Allgemeine Berichte | 21.02.2017

Karnevalssitzungen beim Horchheimer Carneval Verein (HCV)

„Gemeinsam feiern wie echte Freunde“

Mit dem Gardetanz bescherte das HCV-Ballett dem Publikum immer wieder neue Formierungen und Figuren.

Koblenz-Horchheim. Einiges hat sich getan beim Horchheimer Carneval Verein (HCV). Die beiden unter dem Motto „HCV im Winterstadl – Ahle Hau für Bursch und Madl“ stehenden Karnevalssitzungen im „Haus Horchheimer Höhe“ brachten es zutage. Das seit dem Jahr 2001 mit Humor und Spontaneität durch das Programm führende Präsidentenpaar Hubi Braun und Christoph Poth ist Vergangenheit. Poth wollte nicht mehr als Präsident auf der HCV-Bühne stehen. Dem Vorstand ist er aber erhalten geblieben und unterstützt nun hinter der Bühne das Team der Aktiven, besonders seinen Freund Hubi, der stilecht mit blonder Zopfperücke in Dirndl und Wanderschuhen moderierte. Zudem präsentierte sich Poth als Lehrer an der Pistenbar-Bütt. Mitten in der Winterlandschaft, dem gelungenen Bühnenbild mit Skihütte, Skilift und schneebedeckten Bergen, klärte der Ex-Präsident über die verschiedenen Lehrertypen auf. Solche, die alles aussitzen, andere, die ewige Bedenkenträger sind, die Schüler als natürlichen Feind betrachten oder von den Schülern gar nicht erst verstanden werden. Mit welcher Einstellung sich diese Mischung ertragen lässt, sang er zur „Penny Lane“-Melodie: „Mir geht’s gut, ich bin versorgt – leck mich am Arsch“. Ja, zimperlich darf das Publikum beim HCV nicht sein – da wird oftmals mit harten Wortbandagen gekämpft. Wie bei „11 Shades of Grey“, Michael Münchs geträumtes Sadomaso-Abenteuer. Schraubzwingen und Stacheldraht aus dem Baumarkt, eine „Unnerbux“ aus Lack und Leder sollen Frauen-Wünsche erfüllen. Denn: „Ist nicht jeder Mann, nimmt man’s genau, stets ein Sklave seiner Frau?“ In Sadomaso-Manier den Arsch versohlen wollte Münch auch gerne Politikern wie Trump, Erdogan, dem Kremlmonster, Gauland und Petry.

Alle bekamen ihr Fett weg

Mit wenig feiner Wortwahl bekamen alle ihr Fett weg. Altersgemäß ein wenig zahmer plauderte Münchs 13-jähriger Sohn Moritz, zum wiederholten Male in der HCV-Bütt stehend. Er mutierte in diesem Jahr zum gefährlichen „Pubertier“, das seine Eltern zur Verzweiflung treibt. Sein Tagebuch macht deutlich: Ordnung, Hygiene und gute Schulnoten – das wird alles überbewertet. Obwohl seine „Alten“ vom wahren Leben keinen Plan haben, gäben sie sich wenigstens Mühe beim Versagen, räumte er ein. Melanie Braun, Hubis Ehefrau, packte als „Miss Rabiata“ aus: Kurz mal auf ein Bier wegzugehen, bedeute bei Hubi stundenlange Abwesenheit. Gelegentlich läge er sogar neben Zeitung und Brötchen morgens vor der Tür. Weil Georg Spross, der Protokoller der Großen Koblenzer Karnevalsgesellschaft, in diesem Jahr nicht die HCV-Sitzung besuchen konnte, sprang für ihn der Präsident der „Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval“, Franz-Josef Möhlich, ein. In gereimtem Kowelenzer Platt schaute er auf das Welt- und Lokal-Geschehen der vergangenen Monate. Nicht nur Trump und Erdogan „ham se nich all“, sondern auch der deutsche Michel, glaubt Möhlich, wenn er an Böhmermann und den „Majestätsbeleidigungs-Paragraphen“ denkt. Kritisch beleuchtete er die Landtagswahl, den Verkauf des Flughafens Hahn und die Mauss-Spendenaffäre und resümierte: „Schlechte Politik hält schlechte Parteien am Leben“. Für Koblenz analysierte er eingehend die Kandidaten für die anstehende Oberbürgermeister-Wahl. Zum Schluss verneigte er sich mit einem „Danke für diese Zeit“-Ständchen vor Poth und speziell vor Karl-Heinz Bischoff, der im vorigen Jahr nach 34 Jahren erfolgreicher Ehrenamtsarbeit den Vorsitz des HCV niederlegte.

