Stolperstein-Verlegung zum Gedenken an Wilhelm Hübinger
Gegen das Vergessen
Koblenz. Am vergangenen Freitag wurde in der Schenkendorfstraße 33 in Gedenken an Wilhelm Hübinger vom Förderverein Mahnmal Koblenz, ein Stolperstein im Bürgersteig eingesetzt.
Wer war dieser Wilhelm Hübinger? Wilhelm Hübinger wurde 1904 in Koblenz geboren und war mit seinem Bruder Walter als Lehrhauer in der Grube Mühlenbach im heutigen Stadtteil Arenberg tätig (wir berichteten bereits darüber).
Mit dem 111. Stolperstein, seit 2007, die in mehreren Straßen in Koblenz vor den entsprechenden Wohnhäusern installiert wurden, möchte der Förderverein Mahnmal Koblenz ein Zeichen gegen das Vergessen setzen.
Der in Köln lebende Künstler Gunter Demnig hatte 1993 die Idee zu dem Projekt „Stolpersteine“, die aus der Erfahrung heraus entstanden ist, dass Erinnerungstafeln für Opfer des Nationalsozialismus an Privathäusern oft an dem Widerstand der heutigen Eigentümer scheiterten.
Die Meinung des Künstlers, dass solche Erinnerungen in dem öffentlichen Verkehrsraum vor diesen Häusern stattfinden sollte, brachten ihn auf die Idee, solche kleinen Steine, sogenannte „Stolpersteine“, in die Bürgersteige einzulassen, vorausgesetzt, die jeweiligen Gemeinden und Städte haben im Allgemeinen keine Einwände gegen diese Aktion.
1997 verlegte er die ersten „Stolpersteine“, die mit einer Messingplatte überzogen sind und einheitlich die Aufschrift: „Hier wohnte….“ und dann den Namen, das Geburtsjahr, das Todesjahr, den Todesort und ggf. die Todesursache (z.B. „hingerichtet“) beinhalten. Sein Wunsch war und ist, dass für Passanten zufällige Erinnerungen an NS-Opfer wachgerufen werden.
In Anwesenheit der Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, Dr. Margit Theis-Scholz, sowie dem Koordinator der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz, Hans Peter Kreutz, Peter Wings, Mitglied im Förderverein sowie dem Stv. Vorsitzenden Joachim Hennig, wurde in Abwesenheit des Künstlers Gunter Demnig, der Stolperstein in den Bürgersteig eingelassen. „Mit diesem Stein soll ein würdiges Andenken an Wilhelm Hübinger gesetzt werden, der mitten im Leben aus dem Alltag gerissen und seines Lebens beraubt wurde“, so Dr. Theis-Scholz in ihrer kurzen Rede.
In diesem Zusammenhang erinnerte noch einmal Joachim Hennig an die vor längerer Zeit in den Stadtrat eingebrachte Namensänderung der Friedrich-Syrup-Straße in Koblenz-Rauental.
„Friedrich-Syrup war Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und Mitinitiator der Aktion „Arbeitsscheu Reich“, die den zwangsweisen „geschlossenen Arbeitseinsatz“ aller erwerbslosen und sozialunterstützten Juden im Reichsgebiet anordnete. Dies hatte zur Folge, dass viele Juden mit undurchsichtigen Argumenten in die KZ deportiert wurden“ soweit eine kurze Erklärung von Joachim Hennig.
Wie werden die Personen ausgesucht
Die Frage an Hans Peter Kreutz, nach welchen Kriterien die Personen ausgesucht werden, beantwortete er damit, dass viele Ortschaften, Nachbarn oder andere Organisationen sich noch an die Namen damaliger Anwohner erinnern können. Nur so ist gewährleistet, dass man mit diesen Steinen die Erinnerung wachhalten kann. Im neuen Jahrbuch Westdeutscher Landesgeschichte beschreibt Joachim Hennig noch einmal über den Sinn der Umbenennung der Friedrich-Syrup-Straße und damit das ganze Ausmaß der damaligen Zeit in Bezug auf den Umgang mit den Juden.
„Wegen der Verbrechen an ihnen und vielen anderen Menschen setzt sich der Förderverein Mahnmal Koblenz mit Nachdruck dafür ein, dass die Straßenbenennung nach dem Organisator des reichsweiten Arbeitseinsatzes, Dr. Friedrich Syrup, endlich zurückgenommen wird – viel zu lange hat die Stadt diesen Kriegsverbrecher geehrt. Schon längst hätte sie diese und andere Straßen nach Vor- und Leitbildern für uns Heutige benennen müssen“, so Joachim Hennig zum Abschluss der Stolperstein-Aktion.
Wilhelm Hübinger (li.) und Walter Hübinger.
