Allgemeine Berichte | 28.11.2024

Erster Mundartabend in Heimersheim

Für Heimesche, von Heimesche, in Heimesche

Premiere in Heimersheim.  Foto: privat

Heimersheim. Unter diesem Motto verwirklichte Manfred R. Linden einen langgehegten Wunsch. Er fand auch die Akteure die des Heimesche Platt mächtig sind und gerne ihre Geschichten, Erlebnisse oder Anekdoten in Reim- oder Liedform zum Besten geben. Weitere Unterstützung bot der ASB, der in Ermangelung sonstiger Räumlichkeiten für die Veranstaltung die Begegnungsstätte hinter der Kirche überließ. Selbst die Getränke und die Aufmerksamkeiten für die Vortragenden wurden gespendet. Die Großzügigkeit ging sogar so weit, dass die Helfer des ASB die Bestuhlung in die richtige Position brachten.

Nur diese Voraussetzungen machten es möglich, dass dann am Freitag, den 22. Premiere des ersten Mundartabends in Heimersheim stattfinden konnte. Unter den ersten Zuschauern traf der neue Karnevalsprinz Michael Holzem, einschließlich seines Adjutanten Marcus Robrecht ein. Das Publikum kannte sich untereinander und alle fühlten sich wie eine weit verzweigte Familie. Um 19 Uhr hatten erst die Glocken das Sagen und als die Verständigung wieder möglich war, begrüßte Manfred Linden die Gäste, die sich an dem kalten, verregneten Wetter eingefunden hatten. Man verständigte sich nur in einer Sprache: Heimesche Platt. So wie Irene Thöing, die in ihrem Vortrag erläuterte, wie sie als Kind keine andere Sprache kannte und mit Mühe in der Schule Ihre 1. Fremdsprache lernte: Hochdeutsch. Johanna Gies, eine geborene Becker aus der Mauritiusstraße (Eulejass), klärte die Anwesenden mal auf, was es mit dem „Hanneköppe“, welches schon seit frühester Zeit in Ehlingen am Kirmessonntag praktiziert wird, auf sich hat! Wer wusste denn schon, dass der Brauch bis zur Zeit der französischen Besatzung zurück geht? Da haute man doch lieber dem Wappentier der Franzosen den Kopf ab, als den Besatzern selbst! In einem späteren Vortrag wägte sie die Unterschiede zwischen Früher und Heute ab. „Domols“ hieß er und zeigte die Wandlung der Geschichte auf.

Ihr Schwester Birgitt Faure wiederum plauderte aus dem Nähkästchen von Ihrem Bap, und von Ihrer Mam, die trotz der Heirat mit dem „Beckers Hein“ et „Künnesfelds Ann“ geblieben ist und wie der Bap beinahe ihre Kommunion ruiniert hat. Dabei hatte er es gut gemeint, und das Treppenhaus am Tag vorher gestrichen. Dabei jedoch die Kuchen für den festlichen Tag mit Latexfarbe beträufelt. Den Kuchen bekamen die Schweine, die Mutter zauberte Neue und keiner weiß, wie.

Was es mit den „Künnesfelds auf sich hat, erklärte Manfred Linden. Gehört er ja schließlich auch zu einem Zweig auf dem Stammbaum. Günter Odenkirchen hat als Leckerchen einen Film von Karnevalszug 1957 mitgebracht und es waren nicht wenige, die aus den frühen Jahren erkannt wurden. Anschließend gestand er so manche Schlacht, die während seiner Zeit bei den Funken geschlagen wurde. Ist alles verjährt.

Ob das Wirklichkeit war, was Rainer Groß zum Besten gab? Hat er tatsächlich den Christbaum mit Orden, Schabauflächchen und der Senats Kapp geschmückt?

Von Irene Thöing durfte man so manche Marotte vom Jeijesch Grietsche erfahren: die Sammelleidenschaft von Taschentüchern und vom Malheur mit dem Gebiss.

An die chaotische Bahnreise zum Jakobsmarkt in seiner Kindheit erinnerte sich Welters Paul noch ganz gut. Trotz allen Widrigkeiten waren nachher doch alle zufrieden, weil für Jeden was abgefallen war.

Ernst Füllmann trällerte – obwohl die Zuschauer schon arg vom Lachen gebeutelt waren: „Do laachste Desch kapott“. Etwas später tauchte er noch mal auf. Diesmal mit einer Stange wo eine „Schanze“, ein Korb und ein Zein dranhingen. „Dotz, dotz delie dotz“ sang er mit der Bitte um Material fürs Martrinsfeuer. Wie gerne sich die Leute im Saal an die verschwundene Tradition erinnerten!

Zu so einem runden Abend gehört selbstverständlich auch Musik – und zwar Live aus dem Akkordeon gelockt vom Prinzen des Vorjahres, Manni Rother! Er hatte das richtige Gespür und ließ zwischendurch immer wieder was von sich hören. Der Text von „Oh Du mein Heimersheim“ wurde per Power Point übermittelt und alle sangen kräftig mit.

Als Manfred R. Linden, ein humorvoller, souveräner Moderator und Organisator die Redner und Sänger nach vorne rief um sich bei allen für den tollen Abend zu bedanken, legte der noch einen drauf. Er bat Bernd Robrecht, die Litanei zur Beerdigung des Kirmesmannes zu singen. Eine Zusammenfassung aus 25 Jahren Kirmes Tradition setzte allen für den Heimweg einen Ohrwurm fest.

Das Fazit des Abends: es war das erste, aber bestimmt nicht das letzte Mal! Die Gäste bedankten sich mit anhaltendem Applaus und der jetzige Prinz Michael mit dreimol Alaaf und ehrte Manfred Linden und Irene Thöing mit Orden und Anstecker.

Damit auch bei den Mitwirkenden alles in Erinnerung bleibt, bannte Addi Burkert den Ablauf des herrlichen Abends auf einen Film!

Premiere in Heimersheim. Foto: privat

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