Musical über das Leben des Pallottiner-Paters Franz Reinisch wurde in Schönstatt aufgeführt
„Gefährlich“
Schönstatt. In der Pilgerkirche wurde am Samstagabend das Musical „Gefährlich“ über den Pallottiner-Pater Franz Reinisch aufgeführt. Es spielt in den Ostertagen 1946 und blendet immer wieder zurück auf das Leben des Paters, der den Fahneneid auf Hitler verweigert hatte und schließlich durch das Fallbeil hingerichtet wurde. Sehr beeindruckend und bewegend haben Texter und Komponist Wilfried Röhrig sowie Arrangeur Hans-Werner Scharnowski das Leben Reinischs in Szene gesetzt. Insgesamt 40 Akteure (Schauspielerinnen und Schauspieler, Tanz-Ensemble und ein Chor mit Solisten) traten in den einzelnen Szenen auf. 23 Lieder wurden komponiert.
Ostern 1946. Pallottinerpater Schwan (Frank Breitenbach) ist in besonderer Mission unterwegs. In seiner Aktentasche will er die Asche eines Mitbruders, verborgen in einer Urne, von Berlin über die Interzonengrenze in den Westen bringen. Bei seiner Reise trifft er in Magdeburg das junge Paar Björn (Johannes Bechtold) und Anne (Franziska Lauer). Dieses will sich nach Hamburg durchschlagen. Die Drei kommen auch auf die „gefährliche Fracht“ des Paters zu sprechen: Franz Reinisch (Mathias Gall) war am 21. August 1942 in Brandenburg wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet worden. Er hatte den Fahneneid auf Hitler verweigert.
Während der abenteuerlichen Reise im Zug und auf nächtlicher Straße enthüllt sich Stück für Stück die spannende Lebensgeschichte Franz Reinischs: Seine turbulente Jugendzeit mit seiner Freundin Ludowika Linhard (Carolin Ankenbauer), die Suche nach seiner Berufung und seine Zeit in Schönstatt, sein Protest gegen die Naziherrschaft und das Mitläufertum, der sich zuspitzende Konflikt mit der Obrigkeit bis zu seiner Lebenshingabe - ein moderner, authentischer, unbequemer Prophet, Gott und seinem Gewissen verpflichtet. Das Musical wurde am 14. April diesen Jahres in Bad Kissingen uraufgeführt. Am 16. Juni folgte eine Aufführung in Bamberg. Für den Rest des Jahres stehen nun noch zwei Termine in Hall in Tirol (3. November) und in Östringen (18. November) im Tourneekalender.
„Möge der Abend ein Signal sein“
Eine kurze Einleitung in den Abend gaben Pater Dr. Heribert Niederschlag SAC, Postular im Seligsprechungsprozess für Pater Franz Reinisch (Franz Reinisch Forum der Pallottiner) und Pater Ludwig Güthlein ISch, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland. Dabei begrüßten sie ausdrücklich, dass das Leben Reinischs als Musical ausgearbeitet wurde. „Es gibt Ereignisse, die sich natürlich mit dem Wort andeuten lassen, aber die Musik kann dort weiterführen, was das Wort nicht vermag. Und die Musik kann Menschengruppen erreichen, die wir sonst nicht erreichen. Es lohnt sich Pater Reinisch näher zu kommen. Es ist wichtig sich für Werte einzusetzen und sogar den Kopf hinzuhalten, die auch heute sehr wichtig sind. Werte zur inneren Freiheit, Werte des eigenen Gewissens, zu seiner Überzeugung zu stehen und den Ärmsten der Armen beizustehen. Dieser Abend möge ein Signal sein, um möglichst vielen Menschen Pater Reinisch bekannt zu machen.“
Vor rund drei Jahren begannen die Planungen für das Muscial. Über ein Jahr ging die heiße Phase der Produktion, einer gewaltigen Realisierung. Die Zuschauer konnten gespannt sein, wie es gelang ein sehr schwergewichtiges Thema wie die Biographie von Pater Reinisch in ein Musical mit rhythmischer Musik, Tanz und Bildern umzusetzen.
Finanziell möglich war die Aufführung dabei durch die Unterstützung der Sparkassen-Stiftung, der Lotto-Stiftung und vieler persönlicher Einzelspender.
„Mehrere Glücksfälle“
Komponist Wilfried Röhrig aus Viernheim kannte die Person Franz Reinisch schon seit längerer Zeit, ohne sich jedoch näher mit ihm zu befassen. Vor drei bis vier Jahren fing er an, sich mit der Biographie des Paters näher zu beschäftigen, nachdem er aus Würzburg die Anregung erhielt das Leben Reinischs in ein Musical zu fassen. „Je mehr ich über Franz Reinisch dann gelesen hatte, desto mehr hat er mich begeistert. Ich habe gemerkt, er hat eigentlich sehr viel mit uns und unserem Leben zu tun. Auch mit dem was in der heutigen Gesellschaft so passiert. Er ist auch heute gesellschaftlich relevant und es ist wichtig, Farbe zu bekennen und Rückgrat zu zeigen. Das ist seine Botschaft, die mich dazu motiviert hat, dieses Musical zu schreiben“, so Röhrig.
Ein Teil des Ensembles hat er von seinem letzten Musical „Auf dem Hochseil“, die frühe Lebensgeschichte Josef Kentenichs, übernommen, andere wurden gezielt ausgesucht. So der Hauptdarsteller Franz Reinischs. „Er muss groß und lebenslustig, ein guter Musiker und Sänger sein. Mathias Gall war ein Geschenk des Himmels. Ich kenne ihn aus der Kirchenmusikszene und er ist wie ich ein Lehrer, der auch selbst Lieder schreibt und die entsprechende Bühnenerfahrung hat.“
Ein weiterer Glücksfall für Röhrig war die Beteiligung von Arrangeur Hans-Werner Scharnowski, der mit viel Liebe ans Werk ging, was man der Musik auch deutlich anmerken konnte.
Am Ende der Aufführung gab es Standing Ovations und lang anhaltenden Beifall. Ein bewegender Abend. Nähere Informationen und den Musical-Shop findet man im Internet unter http://reinisch-musical.rigma.de.
Turbulente Jugendzeit – Ludowika Linhard (Carolin Ankenbauer) und Franz Reinisch (Mathias Gall).
Zeit in Schönstatt ab 1938.
Der Berufung gefolgt – Pater Franz Reinisch.
P. Dr. Heribert Niederschlag SAC und P. Ludwig Güthlein Isch begrüßten zu Beginn des Abends die Gäste in der Pilgerkirche.
