BOP - Abschiedskonzert „Schängel in Not“ und Wohltätigkeit
Fulminanter Abgang nach 13-jähriger Bühnenpräsenz
Koblenz. Mit einem fulminanten Konzert verabschiedete sich nach 13-jähriger Bühnenpräsenz jetzt die Koblenzer Band BOP in der Kulturfabrik (KUFA) von ihren Fans. Mehr als zweihundert Gäste waren gekommen, um die fünfköpfige, vermutlich „älteste boygroup am german corner“ ein letztes Mal zu feiern. Die fünf Musiker, Frontmann Jörg Schmitt-Kilian (Gitarre, Gesang), Michael Bostelmann (Gitarre), Klaus Sulzbacher (Keyboard), Dietmar Kurz (Schlagzeug) und Diether Diederichs (Bass, Harp, Gitarre, Gesang) begeisterten zusammen mit den schon seit einigen Jahren die Band begleitenden Sängerinnen Rita Saal und Nicole Pauly-Marz sowie „special guest“ Sabiene Jahn das Publikum in hohem Maße.
„Band ohne Publikum“
Vor Publikum zu spielen, öffentlich aufzutreten – das hatte die Band damals, als Dietmar Kurz sie gründete, gar nicht geplant. Deshalb nannte sie sich BOP, „Band ohne Publikum“. Doch ihr erstes Konzert bei Shay Dwyer im Irish Pub in Koblenz stieß auf derart große Resonanz, dass die Musiker beschlossen, diesen Weg weiterzugehen, wobei sie oftmals die Bühnen gemeinsam bespielten mit anderen Bands wie „Bijoux“, der alten Formation von „Terra Nova“ oder der „Steve Taylor Blues Band“. Dann entdeckte BOP die KUFA als weitere „gute location“ und pflegte mit dem Management dort eine optimale Kooperation. Darüber hinaus gab es auch auf anderen Bühnen der Region und bei Privatveranstaltungen BOP-Auftritte.
An ihrem letzten Konzertabend nun wollte die Band „mit Songs aus einer Zeit, als diese noch auf den runden schwarzen Tellern mit dem Loch in der Mitte abgespielt wurden, den Saal zum Kochen bringen“, wie Schmitt-Kilian zu Beginn versprach. Und tatsächlich heizten die Musiker mit Stones-Titeln und Songs wie „Route 66“, „Have you ever seen the rain“ oder „California Dreaming“ tüchtig ein.
Das Konzert bescherte allerdings nicht nur wilden, sondern auch Kuschel-Rock. Besonders eindrucksvoll war Michael Bostelmanns Gitarrensolo von „Hotel California“ und das „Fields of Gold“, dem Nicole Pauly-Marz, begleitet von Gitarre und Keyboard, einen besonderen Charme verlieh. Für echtes Gänsehautgefühl sorgte das gemeinsam von Rita Saal und Sabiene Jahn vorgetragene „You’ve got a friend“. In einem eigenen Lied-Block sang sich die Profisängerin Jahn beim großen Finale mit kraftvoll-bluesiger Soulstimme unmittelbar in die Herzen der Zuhörer.
Einen besonderen Akzent setzte sie mit der Interpretation von „Proud Mary“. Ob die Band BOP sich auf der KUFA-Bühne nun dem Rock oder den leisen Tönen verschrieb, das textsichere Publikum trug sie mit reichlich Applaus durch das Konzert.
Flagge der Wohltätigkeit
Ein Konzert, das wie alle zuvor, unter der „Wohltätigkeits-Flagge“ dargeboten wurde. Der Freude am gemeinsamen Musizieren fügten die Musiker schon ein Jahr nach Bandgründung die Idee hinzu, mit ihren Auftritten zugleich etwas Gutes zu tun. Sie beschlossen, den Reinerlös der Konzerte zu spenden, vorwiegend an gemeinnützige Organisationen wie „Die Tafel“, „Weißer Ring“ oder „Elternkreis krebskranker Kinder“. In anderen Fällen verteilten die Musiker Weihnachtsgeschenke an Flüchtlingskinder, die aus Kriegsgebieten nach Koblenz gelangt waren.
Der Irish Pub-Betreiber Shay Dwyer spendete bei den immer stark besuchten Konzerten im Pub von jedem verkauften Getränk 30 Cent und bot obenauf für alle Gäste kostenlos „Fingerfood“ an. Die Spendensumme der 13 Konzert-Jahre, so Schmitt-Kilian, liegt im unteren fünfstelligen Euro-Bereich. Bei ihrem letzten „Charity-Konzert“ in der KUFA spielte BOP nun für „Schängel in Not“. Der Reinerlös kommt dem gemeinnützigen Verein „Die Schachtel“ (Treffpunkt für alleinstehende Wohnungslose und Menschen in sozialen Notlagen) zugute, der sich in den Projekten Wohnungslosenrestaurant „Mampf“, Streetwork und Sozialberatung engagiert.
Das karitative Gen scheint tief verwurzelt zu sein in Jörg Schmitt-Kilian. Der Kriminalhauptkommissar a.D. sitzt als Krimi-Autor mittlerweile fest und erfolgreich im Sattel der schreibenden Zunft. In den vergangenen Jahren habe er für die gute Sache schon mehrfach honorarfrei gelesen. Zuletzt im Pfarrheim Moselweiß mit dem ehemaligen Polizeibeamten und Autoren-Kollegen Walter Reick, der sogar den gesamten Verkaufserlös seines Buches „Freund und Helfer“ für krebskranke Kinder spendet.
Hilfe vor der Haustür
„Wir müssen nicht in die weite Welt spenden, denn es gibt immer mehr Menschen direkt vor unserer Haustür, die auf unsere Hilfe angewiesen sind“, ist Schmitt-Kilian überzeugt. Mit ihren Wohltätigkeits-Konzerten wollte BOP vor allem auf Kinderarmut und die Schwachen in unserer Gesellschaft hinweisen, Hilfsprojekte in der Region vorstellen und für die Konzertbesucher einen Impuls setzen, sich selber zu engagieren und Unterstützung zu leisten.
Die meisten BOP-Musiker werden nach der Bandauflösung weiterhin Musik machen. Diether Diederichs singt im BachChor Koblenz. Die Sängerinnen Nicole Pauly-Marz und Rita Saal sind neben ihren Band-Einsätzen Mitglieder des Extrachors des Theaters Koblenz und Sabiene Jahn ist mit dem „Nobel Quartett“ und anderen Formationen bundesweit auf Tour. Sie und Michael Bostelmann werden zudem weiterhin Jörg Schmitt-Kilian bei seinem Programm „Mörderisches Trio“ musikalisch begleiten.
Bei der Gelegenheit möchte Schmitt-Kilian auf den 18. Mai 2019 hinweisen. Sein Programm wird dann im Rahmen der „Obernhofer Vollmondnächte“ um 20 Uhr im Pilgersaal des Klosters Arnstein gespielt. Der Eintritt ist frei, aber es wird um eine Spende für den gemeinnützigen Verein der Arnsteiner Patres gebeten. BSB
Special-Guest Sabiene Jahn rockte mit kraftvoller Soulstimme die KUFA. Hier an der Seite von Jörg Schmitt-Kilian. Foto: Rudolf Wedekind
Flüchtlingskinder konnten sich über eine Spende freuen. Foto: privat
