Wandertag des Flüchtlingsnetzwerkes in der Verbandsgemeinde Altenahr
Für ein paar Stunden all seine Sorgen vergessen
Mayschoß.Der Alltag der Flüchtlinge, die in der hiesigen Region Zuflucht gefunden haben vor Kriegsterror und bitterer Not, ist oft lähmend. Zwar ist ihr Leben nicht mehr bedroht. Aber das Warten zermürbt sie. Das Warten auf einen Anhörungstermin, auf einen Integrationskursus, ein Praktikum, einen Job, eine bessere Wohnung. Und es quält sie, von ihren Frauen, Männern oder auch Kindern getrennt zu sein, die in der Heimat darauf warten, nachkommen zu können.
Da ist es befreiend, einfach einmal durchzuatmen. Laufen, lachen, lecker essen. Sorgen vergessen, unbeschwert sein. Auf die Wanderung zur Eifelblickhütte hatten sich alle sehr gefreut: die freiwilligen Helfer des Flüchtlingsnetzwerkes in der Verbandsgemeinde Altenahr und ihre Freunde aus Syrien, Pakistan oder Afghanistan. Alle trafen sich in der Dorfmitte von Mayschoß und machten sich dann, angeführt von Andreas Zedler, gut gelaunt auf den Weg. zur Hütte. Oben gab es ein üppiges Grillfest. Es duftete würzig nach Hähnchen, Lamm und Rindswürstchen. Angestoßen wurde mit Bier oder mit diesem unheimlich süffigen Cocktail aus Limetten- und Maracujasaft, braunem Zucker und frischer Minze. Auf der Wiese kickten kleine und große Jungs und auch beim Federball ging es nicht wirklich ums Gewinnen.
Froh über ein paar sommerleichte Stunden waren ganz offensichtlich auch die Ehrenamtlichen des Netzwerkes. Denn auch ihr Alltag hat es in sich. Denn neben ihren Berufen verbringen sie viel Zeit, mit den Flüchtlingen Deutsch zu üben, ihnen Wohnungen einzurichten, mit ihnen zu kochen, sie zum Arzt oder zu Behörden zu begleiten. Und damit, die Sorgen der neuen Freunde zu teilen. Manchmal fühlen sich die Helfer auch hilflos, zum Beispiel, wenn sie nichts tun können, um das Anhörungsverfahren zu beschleunigen. Oder wenn sie erfahren, dass soeben ein Mann aus Syrien daheim sechs Angehörige bei einem Raketeneinschlag verloren hat. Dann können sie nur zuhören und mittrauern. Das Netzwerk braucht weiterhin dringend Spenden und tatkräftige Unterstützung. Das Engagement kann anstrengend sein, aber alle Ehrenamtlichen sind auch dankbar für neue Freunde. Und dafür, dass sie mit denen ab und zu trotz aller Sorgen einfach mal einen Nachmittag lang das Leben genießen können. Kontakt zum Flüchtlingsnetzwerk: Gregor Doege, Tel. (01 52) 28 69 43 23, E-Mail gregor.doege@bistum-trier.de, www.fluechtlingsnetzwerk-altenahr.de.
Wanderführer Andreas Zedler (r.) mit Gregor Doege, dem Koordinator des Netzwerkes.
