Ganz im Zeichen der Kreisgeschichte
Der Kreis Ahrweiler begeht in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Gefeiert wird im Mai: mit einem Tag der offenen Tür in der Kreisverwaltung (Freitag, 20. Mai 2016, 9 - 16 Uhr) und der AW-Erlebnismeile (Sonntag, 22. Mai, 11 - 18 Uhr) mit Vereinen, Firmen und vielen Ausstellern an der Ahr im Bereich der Pius-Wiese und beim Peter-Joerres-Gymnasium.
Das Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2016 steht ganz im Zeichen der Kreisgeschichte. Ein Beitrag befasst sich mit dem Weinbau, genauer gesagt mit den Winzergenossenschaften des Ahrtals. Autor Paul Gieler beschreibt deren „steinigen Weg zum Erfolg“. Wir drucken den Beitrag in einigen Auszügen ab.
Winzergenossenschaften: Auf steinigem Weg zum Erfolg
Die Weinbaugeschichte der Ahr kann 30 Genossenschaftsgründungen nachweisen. 13 dieser Gründungen waren nicht erfolgreich und endeten überwiegend schon nach wenigen Jahren durch Liquidation. Die Gründe hierfür lagen anfänglich in Verschuldungen durch Überforderung in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht, später aber auch in der völligen Abkehr vom Weinbau (zum Beispiel Sinzig-Koisdorfer Winzerverein, Winzergenossenschaft Bodendorf) als Folge der Reblausseuche und besserer Erwerbsmöglichkeiten.
Zu Zusammenschlüssen kam es bei 11 Winzergenossenschaften. Drei Winzergenossenschaften mit unterschiedlichen Größen erstrecken sich heute flächendeckend über alle 11 Weinbauorte der Ahr. Die beiden großen Genossenschaften, die Ahr-Winzer e. G. und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, bewirtschaften eine Fläche von je 150 ha, der Ahrweiler Winzerverein e.G. eine Fläche von 25 ha.
Am Anfang stand eine Idee
Die Winzergenossenschaften an der Ahr sind aus der sozialen Not, die vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte, entstanden. Die Gründe für die Verarmung lagen in der beginnenden Industrialisierung, der Öffnung der Zollschranken Preußens, hohen steuerlichen Abgaben auf Wein, schlechten Jahrgängen als Auswirkung der Kleinen Eiszeit und der Monopolstellung weniger Weinhändler. Weiter kam der starke Bevölkerungszuwachs im ländlichen Bereich hinzu, denn immer mehr Menschen mussten von den durch Erbteilung verursachten immer kleiner werdenden Parzellen leben. Die Idee der landwirtschaftlichen Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, durch Genossenschaften eine „EINE FÜR ALLE - ALLE FÜR EINEN“-Symbiose herzustellen, gelang im Weinbau als ersten den Ahrwinzern. Nur ein Jahr nachdem das erste Genossenschaftsgesetz in Kraft getreten war, gründeten 18 Winzer 1868 die erste Winzergenossenschaft in Mayschoß an der Ahr.
Ziele der Zukunft
Die Erfahrung lehrt, dass immer dann, wenn eine Spitze erreicht wurde, sich ein Abwärtstrend zeigt. Der Rückgang des Steillagenweinbaus in anderen Weinbaugebieten weist auf dessen stark rückläufige Wirtschaftlichkeit hin. Die Bewirtschaftung und damit Instandhaltung der Weinbau-Steillagen ist, im Vergleich zur Ebene, mit immensem Aufwand und Fleiß verbunden. Dies trifft besonders die Kleinbetriebe der Genossenschaften, deren Winzer mit dem durch Stolz und Begeisterung geprägten Engagement ihrer Vorfahren handeln und weniger den Blick auf einen immer kleiner werdenden Geldbeutel richten. Weinbau in Steil- und Terrassenlagen ist bei den notwendigen hohen Erzeugerpreisen nur dann zu halten, wenn die Weinvermarktung mit der Vermarktung der Kulturlandschaft vor Ort (Direktvermarktung) einhergeht. Der seit einigen Jahren eingeschlagene Weg der Vernetzung von Weinbau und Tourismus muss konsequent gehalten und weiterentwickelt werden. In diesem Zusammenhang steht auch die Erhaltung der alten Weinbergsmauern als Kulturdenkmäler des Ahrweinbaus.
