Im Sayner Schlosspark wird an den Patenonkel von Alexander Fürst zu Sayn erinnert
Gedenkstein für „Prinz Heinrich, den Nachtflieger“
Bendorf-Sayn. Er war noch sehr jung, aber trotzdem hochgeschätzt und mit hohen Ehren ausgezeichnet, als er am 21. Januar 1944 im Alter von nur 27 Jahren bei einem Feindflug abgeschossen wurde: Heinrich Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, bekannt als „Der Nachtflieger“. Loyal zur Mannschaft ermöglichte er seinen Kameraden noch den Absprung aus dem getroffenen Flugzeug. Prinz Wittgenstein wurde im August 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Einen Tag nach seinem Tod hatten Jagdflieger der Royal Air Force über der Absturzstelle einen Kranz abgeworfen. Heinrich stand nicht nur dem Widerstand nahe, er hatte sich auch durch ein „ritterliches“ Verhalten gegenüber dem Feind ausgezeichnet. Von ihm wird berichtet, dass ihm das Überleben der abgeschossenen Bomberbesatzungen besonders am Herzen lag.
So legte der Major und Kommodore eines Geschwaders bei seinen insgesamt 84 Abschüssen größten Wert darauf, dass das Bomberwrack umgehend nach verletzten Überlebenden untersucht wurde. Den Offizier an Bord der „Fliegenden Festungen“ bat er, wenn möglich, zum Essen und zu einem persönlichen Gespräch, bevor dieser in die unvermeidliche Gefangenschaft kam. Einmal konnte er sogar eine verzweifelt um das Überleben kämpfende Besatzung eines kaum noch flugtüchtigen alliierten Bombers mit einer Finte sicher durch die Deutsche Küsten-Flak geleiten, bis eine Bruchlandung bei Dover möglich war. Im Schlosspark von Schönhausen an der Elbe hatte man im Jahr 1992 nahe der Abschussstelle einen Gedenkstein errichtet, der an „den Nachtflieger“ erinnerte. Damals waren neben Mitgliedern der Familie und einer Abordnung der Bundeswehr auch Kriegsveteranen aus Amerika, England und Frankreich dorthin gekommen, um den bei Freund und Feind geachteten Flieger zu ehren. Wegen der Umgestaltung der Parkanlage wurde der Gedenkstein entfernt und im dortigen Bauhof zwischengelagert. Engagierten Menschen für die Sache, sowie wie den Herren Schulz und Rhodius – die nun auch bei der Gedenkfeier in Sayn dabei waren – und auf Initiative von Oberst a.D. Wilhelm Göbel aus Lohmar, Referent für Geschichte, Tradition, Suchdienst und Archiv der Gemeinschaft der Flieger deutscher Streitkräfte, konnte schließlich der Transport des Gedenksteins nach Sayn in die Wege geleitet werden.
Nachdenken üder militärische Geschichte
„Was wir auch von den ehemaligen Luftwaffensoldaten kennengelernt haben, war die Fürsorge für Untergebene, die von diesen beispielhaft vorgelebt wurde“, so Göbel. „Ich hoffe, dass der Gedenkstein auch Besucher dieses Parks anregt, einmal über unsere militärische Geschichte nachzudenken“. Beim Retten des Steines und dem schwierigen Transport und Umsetzen des 1,5 Tonnen schweren Findlings waren zahlreiche hilfsbereite Menschen beteiligt, in Schönhausen, Genthin und Sayn. Hier in Sayn bemühten sich Werner Dietz, Bürgermeister Michael Kessler und das Betonwerk Volkmann für den neuen Standort unweit der Ruine des früheren „Teehauses“. Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wählte im Sayner Schlosspark diesen schönen und würdigen Platz am Rande der Pavillonwiese aus, wo der Gedenkstein für seinen Onkel jetzt hoffentlich auf Dauer an einen großen Sohn der Heimat erinnern kann. Oberst Göbel, das Sayner Fürstenpaar und seine Söhne Heinrich und Casimir, die bereits 1992 in Schönhausen dabei waren, versammelten sich dort mit ihren Familien und den engagierten Helfern zu einer kleinen Feier.
Patenonkel gewürdigt
Wilhelm Göbel hinterlegte ein Bukett mit Schleife der Gemeinschaft der Flieger und sprach über das Verständnis zur Tradition und seinen Erfahrungen während einer Ausbildung in den USA und in England und das dortige Wissen über die Luftwaffe und deren Beurteilung. Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein würdigte seinen Patenonkel. Er erinnerte auch ein Gespräch mit dem früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, der bei einem Überraschungsbesuch im Garten der Schmetterlinge dem Fürsten erzählte, dass der Nachtflieger eines seiner großen Idole gewesen sei. Damals war Heinrichs Mutter noch kurz vor seinem Tod in Verhandlungen zum Erwerb des Bendorfer Gutsbetriebes Albrechtshof eingetreten, um ihrem Sohn nach dem Krieg eine Existenz als Landwirt sichern zu können. Wie anders hätte sein Leben verlaufen können? Der Findling trägt neben dem Namen und Verzierungen auch die Inschrift „Unus pro multis“, „Einer für Viele“.
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