Wohnen für Hilfe
„Generationen, die voneinander profitieren“
Koblenz. Bereits sechs Monate lebt Tim Beckmann nun schon bei Rita Sauvigny in Koblenz-Rübenach. Beckmann suchte für seinen Studienstart im Oktober letzten Jahres eine günstige Bleibe. Bei „Wohnen für Hilfe“ wurde er schnell fündig. VermieterInnen teilen ihren Wohnraum mit einem/einer Studierenden, der/die im Gegenzug kleine Tätigkeiten im Alltag für sie übernimmt – so das Konzept des Projekts „Wohnen für Hilfe“ des Studierendenwerks und der Hochschule Koblenz.
„Auf Tim ist immer Verlass, auch wenn ich mal nicht zu Hause bin“, meint Rita Sauvigny, deren primäre Motivation für die Teilnahme am Projekt die Besuche ihrer Familie an der Ostsee sind. „Ich kann jetzt flexibler für längere Zeit wegfahren und muss mir keine Sorgen um das Haus machen.“ Beckmann kümmert sich in dieser Zeit zum Beispiel um die Gartenarbeit, „obwohl eigentlich Rita den grüneren Daumen von uns beiden hat“, erzählt er lachend. Wenn beide zu Hause sind, frühstücken sie jeden Tag gemeinsam. Ein kleines Ritual, das sie pflegen und die Planungen für den Tag besprechen. Tim Beckmann hilft dann bei Angelegenheiten mit dem Computer oder erledigt Aufgaben im Haushalt. Manchmal kochen sie auch in der gemeinsamen Küche. Das Wohnpaar trennen 45 Jahre Altersunterschied. Sie leben sozusagen in einer generationenübergreifenden WG.
Tim Beckmann wohnt im Haus von Rita Sauvigny unter dem Dach und hat dort neben seinem Zimmer ein eigenes Badezimmer. So kann Beckmann, der inzwischen im 2. Semester BioGeoWissenschaften an der Universität in Koblenz studiert, auch nachtaktiv sein, um zu lernen, ohne Rita Sauvigny zu stören. „Anfangs war es dennoch eine Umstellung für mich, da ich lange allein gelebt habe und mit Tim dann erst einmal gebundener war“, berichtet Sauvigny. Jetzt ist sie über die Unterstützung froh und auch ihre Familie freut sich, dass sie mit ihrem jungen Mitbewohner Gesellschaft hat. Inzwischen hat sich ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den beiden aufgebaut, das sich nicht zuletzt dadurch zeigt, dass Sauvigny ihr Auto Tim Beckmann für Notfälle überlässt und ihn hierfür bei der Versicherung angemeldet hat.
Nachdem Tim Beckmann 2018 sein Abitur in der Tasche hat, reist er um die Welt, macht eine Ausbildung zum Tauchlehrer. Zurück in Deutschland, muss schnell eine Entscheidung über einen passenden Studiengang her und er zieht aus der Nähe von Hamburg nach Koblenz. Der 22-Jährige erzählt: „Ich liebe die Natur! Fahrradfahren und Wandern, das kann ich hier an Rhein und Mosel jetzt jederzeit, die Landschaft hier ist wunderschön. Alles, was vom Studierendenticket mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos erreichbar ist, habe ich inzwischen abgegrast!“ Der kommunikative Student lernt in Koblenz schnell neue Leute kennen, geht mit ihnen in der Stadt etwas Trinken. Seine Freunde beneiden ihn oft nicht um den längeren Heimweg von der Stadt bis nach Hause. Beckmann dagegen empfindet gerade das als Vorteil: „Das schnelle Studentenleben und das familiäre, ruhige Wohnen bei Rita ab von der Innenstadt bietet genau den richtigen Kontrast für mich“.
Rita Sauvigny interessiert sich für Beckmanns Studium und seine Erfahrungen. „Unser Zusammenleben sorgt dafür, dass ich mich mit neuen Dingen beschäftige, zu denen ich sonst überhaupt keinen Bezug hätte“, berichtet sie. Es ist für beide Parteien eine Win-Win-Situation, so lernen Alt und Jung von- und miteinander. „Das Zusammenleben läuft gut, da kann ich „Wohnen für Hilfe“ gerne weiterempfehlen“, ergänzt sie. Beckmann betont, dass andere Studierende den Mut haben sollen, dem Projekt offen gegenüber zu stehen, „es einfach mal auszuprobieren, denn Probieren geht über Studieren“, meint der Student ironisch.
Weitere Informationen und Kontakt: Studierendenwerk Koblenz, Anne Dommershausen, Projektleiterin „Wohnen für Hilfe“, Hochschule Koblenz, Konrad-Zuse-Straße 1, 56075 Koblenz, Tel. (02 61) 95 28 -9 81, E-Mail: koblenz@wohnen-fuer-hilfe.de, Website: www.wohnen-fuer-hilfe.de.
Pressemitteilung des
Studierendenwerk Koblenz
