Allgemeine Berichte | 25.01.2021

Tierschutzvereine rufen Kastrationswochen aus und bieten bei finanziellen Engpässen der Halter Zuschüsse an

Gemeinsam gegen das Katzenelend

Katzenbabys sind zuckersüß, machen den Tierschützern aber jedes Jahr das Leben schwer, weil hunderte von ihnen in Tierheimen landen oder ohne menschliche Zuwendung jämmerlich sterben. Foto: Doris Litz

Kreis Neuwied. Neuwied hat eine, die Verbandsgemeinden Bad Hönningen und Puderbach auch: Katzenschutzverordnungen sind für die Tierschutzvereine in der Region ein wichtiges Bekenntnis von Politik und Verwaltung zu ihren Bemühungen, die jährliche Flut von ungewollten Katzenkindern einzudämmen. Nun wollen Katzenhilfe und Tierheim Neuwied die Rechtsvorschriften mit Leben füllen und rufen Katzenbesitzer auf, sich vom 8. bis zum 26. Februar an ihren Kastrationswochen zu beteiligen. Tierhalter, die die Kosten nicht allein tragen können, dürfen auf Zuschüsse hoffen.

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Schauspiel: In den Auffangstationen der Tierschutzvereine landen unzählige Katzenkinder, die dort betreut werden müssen, bis sie ein Zuhause gefunden haben, Rund 110 Katzenbabys waren es 2020 bei der Katzenhilfe, 80 im Tierheim Neuwied. Im Rekordjahr 2019 kamen beide Vereine locker auf das Doppelte. Für die wenigen haupt- und die vielen ehrenamtlichen Helfer dauert die Hochsaison meist vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst.

„Es fängt mit trächtigen jungen Katzen an, die ausgesetzt werden und bei uns ihre Babys bekommen. Später kommen dann die Mütter samt Nachwuchs oder hin und wieder auch verwaiste Katzenkinder“, erzählt Sabine Stumm, die Vorsitzende der Katzenhilfe, aus ihrem Alltag. Einige Kätzchen sind krank, wenn sie bei den Tierschützern eintreffen, manche sterben. Flaschenkinder wollen wortwörtlich Tag und Nacht versorgt werden. Und viele müssen erst einmal gezähmt werden, bevor sich jemand für sie interessiert. „Das kann in besonders hartnäckigen Fällen schon mal ein oder zwei Jahre dauern.“

Dass sich die Katzenschutzverordnung bislang spürbar auf die Arbeit der Tierschutzvereine ausgewirkt hat, kann niemand guten Gewissens behaupten, räumt Tierheimleiterin Sabrina Steger ein. Doch das habe sie nach so kurzer Zeit auch nicht erwartet. „Trotzdem ist die Verordnung eine gute rechtliche Grundlage für unsere Arbeit“, betont die Vorsitzende des Tierschutzvereins Neuwied und Umgebung. Vor allem dort, wo Menschen durch eine Vielzahl mehr oder weniger verwahrloster Tiere und eine gehörige Portion Uneinsichtigkeit auffielen, habe nun auch das Veterinäramt eine Handhabe für schnelles Handeln.

Denn Zeit ist im Tierschutz vor allem dann ein heikles Thema, wenn es um Katzen geht: Mit einem halben Jahr sind Deutschlands beliebteste Haustiere geschlechtsreif und können dann zwei bis dreimal pro Jahr Nachwuchs produzieren. Nicht selten gehören zu einem einzigen Wurf vier oder fünf Welpen – die sich in einem halben Jahr ebenfalls vermehren. Es gibt Berechnungen, die nach wenigen Jahren bei tausenden und nach zehn Jahren bei 80 Millionen Tieren ankommen – theoretisch.

Denn tatsächlich sterben die meisten dieser Katzen in freier Wildbahn und auf sich allein gestellt einen jämmerlichen Tod.

Vermeidbares Elend, finden Sabrina Steger und Sabine Stumm und appellieren an Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen. „Es gibt handfeste Gründe dafür, das Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, betont Stumm. Schließlich wollten selbst die meisten Katzenfreunde ihr Leben nicht mit hunderten dieser Tiere teilen. „Hinzu kommt, dass sich Krankheiten unter verwilderten und verwahrlosten Katzen rasant ausbreiten – und auch auf Tiere übertragen werden, die zu Hause geliebt und umhegt werden.“

Tierheim und Katzenhilfe wollen aber nicht nur für die Kastration von Katzen werben, sie wollen auch helfen.

Deshalb bieten sie Menschen, die eine Operation ihres Tieres aus eigener Kraft nicht finanzieren können, einen Zuschuss an. Dafür ist es erforderlich, dass die Katzenbesitzer im Vorfeld bei den an der Aktion beteiligten Tierärzten einen Termin vereinbaren, an dem ihre Tiere kastriert und mit einem Chip gekennzeichnet werden. Die Teilnehmer müssen einen Eigenanteil zwischen 56 Euro (Kater) und 76 Euro (Katzen) pro Tier tragen. Darin enthalten sind der Kennzeichnungs-Chip und dessen Implantation. „Den Rest finanzieren wir, erklärt Sabrina Steger. Üblicherweise kostet allein die Kastration je nach Praxis bis zu 140 Euro pro Tier.

Diese Tierarztpraxen beteiligen sich an der Aktion der beiden Tierschutzvereine:

- Egbert Andräß, Stifterstraße 2, 56626 Andernach, 02631 – 42 840.

- Sandra Geis, Rudolf-Diesel-Straße 14, 56564 Neuwied, 02631 – 82 52 999.

- Tierklinik Maischeider Land, Beetstraße 41, 56276 Großmaischeid, 02689 – 98 550.

Katzenbesitzer, die sich an der Aktion beteiligen, können eigenständig einen Termin in der jeweiligen Praxis vereinbaren. Mitzubringen ist der Impfausweis der Tiere. Wer von den Zuschüssen profitieren will, muss sich zusätzlich ausweisen und seine Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefon- und Ausweisnummer) hinterlassen. Der Eigenanteil wird vor Ort selbst gezahlt. Die Restkosten rechnet der Tierarzt später mit den Tierschützern ab.

Natürlich hoffen die Tierschützer, dass sich auch Tierhalter an der Aktion beteiligen werden, die keinen Zuschuss benötigen. Denn den Vereinen fällt diese finanzielle Unterstützung nicht leicht. Schließlich müssen sie selbst um jeden Cent betteln, um ihre Arbeit und ihre Einrichtungen finanzieren zu können. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass jeder Euro gut investiertes Geld ist. „Eine Rechtsverordnung allein reicht nicht aus, jetzt muss sie auch mit Leben gefüllt werden. Und dazu wollen wir unseren Beitrag leisten. Außerdem machen wir uns das Leben deutlich leichter, wenn wir dafür sorgen, dass einige der Tiere, denen wir sonst beim Sterben zuschauen müssten, gar nicht erst geboren werden.“

Pressemitteilung

Katzenhilfe Neuwied e.V.

Katzenbabys sind zuckersüß, machen den Tierschützern aber jedes Jahr das Leben schwer, weil hunderte von ihnen in Tierheimen landen oder ohne menschliche Zuwendung jämmerlich sterben. Foto: Doris Litz

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