Erinnern und Gedenken am Volkstrauertag
„Gefallene sind Zeugen, Opfer und Mahner“
Rheinbacher verneigen sich vor den Toten der Kriege am Ehrenmal und auf dem Ehrenfriedhof
Rheinbach. „Wir gedenken nicht nur der Gefallenen, Vermissten und in der Gefangenschaft gestorbenen Soldaten aller vom Weltkrieg überrollten Völker, sondern auch der von ihm verschlungenen Menschen jenseits der Schlachtfelder.“ Bürgermeister Stefan Raetz eröffnete am Volkstrauertag die beiden Gedenkfeiern am Ehrenmal im Stadtpark und auf dem Ehrenfriedhof. Der Rheinbacher Bürgermeister bezog in dieses Gedenken auch die Verschütteten und Verbrannten in den bombardierten Städten ein - in Coventry, in Hamburg, in Dresden, in Warschau, in Rheinbach und in vielen anderen Orten. „Wir gedenken der auf den Straßen der Flucht Erschlagenen, der in den Meeren Versunkenen und in den Kerkern der Gewaltherrschaft zum Tode Verurteilten. Viele Wunden sind auch 68 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges und 95 Jahre nach dem 1. Weltkrieg noch nicht verheilt. Halten wir inne, schauen wir zurück, dann werden wir still, und wir selbst werden unmittelbar von dem betroffen, was wir spüren, was wir überlegen, was wir fühlen.“ Raetz hatte die zahlreichen Teilnehmer der Gedenkstunde am Ehrenmal begrüßt, unter ihnen die Ehrenbürger der Stadt, Vertreter von Politik und Verwaltung, der Kirchengemeinden, Soldaten und Zivilangestellte der Bundeswehr, ehemalige Soldaten des Standortes Rheinbach sowie der Reservistenkameradschaft Meckenheim-Rheinbach, die Kyffhäuserkameradschaft Rheinbach, den MGV von 1846, des Spielmannszuges von 1902, die Sudetendeutsche Landsmannschaft, den VdK, den Eifelverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Sankt Sebastianus- und Sankt Hubertus-Schützenbruderschaft, den Malteser Hilfsdienst und das Rote Kreuz.
Ein internationales Netzwerk der Erinnerung, Begegnung und Versöhnung
„Der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge hat im Auftrag der Bundesregierung in 44 Staaten über 850 Kriegsgräberstätten für über zwei Millionen Kriegstote errichtet. Mit ihrem Bau, ihrer Pflege und dauerhaften Erhaltung knüpfen wir ein internationales Netzwerk der Erinnerung, der Begegnung und Versöhnung. Jede Kriegsgräberstätte, die von der örtlichen Gemeinschaft angenommen, die von den Angehörigen, von Jugendgruppen, von Veteranen oder Touristen besucht wird, bildet einen Knoten in diesem Netz. Auch wir von der Ortsgruppe in Rheinbach haben in diesem Jahr mehrere Kriegsgräberstätten in Deutschland, Frankreich und Belgien besucht. Vor allem der Besuch in Verdun war in vieler Hinsicht bemerkenswert“, führte Raetz an. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts sei geprägt von den zwei fürchterlichen Weltkriegen, deren Zeugen Opfer und Mahner die Gefallenen sind, derer am Ehrenmal gedacht werde. „Ihr Tod verpflichtet uns, durch Reflektion der Vergangenheit unseren Standort und Auftrag in der Gegenwart zu bestimmen“, betonte der Rheinbacher Bürgermeister. Der Männergesangverein Rheinbach von 1846 mit zwei Liedern sowie das „Ich hatt´ einen Kameraden“ des Spielmannszuges 1902 rahmten die Gedenkfeier stimmungsvoll ein. Traditionell begleitete eine Ehrenabteilung der Bundeswehr beide Gedenkfeiern.
Einschreiten gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Horror
Militärgeneraldekan a.D. Erhard Knauer sprach in seiner engagierten Rede auch den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan an. Gefallenen Soldaten, egal in welcher Zeit, seien keine Helden, es seien Opfer. Die Menschen müssten noch viel stärker der rechtsextremen Szene die Stirn bieten. Mit harten Worten sprach der frühere General an, einzuschreiten gegen Gewalt und Horror in Funk und Fernsehen. „Wir unternehmen viel zu wenig gegen die Verherrlichung von Gewalt, die vor allem aus den Fernsehern täglich auf uns einprasselt.“ Nach einem kurzen Marsch vom Ehrenmal zum Ehrenfriedhof sprach Pfarrer Diethard Römheld die Totenehrung. Der Geistliche hob ausdrücklich hervor, auch die zivilen Opfer müssten in das Gedenken einbezogen werden.
„Das gilt auch für die zwei Zwangsarbeiter aus der Ukraine und den aus Weißrussland, die hier im Stadtwald von den Nazis erhängt wurden“, machte der Pastor auch nicht vor einem viel diskutierten dunklen Kapitel der Stadtgeschichte Halt. Die Menschen, die auf dem Ehrenfriedhof und auf vielen Kriegsgräberstätten lägen, seien Opfer, sinnlos und ungerecht in den Kriegen ums Leben gekommen. Man müsse die Hand zur Versöhnung reichen, auch denen, die früher erbitterte Erz- und Erbfeinde gewesen seien. Zum Ende der Gedenkfeiern erklang von einem Solotrompeter aus dem Stadtwald erneut das „Ich hatt´ einen Kameraden“ und schloss damit eindrucksvoll das Gedenken am Volkstrauertag.
Auf dem Ehrenfriedhof standen, Feuerwehr, Schützen und Soldaten Spalier bei der Ehrenfeier.
