Allgemeine Berichte | 25.01.2021

Zum 150. Jahrestag des deutschen Kaiserreichs in Rheinbreitbach und Umgebung

Für Gott, König und Vaterland!

von unserem Gastautor Thomas Napp

Krönung Wilhelms I im Spiegelsaal von Versailles. Quelle: wikimedia

Es ist der 18. August 1870. Der deutsch-französischen Krieg ist in vollem Gange. Mehrere preußische Divisionen mit insgesamt 188.000 Mann unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Helmut von Moltke nähern sich dem französischen Dorf Gravelotte. Unter Ihnen ist auch ein aus Rheinbreitbach stammender Musketier Bernhard Brungs im 3. Rheinischen Infanterieregiment Nr. 29. Festen Schrittes stampft er mit seinen Kameraden auf die feindlichen Linien zu. In der Hand hält er das neuartige Zündnadelgewehr im Anschlag. Das Bajonett ist aufgepflanzt.

In und um das Dorf Gravelotte hat sich die französische Rheinarmee nach der Niederlage von der Schlacht von Mars- la- Tour zurückgezogen. Nun beschießt sie mit Artillerie die anrückenden Preußen. Kugeln zischen durch die Luft. Erstes Gewehrfeuer ist zu vernehmen. Einzelne Soldaten fallen Tod oder verwundet nieder.

Je weiter die Preußen vorrücken desto größer wird die Nervosität unter den Soldaten. Doch der jahrelange preußische Drill und die mahnenden Stimmen der Offiziere lassen die Soldaten durchhalten. Da ertönt das Signal des Trompeters zum Sturmangriff. Mit lautem Geschrei und im Laufschritt stürmen die Preußen in das Dorf voran. Der Fähnrich wird getroffen und der preußische Adler sinkt zu Boden. Schnell ergreift ein bereits verwundeter Offizier die Fahne und stürmt in einem Wahn den preußischen Truppen voran. Die Soldaten folgen ihm. Erbittert wehren sich die Franzosen, um die Preußen aufzuhalten. Eine blutige Schlacht entbrennt. Jeder einzelne Soldat kämpft um sein Leben. Schreie von Verwundeten erfüllen das Kampfgetümmel. Geschossrauch vernebelt das Schlachtfeld. Schüsse knallen. Säbel und Bajonette klirren.

Der Musketier Bernhard Brungs hat es unversehrt an die feindlichen Linien herangeschafft. Er ringt mit einem feindlichen Franzosen. Plötzlich fällt ein Schuss. Ein stechender Schmerz durchfährt seinen Oberschenkel. Er sackt mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen. Seine Schreie verhallen in dem Kampfgetümmel. Brungs versucht sich mit den letzten Kräften hinter die eigenen Reihen zurückzuziehen. Immer mehr stürmende Preußen kommen ihm entgegen. Erst langsam verlagert sich das Schlachtfeld. Nun beginnen die Sanitäter die Verwundeten und die Toten aufzusammeln. Brungs kann sich an eine nahe liegende Linde retten. Von dort kann er die vielen toten Franzosen und Preußen sehen. Verwundete schreien um Hilfe. Manch einer kriecht mit letzter Kraft über den Boden, um sich irgendwo aufzusetzen. Vereinzelt sitzen auch Soldaten am Rand. Sie stieren in die Gegend. In ihren Augen sieht man den Wahnsinn des stattgefundenen Kampfes. Brungs wird klar, dass dieser Krieg eine ganze Generation von Männern prägen wird. Doch der stechende Schmerz an seinem Oberschenkel lenkt seinen Blick und die Gedanken wieder auf seine Verwundung. Er versucht mit einem Stofffetzen die Wunde notdürftig zu versorgen. Eine Gewehrkugel hat den Oberschenkel durchschossen. Immer mehr Blut quillt aus der Wunde. Panik macht sich bei ihm breit. In diesem Augenblick nähert sich ein preußischer Sanitäter. Kurz bevor Bernhard Brungs ohnmächtig wird, beginnt er die Wunde zu versorgen. Brungs wird den deutsch-französischen Krieg überleben und später zu einem „nationalen Helden“ als Kämpfer für die Einigung Deutschlands. Doch Zeit seines Lebens wird er denken, dass an einer Schlacht nichts Heldenhaftes ist. Gleichzeitig dankt er Gott und dem Schicksal, dass er den Krieg überlebt hat. Denn andere Kameraden aus Rheinbreitbach wie Georg Küpper, der ebenfalls im 3. Rheinischen Infanterieregiment Nr. 29 diente, hatten nicht so viel Glück wie er. Wie Brungs erst im Lazarett erfährt, ist er bei Gravelotte ebenfalls verwundet worden und an seiner Verletzung gestorben. Sein Name steht heute im Gedenken an die zahlreichen Todesopfer des deutsch-französischen Krieges am Kriegerdenkmal von 1870/1871 in Rheinbreitbach. So oder so ähnlich dürften sich die Ereignisse vor 150 Jahren für den Rheinbreitbacher Bernhard Brungs im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 angefühlt haben. Doch welche Bedeutung dieser Krieg nicht nur für Rheinbreitbach haben würde, war dem vorwiegend bäuerlich geprägten Rheinbreitbach noch nicht ganz klar.