Als Bischof mit mir nur einem „F“ war Achim Bertgen von den „Kapuzemännern“ aus Kesselheim entsandt worden. Mit herrlich grotesken und spitzfindigen, manchmal auch makabren Gedanken- und Wortspielen amüsierte er die Schar der „hochverehrten Gläubigen“. Die mimikfrei vorgebrachten aberwitzigen Zweizeiler und kreativen Wortdeutungen landeten im Sekundentakt mitten auf dem Zwerchfell des Publikums. Die „Heimatfreunde Lay“ schickten Olav und Max Kullak auf die HCV-Piste. Vater und Sohn haben, wie sie sagten, zum Tanzen weder Muße noch Talent. Und mit Vaters Figur ließe sich maximal ein Tanz der „Wampentiere“ aufführen, meint Max. Das Publikum überraschten sie dann aber doch mit einer gar nicht so üblen Tanznummer, Radschlag und Hebefigur inklusive. Dieses Paar ausgenommen, wurde die Sparte Tanz ansonsten komplett durch das HCV-Ballett abgedeckt. Als Solomariechen brachte Maria Kesselheim einen hochkarätigen und professionell ausgeführten Tanz auf die Bühne. Ihrer Spitzenleistung wegen stand sie in dieser Turnier-Session bereits zweimal auf dem Sieger-Treppchen. Garde- und Showtanz übernahmen in schmucken neuen Gardekostümen der Ballett-Nachwuchs (trainiert von Karin Klinke) und die Erwachsenen (trainiert von Daniela Fondel). Erstmals war ein Gardetanz erdacht worden, bei dem Klein und Groß gemeinsam über die Bühne wirbelten. Hebe- und Wurffiguren, Sprünge, verschiedene Pyramidenformen – mit Tanzfreude und Disziplin setzten die Tänzer die das Sitzungsmotto mehrfach aufgreifende Choreografie um. Was sie schon beherrschten, musste der Koblenzer Prinz Christian, dat Schängelche vom Musselstrand, erst lernen: das Schuhplatteln.

Prinz Christian, dat Schängelche vom Musselstrand, zu Gast in Horchheim

In den Horchheimer Narrensaal war er samt Hofstaat auf Einladung des HCV gekommen. An seiner lederbehosten Seite natürlich die liebreizende, in ein Schneemäntelchen gekleidete Confluentia Kathi. Auch das Tollitätenpaar der Nachbarstadt Lahnstein, Prinz Dirk I. von Blitz und Funken und Lahno-Rhenania Anna I. besuchten den HCV, schließlich haben sie sich „gemeinsam feiern wie echte Freunde“ auf die Fahne geschrieben.

Echte Freunde für jede Karnevalssitzung sind die Musiker. Seit Jahrzehnten sind das beim HCV „Kniff“ Rosenbaum (Keyboard) und Uwe Wolf (Schlagzeug). Die perfekte Wahl für Stimmung bringende Schunkelrunden und passende Tuschs zur richtigen Zeit.

Obwohl einige der langjährigen Bühnenasse wie Schorsch Greifenstein oder Jupp & Juppchen in diesem Jahr nicht auf der Sitzungsbühne standen, überwog der Erfolg des Altbewährten. Zu dieser Kategorie gehört ganz klar Tausendsassa Karl Krämer aus Lahnstein, seit dreißig Jahren aktiver Karnevalist. Wie immer begeisterte er das Publikum mit einer bunten Mischung aus Witzgeschichten am laufenden Band, Comedy und Gesang. Und das Jodeln lernten die Gäste bei ihm allemal schneller, als bei Hubi, der das beim Einstudieren der HCV-Rakete versucht hatte. Ein weiterer Import aus Lahnstein ist Simone Krech, Sängerin aus Leidenschaft. Seit etlichen Jahren ist sie eine feste Größe bei den HCV-Sitzungen. Mit ihren Liedern brachte sie zu vorgerückter Sitzungsstunde noch einmal tüchtig Schwung in die Gästeschar. Zu „Hello Again“ zog erstmalig Bernd Wenig, alias Albert von Locke, beim HCV ein. Im 60er-Jahre-Outfit ließ er mit deutschen Schlagern „die Kuh fliegen“. Saal-Polonaisen und Tänzchen mit Stadl-Damen kamen beim Publikum gut an. „Wenig ist eben manchmal mehr“, war Hubis anerkennender Kommentar. Nach gut fünf Stunden war die Sitzung damit beendet. Die zweite Ausgabe des HCV-Winterstadls ging bereits am Folgetag über die Bühne. BSB

It’s Showtanz-Time beim HCV-Ballett. Heben, Werfen, Springen - alles gelang vortrefflich..

It’s Showtanz-Time beim HCV-Ballett. Heben, Werfen, Springen - alles gelang vortrefflich..

Die HCV-Aktiven hauchten dem Bühnenbild Leben ein und interpretierten auf eigene Art eine Hütten-Hitparade. Fotos: BSB

Die HCV-Aktiven hauchten dem Bühnenbild Leben ein und interpretierten auf eigene Art eine Hütten-Hitparade. Fotos: BSB

Mit dem Gardetanz bescherte das HCV-Ballett dem Publikum immer wieder neue Formierungen und Figuren.

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