrohl findet die Prozession in diesem Jahr am Sonntag, 11. Juni 2023, statt und beginnt um 9:00 Uhr mit dem Festhochamt in der Pfarrkirche.

Danach geht der Weg wie immer durchs Mitteldorf von Burgbrohl nach Weiler. Da der Altar diesmal nicht an der Josefssäule aufgebaut werden kann, steht er in diesem Jahr am Kriegerdenkmal.

Nach dem Schlusssegen in Weiler wird es einen Umtrunk mit Würstchen und Brötchen in oder vor der Vitushalle geben. Ein Shuttlebus, den die Verbandsgemeinde zur Verfügung stellt, wird die Menschen ohne PKW wieder zurück nach Burgbrohl bringen.

Das Bild aus den 50er Jahren zeigt den blauen Altar im Oberdorf. Die Aufnahme müsste von Foto Stumpf, also von Gerd Stumpf oder seinem Vater sein, die die Ortgeschichte fotografisch dokumentiert haben. Pfarrer damals war Pastor Schmitz. Foto: privat

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