Rheinbreitbach war seit 1815 und nach der Niederlage Napoleons unter preußischer Herrschaft. Die Preußen gewährten den Rheinländern ihre Sonderrechte, die sie unter den Franzosen bekommen hatten (wie zum Beispiel den Code zivil). Aber auch die Preußen führten viele Erneuerungen ein. Sie verbesserten die Straßen und schufen verlässliche bürokratische Strukturen. Die Eisenbahn und ein verbessertes Postwesen entwickelten die ländliche Region. Doch der Drang nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat, der eine gemeinsame Verfassung hatte, war nach der Revolution von 1848 ungebrochen in den deutschsprachigen Gebieten vorhanden. Dies machte sich ein aufstrebender Politiker mit Namen Otto von Bismarck zu nutzen, der am 23. September 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt werden sollte. Er war einer der ersten konservativen Realpolitiker, der später im neugegründeten Reichstag die verschiedenen Parteien themengebunden zu seinen Gunsten zusammenbringen konnte. Hierbei griff er auf nicht immer unumstrittene Mittel und Wege zurück. (Müller, S. 165 ff)

Sein Ziel vor 1870 Deutschland allein unter preußischer Vorherrschaft zu vereinen, versuchte er durch gemeinsame äußere Feinde durchzusetzen. Konkret spiegelt sich diese Vorgehensweise im deutsch-dänischen Krieg, dem deutschen Krieg gegen Österreich und letztlich im deutsch-französischen Krieg wieder. Alle diese Kriege dienten dazu die besiegten Staaten Österreich, Frankreich und Dänemark in die Schranken zu weisen und gleichzeitig die restlichen deutschen Staaten im norddeutschen Bund bzw. später im deutschen Kaiserreich unter der Kaiserkrone von Wilhelm I zu vereinen und die preußischen Interessen zu wahren. Wilhelm I wollte zwar gar nicht die deutsche Kaiserkrone, aber auch hier setzte Bismarck sein politisches Geschick ein (unter anderem unter Zuhilfenahme bestimmter Fürstenhäuser), um den preußischen König zur Annahme dieser Kaiserwürde zu bewegen. (Quelle Müller, S. 199)

Als am 18. Januar 1871 offiziell das Kaiserreich mit der Kaiserproklamation Wilhelms I im Schloss Versailles ausgerufen wurde und der deutsch-französische Krieg mit dem Frieden von Frankfurt am 10. Mai 1871 endete, begann für Rheinbreitbach eine neue Ära, die bis zum Untergang des deutschen Kaiserreichs 1918 andauern sollte. Die Entwicklung dieser Phase soll hier anhand der einzelnen Themenbereiche Politik; Landwirtschaft Infrastruktur und Weinbau; Gesellschaft, Feste und Vereine und Kriminalität, Unfälle und Armenfürsorge aufgezeigt werden.

Thomas Napp,

Archivar des Heimatvereins

Rheinbreitbacher

DIeser Artikel ist auch als Podcast unter https://www.podcast.de/episode/522437838/F%C3%BCr+Gott%2C+K%C3%B6nig+und+Vaterland%3A+150+Jahre+Gr%C3%BCndung+des+deutschen+Kaiserreichs+in+Rheinbreitbach+und+Umgebung/

zu hören.

Krönung Wilhelms I im Spiegelsaal von Versailles. Quelle: wikimedia

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