Allgemeine Berichte | 24.10.2019

Naturfreunde Kettig

Führung durch die Gedenkstätte Osthofen

Viele interessante Informationen und Eindrücke

Kettig. Gemeinsam mit den Südpfälzer NaturFreunden aus Hochstadt besichtigten die NaturFreunde Kettig das ehemalige KZ Osthofen in der Nähe von Worms.

Die Besuchergruppe wurde von der Studentin Christine Fischer empfangen, die zunächst einiges zur Vorgeschichte des KZ Osthofen und der Nazidiktatur ausführte und das anhand von anschaulichem Bildmaterial den interessierten Zuhören nahe bringen konnte.

Die stillgelegte Papierfabrik wurde Anfang März 1933 zum Konzentrationslager ausgebaut, in dem insgesamt knapp 3000 Häftlinge inhaftiert waren. Dabei handelte es sich hauptsächlich um politische Gefangene, aber auch um Juden sowie Sinti und Roma.

Frau Fischer konnte anhand von Berichten der Überlebenden ergreifende Geschichten erzählen die sich in dem Lager zugetragen haben.

Die Haftdauer pro Häftling lag zwischen vier und sechs Wochen. Auf dem kleinen Gelände mit einer großen Fabrikhalle mussten 250 bis 300 Menschen auf dünn bedecktem Strohboden und zugigen Fenstern essen und schlafen.

Die Häftlinge mussten sich selbst mit dünner Suppe und etwas Brot versorgen. Alle Insassen litten unter teils schweren Misshandlungen, Demütigungen, Krankheiten, harter Arbeit und schlechten Hygienischen Verhältnissen.

Die Häftlinge mussten viele unnütze und demütigende Arbeiten verrichten, zum Beispiel mit den Händen oder dem Essgeschirr die Grube, die als Toilette diente, zu reinigen.

Trotzdem gab es keine Todesfälle. Wenn diese abzusehen waren, wurde die Person vorher entlassen, um den „guten Ruf“ des Lagers aus der Sicht der Nazis nicht zu gefährden. Es ereigneten sich aber auch einige Ausbrüche.

Im Juli 1934 wurde das KZ Osthofen aufgelöst und die restlichen Insassen auf andere Lager verteilt. Später siedelte sich auf dem Gelände eine Möbelfabrik an. Nach der Insolvenz in den 90iger Jahren wurde das Anwesen vom Land Rheinland Pfalz erworben.

Zum Schluss der Führung wurde die anschauliche Dauerausstellung besucht.

Der Vorsitzende der Kettiger Naturfreunde Oliver Hartmann bedankte sich bei Frau Fischer für die äußerst interessante Führung und bei den Hochstädter Naturfreunden für ihre Teilnahme. Er verwies darauf, dass es geradeheute wieder wichtig ist, immer daran zu erinnern, was in der Zeit des Nationalsozialismus geschah, als Mahnung dafür, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Pressemitteilung der

Naturfreunde Kettig

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