Ökumenischer Gottesdienst unterm Regenbogen
Gemeinsame Andacht und Gespräche zum Welt-Aids-Tag
Westerwaldkreis. Das Motto „Regenbogen“ war beim diesjährigen ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Welt-Aids-Tags überall zu entdecken – von der farbenfrohen Beleuchtung der Katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Höhr-Grenzhausen bis hin zur entsprechenden Dekoration. Dazu passten die bunten Schals des Chors DaCapo, der unter der Leitung von Björn Adam und mit Albert Schuck an der Gitarre die musikalische Begleitung übernahm. Pfarrerin Monika Christ gestaltete den Gottesdienst mit ihren bewegenden Texten und einer sehr berührenden Predigt zum Thema Segen/Bund und Gemeinschaft. Ergänzt wurde dies durch die verbindenden Texte des Pastoraltheologen Simon Beranek.
Zum 17. Mal hatten die Aids-/Infektionsberatungsstelle des Gesundheitsamtes Montabaur und die Westerwälder HIV-Selbsthilfegruppe in Kooperation mit der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinde Höhr-Grenzhausen zu dieser Veranstaltung geladen. Im Anschluss erwartete die Interessierten im Pfarrzentrum noch eine bunt gemischte Gesprächsrunde, bei der sie sich mit Plätzchen und alkoholfreiem Punsch stärken konnten.
Dabei gab Schwester Helga Weidemann, Pallottinerin, Krankenschwester und Klinikseelsorgerin, Einblick in die Anfänge von HIV/Aids auf der Frankfurter Aids-Station Haus 68 in den 90er Jahren. Das Wissen um die Entstehung der Krankheit und die genauen Übertragungswege war damals noch sehr gering. Anschaulich berichtete sie aus ihren Erinnerungen: „Die überwiegend männlichen Patienten waren so jung und starben schnell. Sie waren gezeichnet von der rapide fortschreitenden Immunschwäche, oft auch vom nahen Tod. Ich war einfach da – an ihrer Seite zum Zuhören und für Gespräche, für Berührungen und Segnungen sowie als Mittlerin zwischen den Familien, für die die Lebenswelt des Sohnes oder Bruders befremdlich und schambehaftet war.“ Dabei wurde deutlich, dass sie mit Herzblut und Kompetenz positiv an einer großen Gesundheitsherausforderung mitgewirkt hat und welch riesiger Dank dem ganzen interdisziplinären Team für seinen unermüdlichen Einsatz damals wie heute gebührt.
Inzwischen ist dank Medikamente der frühe Tod einer nahezu normalen Lebenserwartung gewichen. Die Gesellschaft ist akzeptierender und Menschen mit Erkrankungen werden insbesondere durch berufliches wie ehrenamtliches Engagement eher als Teil der Gemeinschaft gesehen und unterstützt. Trotzdem waren sich alle einig, dass solche Zeitzeugenberichte von großem Wert sind, zumal es in den Anfängen von Corona ähnliche Effekte wie die Infektions- und Berührungsängste gab.
Angebote zu HIV/Aids und sexuell übertragenen Erkrankungen gibt es im Gesundheitsamt des Westerwaldkreises seit 35 Jahren. Telefonische Beratungen – beispielsweise zu kostenfreien anonymen Testregelungen, psychosoziale Beratungen und Präventionsangebote sind möglich bei Miriam Körting-Eberhardt (02602 124-723), Selina Kexel (-737) und Dr. Ursula Rieke (-717).
Pressemitteilung des
Westerwaldkreises
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