Allgemeine Berichte | 13.07.2026, 16:22 Uhr

Andy Neumann, Schriftsteller und Kriminalpolizist, zieht Bilanz

Fünf Jahre nach der Flut: „Ich war zu oft fassungslos“

AndyNeumann.  Foto: Carmen-Therese Gloeckner
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Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Andy Neumann, Schriftsteller und Kriminalpolizist, und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?

BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?

Andy Neumann: Ich habe da gar nichts visuelles im Sinn, sondern eher diesen einen Moment, in dem mir klar wurde: dieser „Hype“ ums Ahrtal, den wir im Kontext des originären Wiederaufbaus zum Glück in all dem Leid erleben durften und der zur faktisch weltweiten Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft führte: dieser Hype ist ein gutes Stück weit gekommen, um zu bleiben. So, wie ich das erlebe, haben wir bis heute ein ungebrochenes und vielleicht sogar noch weiter ansteigendes Interesse an Aufenthalten im Tal, und zwar ausdrücklich auch von jungen Menschen, die vielleicht auf Jahrzehnte Fans bleiben und immer mal wieder herkommen werden. Das fand und finde ich immer noch sehr ermutigend - denn am Ende sind wir eine Touristenregion, und so sehr der eine oder andere jetzt auch schon wieder meckert, weil es manchmal doch viel ist: wenn keine Leute ins Tal kämen, würden wir das Schicksal anderer Regionen teilen, in denen heute einsame Sträucher durch die Gassen wehen.

BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden?

Andy Neumann: Oh je, so vieles. Ich wiederhole mich da, aber am Ende waren es die Entscheidungen der ersten Wochen und Monate, die uns noch heute auf die Füße fallen. Und die ich allesamt nicht verstehen kann, weder rational noch emotional. Angefangen mit den unterlassenen (sonder-)rechtlichen Rahmenbedingungen, etwa im Vergaberecht oder im Kontext von Spendengeldern, über die Entscheidung, die zwangsläufig hoffnungslos überforderte ISB mit der Bewältigung der Antragsflut zu befassen statt sich Hilfe zu holen, bis hin zu irrsinnigen Kapriolen im Kontext kommunalen Baurechts, die im Ergebnis zu höherer Versiegelung als vor der Flut führte oder zu selten unnötigen Bauprojekten, deren Ressourcen anderweitig gebraucht worden wären: ich war zu oft fassungslos, als dass ich alles aufzählen könnte. Um die zweite Hälfte der Frage daher zu beantworten: ganz vieles müsste dringend erledigt werden, aber die Möglichkeit dazu besteht nun mal nicht. „Schnell und unbürokratisch“ war von Anfang an kein Versprechen, das man ernst nehmen durfte. Also brauchen wir Geduld. Auch noch auf viele Jahre hin!

BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?

Andy Neumann: Ja, das steht klar auf der Habenseite! Man merkt es regelmäßig auf unterschiedlichen Ebenen. Bei der eigenen Nachbarschaft angefangen bis hin zu den vielen bekannten Gesichtern, die man in der Stadt trifft, beim Einkaufen, beim Bummeln oder auf unseren Festen: wir haben uns alle dazu entschieden, hierzubleiben oder sogar, in manchem Fall, nach der Flut bewusst hierher zu ziehen. Weil wir dieses Tal lieben. Und wir alle haben gemeinsam etwas durchgemacht, was das eigene Leben nachhaltig veränderte, von kleinen Einschränkungen bis hin zu tragischsten Verlusten, die wir alle ein Stück weit mit gefühlt haben und bis heute fühlen. Das verbindet enorm. Fokussieren wir uns also noch viel mehr auf diese Verbindung, auf das „wir“ und auf die Liebe zum Ahrtal. Dann fällt es uns vielleicht auch leichter, mit den ganzen Enttäuschungen oder auch Veränderungen umzugehen, die wir erleben.

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Andy Neumann. Foto: Carmen-Therese Gloeckner

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