Allgemeine Berichte | 31.05.2017

Rheinbacher Stadtrat traf eine einstimmige Entscheidung

Gedenkstein soll an die drei ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter erinnern

Das Geld dafür soll durch Spenden aus der Bevölkerung zusammenkommen

Der Gedenkstein für die drei ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter im Rheinbacher Stadtpark soll so aussehen. Der Stadtrat sprach sich einstimmig für diesen Entwurf von Bildhauer Heinz Samulewitz ausJOST

Rheinbach. Es war bitterkalt an jenem Freitagmorgen Anfang 1945, als 150 polnische und ukrainische Zwangsarbeiter aus Rheinbach und den umliegenden Ortschaften unter einem Baum im Rheinbacher Stadtpark zusammengetrieben worden waren. Knapp zehn Grad unter Null zeigte das Thermometer am 26. Januar 1945 an, doch noch weitaus mehr ließ das Geschehen vor Ort den jungen Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Sie, die zuvor in ihrer von Nazideutschland besetzten ukrainischen Heimat einfach von der Straße weggefangen und als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren, mussten nämlich mit ansehen, wie drei junge ukrainische Zwangsarbeiter aus nichtigem Grund von Schergen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes erhängt wurden.

Ein Exempel statuiert

Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew hatten beim Trümmerräumen eine Damenstrickjacke, eine Hose und einige Flaschen Wein mitgenommen, deshalb mussten die Jugendlichen sterben - vor allem, um ein Exempel zu statuieren. Zwei Monate später war der Krieg vorbei und Nazideutschland besiegt, doch die Täter von damals seien bis heute nicht für ihre Taten belangt worden, hatte Peter Mohr akribisch recherchiert. Der damalige Rheinbacher NS-Bürgermeisters Joseph Wiertz und sein Polizeichef hätten diese „Sonderbehandlung“ eigenmächtig und ohne Gerichtsverhandlung beschlossen und mithilfe einiger städtischer Bediensteter und überzeugter Nazis auch in die Tat umgesetzt.

Niemand habe Schuld auf sich geladen, hatte Mohr schon bei einer Gedenkstunde am Ort des Geschehens im Januar 2015 erklärt, am 70. Jahrestag des Verbrechens. Doch auch diese Tat gehöre zur Historie der Stadt, jeder müsse sie kennen, um über die Geschichte nachdenken und das Rüstzeug für das Morgen finden zu können. Es gebe die Verantwortung, sich der Ortsgeschichte von Rheinbach zu stellen und sie an die folgende Generation weiterzugeben.

Einen weiteren Schritt in diese Richtung ging der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung, denn er beschloss einstimmig und ohne jede Diskussion, einen Gedenkstein im Stadtpark für die drei hingerichteten Ukrainer errichten zu lassen. Das dafür erforderliche Geld soll allein durch die Spenden der Bürger erbracht werden, Bürgermeister Stefan Raetz soll einen Spendenaufruf veröffentlichen. Die Rede ist von einem Betrag zwischen 3000 und 4000 Euro, denn Bildhauer Heinz Samulewitz wolle für sein Werk nur eine ganz kleine Rechnung stellen, wusste Mohr.

Inschrift festgelegt

Wie der Gedenkstein aussehen soll, steht mittlerweile fest, und auch die Inschrift wurde in Absprache mit allen Fraktionen im Stadtrat bereits festgelegt. Auf drei nebeneinanderstehenden Stelen soll die Inschrift von einem auf den anderen Stein überspringen: „Mit diesem Mahnmal erinnern die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Rheinbach an die Ermordung der minderjährigen Zwangsarbeiter Peter Spaak, Wladislaus Tatzschaview und Wladislaw Detjarew. Sie wurden am 26. Januar 1945 an dieser Stelle auf Geheiß des Rheinbacher NS-Bürgermeisters wegen eines geringfügigen Diebstahls erhängt. Der Mord blieb ungestraft. Möge die Erinnerung an dieses Verbrechen Mahnung für die Zukunft sein.“

JOST

Der Gedenkstein für die drei ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter im Rheinbacher Stadtpark soll so aussehen. Der Stadtrat sprach sich einstimmig für diesen Entwurf von Bildhauer Heinz Samulewitz ausFoto: JOST

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