Zehn Frauen absolvieren Aufbaukursus beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr
Für eine große Aufgabe gut gerüstet
Neue Hospizbegleiterinnen berichten über ihre Erfahrungen und ihre Motivation
Kreis Ahrweiler. Sie haben kein leichtes Thema zu dem ihren gemacht und das in einer Zeit, die nochmals mit besonderen Herausforderungen behaftet gewesen ist: Zehn Frauen haben den Aufbaukursus als Hospizbegleiterin beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr erfolgreich absolviert.
„Ich habe den Wunsch, in der Gemeinde, in der Gemeinschaft des Landkreises meinen Beitrag zu leisten“, sagt eine 43-jährige Oberwintererin kurz vor Erhalt des Zertifikats. Ein Todesfall in ihrer Familie habe die Familie wie nach einem Trauma sprachlos zurückgelassen. Nun freut sie sich darauf, nach Erhalt des Zertifikats insbesondere den Angehörigen während des Sterbeprozesses ein Gespräch anzubieten: „Nach meiner Erfahrung zieht sich das persönliche Umfeld während des Sterbens zurück aus Unsicherheit, Ohnmacht und vielen anderen Gründen. Ich möchte ein Gespräch anbieten und das Gefühl, mit den eigenen Emotionen nicht alleine zu sein. Auch für Kinder möchte ich das Angebot eines Ansprechpartners geben, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass ein Todesfall im engsten Umfeld insbesondere in der Pubertät eine Prägung für den weiteren Lebenslauf hinterlässt.“
Da sein, wenn andere nicht mehr da sein können oder wollen
Die Hospizbegleiterinnen sind da, wenn andere nicht mehr da sein können oder wollen, und sie unterstützen nicht nur Schwerstkranke und Sterbende. „Sterben, Tod und Trauer sind für sie Teil des Lebens und die meisten haben damit bereits eigene Erfahrungen gemacht und möchten nun auch anderen Menschen in der letzten Lebensphase zur Seite stehen“, erklärt Julia Hansel, Koordinatorin des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr, die auch für die Ausbildung zuständig ist.
Die nunmehr zertifizierten Hospizbegleiterinnen haben seit Januar 2020 zunächst einen Aufbaukursus absolviert, der teils in Präsenzform und in geteilten Gruppen, teils online abgehalten wurde. Ein Praktikumsteil schloss sich an, wobei sie in Einrichtungen aber auch im häuslichen Umfeld unter Einhaltung alle Corona-Schutzauflagen tätig und auch von den hauptamtlichen Hospizschwestern des Hospiz-Vereins unterstützt wurden. Seit Januar haben sie den Aufbaukursus rein digital absolviert. Das inhaltliche Spektrum ist breit gefächert gewesen, inklusive Biographie-Arbeit, zu der der Blick aufs eigene Leben gehört und das Thema Kultursensibilität, unter dessen Überschrift die Teilnehmerinnen den unterschiedlichen Umgang mit Sterben und Tod in anderen Kulturen sowie in unterschiedlichen Familien thematisiert haben.
Hospizbegleiter akzeptieren die Haltung ihres Gegenübers
„Wenn jemand nicht über Tod und Sterben sprechen möchte, heißt das nicht, dass man ihn nicht begleiten kann“, sagt Hansel. Hospizbegleiter akzeptieren die Haltung ihres Gegenübers und orientieren sich ausschließlich an dessen Bedürfnissen. „Wenn man einem anderen Menschen äußerlich auch nur die Hand hält, ist das keine rein mechanische Tätigkeit, sondern eine spirituelle Angelegenheit. Da passiert ganz viel zwischen Menschen. Da begegnet man sich im Geiste“, sagt Hansel. Deswegen sind auch Selbstfürsorge und Selbstreflexion und die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben von Krankheit und Tod Kursinhalt. Genauso wie Kommunikation und Gesprächsführung, Palliativmedizin und rechtliche Aspekte. Zu speziellen Themen referierten Fachleute wie der Allgemeinmediziner Dr. Andreas Reuther über Vollmachten und Vorsorge und der Fachkrankenpfleger Horst Zins aus dem stationären Hospiz über Krebserkrankungen.
Motivation für manche künftige Hospizbegleiterin sind eigene Erfahrungen wie der Tod des Urgroßvaters, den man sehr liebt, von dem man sich aber nicht verabschieden durfte, oder eine schwere Krebserkrankung im persönlichen Umfeld, durch die man eigene Werte und Lebensentscheidungen hinterfragte und neu fand.
„Nach dem Ende meiner Berufstätigkeit habe ich nach einer sinnstiftenden Erfahrung gesucht, die auch meinem eigenen Leben eine tiefere Bedeutung gibt“, erklärt Ulla Boddem ihre Motivation für die Ausbildung. Eine andere Teilnehmerin hat ihren an Krebs erkrankten Schwager in dessen letzten Lebensmonaten im Hospiz erlebt: „Mir ist klar geworden, wie wichtig ein solcher Ort ist, um zur Ruhe zu kommen und in Würde sterben zu dürfen.“ Und Birgit Ritterrath aus Sinzig erklärt: „Während der pflegerischen Situation mit meiner Mutter habe ich erlebt, wie viel Lebensqualität es einem Menschen gibt, wenn sich jemand mit Zeit zuwendet. Mit Menschen zusammen sein und sich austauschen können, ist für jeden Menschen so essentiell, insbesondere wenn die Kräfte schwinden und der Mensch selbst nicht mehr so viel in seinem Leben aktiv gestalten kann.“
Nach Erhalt des Zertifikats führen die Hospizbegleiterinnen ihre Begleitungen fort, die sie schon während des Kurses angefangen haben und/oder nehmen auch neue auf. Ganz auf sich gestellt sind sie aber auch weiterhin nicht. Der Hospiz-Verein unterstützt sie mit Supervisionen und Reflexionsabenden, aktuell online. „Die Art und Weise, mit der im Rahmen der Ausbildung als Hospizbegleitung unter anderem über die Themen Abschied, Verlust und Leben bis zuletzt, gemeinsam gesprochen, diskutiert, gelacht und geweint wurde, werden mir in Erinnerung bleiben und mich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit begleiten“, sagt Beate Hübinger aus Bad Neuenahr-Ahrweiler: „Der Kursus war pandemiebedingt nicht immer leicht, aber es gab auch für diese Situation gute Lösungen. Ich fühle mich für meine Aufgabe als Hospizbegleitung gerüstet.“ Pressemitteilung
Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V.
