Zweites Bad Emser Kneipenfestival
Fünfzehn Musiker und Gruppen unterhielten in zwölf Kneipen
Bad Ems. Vorhang auf für das zweite Bad Emser Kneipenfestival! Veranstalter „Spack-Event“ aus Montabaur hatte in diesem Jahr 15 Musiker(-Gruppen) an Bord geholt, damit sie in den zwölf teilnehmenden Kneipen, Speiselokalen und an anderen Orten der Stadt ein für jeden Geschmack passendes Livemusik-Angebot bereithalten. Aufgereiht wie eine Perlenkette lagen die Lokalitäten an der Römerstraße entlang des Lahn-Parks. Nur „Alt Ems“, „Schnick-Schnack“ und das Restaurant „Pfeffermühle“ waren ein wenig abseits gelegen. Dank des kostenlos nutzbaren Busshuttles waren sie jedoch problemlos zu erreichen. Der mit Zapfanlage ausgestattete Oldiebus der evm war zugleich als Konzertbus im Einsatz. Eine rollende Kneipe, die viele Gäste als das Highlight des Abends bezeichneten. Im Inneren hatte es in Anbetracht der von Bier und Kräuterlikör beflügelten Partygäste das sympathische Duo „Mael & Alex“ (21 und 14 Jahre alt), das sich als Fragment der Band der Musikschule der Stadt Koblenz „Johnny left the band“ erwies, nicht immer leicht. Doch die beiden ließen sich von dem Trubel im Bus nicht aus dem Konzept bringen und präsentierten mit Leidenschaft, Gesang und Gitarre Pop-Coversongs am laufenden Band. Dann und wann stellten die Mitfahrer sogar den Chorgesang. Das war dann allerdings eher zu späterer Stunde. Direkt nach der Eröffnung des Festivals um 19.30 Uhr war es in jeder Lokalität „zu früh“. Die Bands legten erst 30 bis 90 Minuten später los. Infolgedessen waren die meisten „Locations“ bis 21 Uhr eine nahezu gastfreie Zone. Und schon ab 22 Uhr bis spätestens 0 Uhr wurden die Mikrofone peu á peu wieder abgeschaltet. Etliche Kneipen hatten in der Startphase daher schwer zu kämpfen. Wie das Bistro „C’est la vie“, wo das Koblenzer „Jermaine Reinhardt Duo“ mit Gitarren hingebungsvoll eine Mischung aus Gipsy Swing- und Latin-Musik spielte. In der ersten Stunde gab es hier außer dem Servicepersonal und Sicherheitsdienst tatsächlich null Zuhörer. Schade drum, denn die rasante Saitenakrobatik der talentierten Musiker war es wert, gehört und beklatscht zu werden. Zur gleichen Zeit, ein paar Meter weiter und nur zwei
Stunden lang standen die vier Musiker der Band „InsertCoin“ auf der unmittelbar vor der sprudelnden Quelle des „Emser Kränchens“ errichteten Bühne der „Chrystal Horse“ Bar in „Häckers Grand Hotel“. Im exklusiven Ambiente der Bar spielten sie vor einer überschaubaren Gästezahl „Breakfast at Tiffanys“ und andere Lieder einer bunten Mischung aus Oldies und modernen Rock-/Popsongs. Während es in den Festival-Kneipen überall noch tröpfelte, brummte es bei der Konkurrenz schon ganz gewaltig. Das „Yellow Submarine Musik-Café“, das sich nicht dem Festival angeschlossen hatte, lockte mit Live-Musik einer Beatles-Tributeband zahlreiche Gäste an - bei freiem Eintritt. Da überlegte sich vielleicht der eine oder
andere Spät-Entschlossene, die an der Abendkasse zu entrichtenden 14 Euro für das Festival-Ticket zu sparen. Auch in „Hottes Stadel“ war die Festival-Stimmung eher gebremst. Während einige der rund zwanzig Gäste ihr Abendessen genossen, musizierten „Jörgs Top1-Mann-Band“ und Schlagersänger Andy Brauch mit Liedern wie „Cinderella“ und „Schatzi, schenk mir ein Foto“ ein fröhliches Miteinander herbei. Im benachbarten Bistro „Kaiserhof“, das in diesem Jahr seine Kneipen-Festival-Premiere feierte, wurde das aus St. Goar angereiste Duo „River Junction“, Ines Suri Cato (Gesang) und Manu Sneijder (Gitarre), von einer, jetzt kurz nach 21 Uhr munteren Zuhörerschaft gefeiert, die auch gerne einmal mitsang. Die ehrliche, hausgemachte Musik, ihr Vermögen, mit den Liedern Geschichten zu erzählen, kam beim Publikum gut an. Eine rockige musikalische Visitenkarten hinterließ die „unplugged“ Cover-Band „Ohne Filter“ im Schankraum des Restaurants „Pfeffermühle“ auf der Wipsch. Mit Stücken wie „Venus“ oder „8 days a week“ aus fünf Jahrzehnten Rock- und Popmusik unterhielten sie aufs Beste. Die Hintergründe und Anekdoten beinhaltende Moderation durch Frontmann und Sänger Dirk Gilgenberger rundete das vierstündige Konzert perfekt ab. Auch die übrigen, das Festival musikalisch gestaltenden Künstler waren stark motiviert im Einsatz. Alle gaben ihr Bestes und begeisterten damit ein Publikum, das die Darbietungen auf den kleinen Konzertbühnen und die Nähe zu den Musikern als das Besondere des Festivals lobte. Die kleinste und atmosphärisch schönste Bühne war wohl die 25 Personen fassende Kabine der Kurwaldbahn. Auf dem wenige Minuten dauernden Weg hinauf zur Bismarckhöhe gab der Bad Hönninger Sänger, Gitarrist und Songschreiber Ijaz Ali ein sehr intimes Konzert mit balladenartigen Liedern oder, je nach Wunsch der Passagiere, ins Ohr gehenden Popsongs. Während des sechsminütigen Aufenthalts an der Bergstation nutzte er für einen weiteren Liedvortrag auch gerne mal die tolle Akustik der Wartehalle. Für Event-Fotograf Donald Medina wurde es gelegentlich fast ein wenig eng in der Kabine, um Schnappschüsse der fröhlichen Festivalgäste zu machen. Trotz des Gedränges fühlte sich Birgitt Tränkner, die ihre Eintrittskarte bei der „BLICK aktuell“-Verlosung gewonnen hatte, hier pudelwohl. Seit Beginn dieser „wunderbaren Veranstaltung“ hatte sie bereits drei Lokalitäten besucht und das Musikangebot genossen.
Sehr gut gefallen hatten ihr Musik und Atmosphäre im „Kaiserhof“. Hier in der Bahn sei der Vortrag aber besonders stimmungsvoll. Zur Talfahrt stieg nun der Gospelchor „Joyful Gospels“ aus Hückeswagen in die Kabine ein und wurde auf seinem Chorausflug dabei ungewollt zum Festivalbesucher. Gut gelaunt und bei guter Stimme hatten die Sänger viel Spaß daran, mit Ijaz gemeinsam „Save tonight“ anzustimmen. Momente wie diese waren es, die dem Festival Charme gaben und es trotz des stockenden Beginns so liebenswert machten, dass die Vorfreude auf eine frische Nummer Drei im nächsten Jahr groß ist.
BSB
Viel Anklang fand das Konzert des Duos River Junction im Bistro Kaiserhof.
Die gute Akustik in der Wartehalle der Kurwaldbahn-Bergstation animierte den Sänger Ijaz Ali zu einem Pausenlied.
