Allgemeine Berichte | 20.06.2016

Jubiläumsausstellung der Galerie im Uhrturm Dierdorf

Gelungene Verbindung von aktueller Kunst und Historie

Bis zum 17. Juli

Gründungsmitglied Uwe Langnickel gibt einen Abriss über 40 Jahre Uhrturm und stellt die ausstellenden Künstler vorWolfgang Tischler

Dierdorf. Der Uhrturm zeigte sich zur Jubiläums-Vernissage festlich, denn der Hausherr, Stadtbürgermeister Thomas Vis hatte ihn innen extra renovieren lassen. Dafür war ihm der Dank der Veranstalter gewiss. Auch den vielen aktiven Künstlern, die mit ihren Werken das Aussehen des Turms gestalten, galt der Dank der Galeristen. Ulrich Christian konnte als Sprecher der „Uhrtürmer“ etwa hundert kunstinteressierte Gäste bei der Vernissage vor dem Uhrturm begrüßen. Die seit vierzig Jahren bestehende Galerie in dem mittelalterlichen Bruchsteinturm garantiert eine gelungene Verbindung von aktueller Kunst und Historie. Uwe Langnickel, das letzte verbliebene Gründungsmitglied, bot zu dem besonderen Anlass eine historische Laudatio. Eine kleine Männerrunde wollte vor vierzig Jahren Kultur in Dierdorf gestalten, als Ort wählten sie den Uhrturm aus. Es sollte eine besondere Galerie entstehen ohne kommerzielle Interessen mit dem Ziel, Kunst zu zeigen, die gefällt, die besonders ist. Also Kunst für alle, auch für die Schulen und für Hobby-Künstler. Nach viel Vorarbeit im Gemäuer und mit Beratung durch Karl Bobek wurde im November 1976 die erste Ausstellung eröffnet. Das aktuelle Ausstellungs-Plakat ist eine Reminiszenz an das erste Plakat.

Die Galerie hielt durch

Am Anfang waren die Dynamik und der Zuspruch groß, im Lauf der Zeit trat Normalität ein und der Zuspruch ließ nach. Aber die Galerie hielt durch. Neben den Ausstellungen gab es Lesungen und Konzerte und viel Mut: Paul Stein wohnte im Turm und verwandelte diesen in ein Gesamtkunstwerk. Es fand ein reger Austausch mit Künstlern aus dem Ausland und der ehemaligen DDR statt. Auch die Kunstpreise, die regelmäßig vergeben wurden, fanden Beachtung. So erhielt die Galerie einen Stellenwert. Das Highlight war vor zwanzig Jahren die Verleihung des Kulturpreises von Rheinland-Pfalz, dotiert mit 4.000 DM an die Galerie. Die Entwicklung der Uhrturm-Galerie wurde auf vier großen Tafeln mit Bildern und Presseartikeln aus den vergangenen vier Jahrzehnten veranschaulicht, einem Konzentrat aus 14 Ordnern mit Belegen und Plakaten. Die Gruppe der Galeristen hat sich mit der Zeit verändert. Als letzter Ur-Uhrtürmer tritt nun auch Uwe Langnickel in den Ruhestand, dafür wurden neue Mitglieder geworben, die neue Impulse in den alten Turm bringen. Denn für Kultur im Ort stehen in Dierdorf die Uhrtürmer. Stadtbürgermeister Thomas Vis gratulierte allen Aktiven und den Dierdorfern zu dem Jubiläum und zeigte sich erfreut, dass die Idee einer Verbindung von historischer Stadt und Ausstellungen weiterlebt. „Das ist etwas, was wir in Dierdorf haben, was andere nicht haben.“ Er betonte, dass die Galerie von Seiten der Stadt immer nach Möglichkeit unterstützt wird. Auch die Verbindung zum Nachwuchs, in Form der Schulen, sei ihm wichtig. Uwe Langnickel führte auf einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung. Gleich links unten steht quasi als Turmwächter eine lebensgroße Skulptur seiner Person. Das Werk, dessen Entstehungsgeschichte auf einem Plakat zu lesen ist, wurde von dem 1992 in Maroth verstorbenen Professor Karl Bobek geschaffen. In der „Hexenkammer“ ist zudem ein früher Torso Bobeks ausgestellt. Die Bildhauerin, Andrea Bergmann stellt auf der dritten Etage zwei Skulpturen aus: „Wolkenpumpe“ aus Keramik und Schiefer und eine Gips-Büste von Berthold Todtenhöfer. Von Nikolaus Werner findet sich in der Hexenkammer eine Installation mit politischer Aussage: „Ort für die Anderen“. Die Installation stellt einen beklemmenden Bezug zwischen Mittelalter und Gegenwart her. Sie zeigt, dass es immer Verfolgte, Andersdenkende gab und gibt, für die der Käfig Abgrenzung und Abschreckung war und ist. Große Formate passen nur in den Eingangsbereich des Turms. Jörg Holubitschkas Alpenlandschaften zeigen einen monumentalen Farbraum mit ungeheurer Dynamik. Karin Luithlen steht laut Langnickel mit ihren großformatigen Gemälden, die Motive des Vergänglichen mit Lebendigem aufweisen, in „realistischer und handwerklicher Malerei“ für die Verbindung zu Malgruppen. Ihre Künstlergruppe Farbenkraft hatte die Andernacher Künstlerin 2010 im Uhrturm präsentiert. Stellvertretend für zahlreiche geförderte und talentierte Schülerinnen und Schüler ist eine sehr schöne Zeichnung eines Engels von Nicola Theis zu bewundern. „Hinter der Zeit“ betitelt Ole Hill, Preisträger des Rotarier-Kunstpreises 2015, sein Bild, das im Kontrast zur fotografischen eine imaginäre Wirklichkeit zeigt. Jan Schröder, der einer der Kunstpreisträger der Galerie war, stellt reduzierte Landschaften aus. Auch Christel Hermann war Preisträgerin. In ihren zarten vielschichtigen Arbeiten mit verschlüsselter Aussage „… und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort“ experimentierte sie mit Harz und Pigmenten. In der dritten Etage des Turms trifft den Betrachter der Farbrausch der Bilder von Gerhard Wienss und Jack Möller, Mitglieder der Neuwieder Gruppe 93. Ihre erzählenden Gemälde besitzen eine hohe handwerkliche Qualität. Wienss malt sowohl naturhaft mit fast fotografischer Umsetzung als auch abstrakt. „Er ist auf der Suche in beiden Stilen.“ Symbolisch für den Austausch mit polnischen Künstlern steht Ursula Roguckas „Fahrrad“. Der Zusammenarbeit mit Erfurt in Thüringen sind Bärbel Schmidts „Fenster“ gewidmet. Die leicht schwermütige Malerei „Figuren“ sind eine Leihgabe von Renate Rave. Der künstlerische Austausch war eine Brücke zur ehemaligen DDR. Ursula Bobek, die Kostümbildnerin gelernt hatte, steuerte drei aquarellierte Zeichnungen von Frauen bei. Die Uhrtürmer selbst gestalteten zusammen eine Wand mit je einer kleinformatigen Arbeit. So bewirtet der Uhrturm eine reiche, vielfältige Ausstellung. „Kunst hat immer mit Erleben zu tun, geht über die Sinne“, betonte Langnickel und lud in diesem Sinne die Gäste zu einem leckeren Imbiss mit Wein und Musik ein. Die schwungvolle Musik wurde gekonnt vorgetragen von Selina Hammer und Niclas Korbach vom Martin-Butzer-Gymnasium Dierdorf. Uli Christian wies zum Abschluss auf die Wettbewerbsausstellung im Herbst hin, zu der alle Künstler im Kreis Neuwied aufgerufen sind. Die Teilnahmeformulare können unter www.sparkasse-neuwied.de/uhrturmwettbewerb herunter geladen werden. Im nächsten Jahr wird die Gruppe 93 im Uhrturm ausstellen und die Uhrtürmer werden Gäste zum Ausstellen am Christmarkt einladen. Der Turm bleibt offen für die Kunst.

Öffnungszeiten

Die aktuelle Jubiläumsausstellung ist bis zum 17. Juli immer samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Gründungsmitglied Uwe Langnickel gibt einen Abriss über 40 Jahre Uhrturm und stellt die ausstellenden Künstler vorFoto: Wolfgang Tischler

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