Allgemeine Berichte | 11.09.2023

Investor, Architekt und Politik hören Kritik und viel Zustimmung bei Bürgerversammlung in Mayen-Hausen

Geplantes Seniorenwohnheim auf dem Mosellaplatz rückt näher

(v.l.) Investor Norbert Wergen, Architekt Jens. J. Ternes und Oberbürgermeister Dirk Meid sowie Ortsvorsteher Karl-Josef Weber und Architektin Vera Schmidt informierten über das geplante Seniorenwohnheim.  Fotos: WEC

Mayen. „Wir haben große Zustimmung erfahren“ bedankte sich Oberbürgermeister Meid abschließend bei den rund 300 interessierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich zur Einwohnerversammlung im Hausener Bürgerhaus eingefunden hatten und auch dafür, dass alles weitestgehend sachlich und vor allem friedlich geblieben war. Thema des Abends war die auf dem Hausener Mosellaplatz geplante Errichtung eines Altenpflegeheims mit betreutem Wohnen, für die eine Änderung des gültigen Bebauungsplans erforderlich ist. Die Veranstaltung diente der Vorstellung des Projekts durch die Architekten und den Investor sowie dem allgemeinen Informationsaustausch und der Beantwortung von Fragen.

„Man kann viel daraus machen“ begrüßte Investor und Geschäftsführer Norbert Wergen der Fa. IMCOVEST aus Niedernhausen die Gäste „es ist eine Chance für Sie in Hausen.“ Erstmals und ungewollt brandete an diesem Abend regelrecht Beifall auf. Wergens Firmen sind speziell und an mehreren Standorten im Bundesgebiet auf den Gebieten Gesundheit oder Pflege sowie den zugehörigen Immobilien aktiv und befassen sich daher intensiv mit der Materie Residenz, Pflege und Kauf. Und auch die Zusammenarbeit mit dem inhabergeführten Koblenzer Büro von Architekt Jens. J. Ternes ist für Wergen nicht neu. Herr Ternes würde Projektleiter der Anlage in Hausen, die seiner Aussage zufolge 32 bis 38 Einheiten umfassen werde. Besonders begeistert zeigt sich Architekt Ternes von der Planung „weil die Anlage mitten im Ort plaziert werde, denn da gehört sie hin.“ Auch für diese Aussage gab es spontan Applaus und keinen einzigen Buhruf.

Mögliche Nutzungen

Anhand einer Folienpräsentation erläuterten sowohl Investor Wergen als auch Architekt Ternes die bis dato bekannten Vorstellungen und Ideen. Die Feinplanung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, wenn die Gewissheit besteht, sie würde nicht umsonst gemacht. Im Seniorenwohnpark könnten beispielsweise Unterkünfte entstehen mit Service zum weiteren selbstbestimmten Wohnen. Es sind betreute Wohngemeinschaften denkbar für Demenzerkrankte. Kurzzeit-, Tages- oder Verhinderungspflege zum Beispiel als Urlaubsvertretung. Der Kindertagesstätte und der Dorfgemeinschaft werden Begegnungs- und Veranstaltungsflächen angeboten. Eine Cafeteria ist möglich und Multifunktionsflächen, beispielsweise zur tele-medizinischen Versorgung oder vielfältigen weiteren seniorennahen Dienstleistungen. Viele weitere Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar und werden sich in ersten Gesprächen mit einem möglichen Betreiber erst herauskristallisieren. Die gesamte Konzeption des Gebäudes werde auf jeden Fall so gestaltet, dass später keine grundsätzlich anderen Nutzungen möglich sein werden.

Einfügen in die Umgebung

Architekt Ternes schwebt in der Mitte des U-förmigen Gebäudes ein auch vermietbares Foyer vor. Er will kein Traumschloss bauen, sondern eine moderne Anlage, die auf dem neuesten Stand der Technik ist. Die Höhe des Gebäudes wird durch „eingraben“ in den leicht ansteigenden Hang maximal die, des Kindergartens erreichen. Aufgelöste Fassaden mit Materialwechsel unter Erhaltung vorhandenen Grüns und Dachbegrünung wird die unterstützende Wirkung zeigen, dass sich die Anlage weiter „zurücknimmt“. Auf die Interaktion alt-jung mit der KiTa legt der Architekt besonderen Wert. „Das hält jung“ so sein Credo.

Stellungnahmen der Stadtratsfraktionen

SPD-Fraktionsvorsitzender Sondermann erkannte in der Präsentation viele Gründe, weshalb das Projekt ein phantastisches ist. Viele Negativbeispiele der bisherigen Argumentation hätten sich als unrichtig herausgestellt. Für CDU-Pendant Rosenbaum hätte die Planung gerne ein halbes Jahr früher gezeigt werden dürfen. Das Projekt offenbare viele gute Seiten und sei im Zentrum eines Ortes ein Gewinn. Im Hinblick auf einen möglichen Betreiber würde man der Expertise des Investors vertrauen. Für die Freien Wähler regte Fraktionsvorsitzender Schönberg an, dieses schon sehr interessante Projekt doch anstelle der geplanten Hochgarage in der Mayener Kernstadt zu realisieren. In Mayen seien schon zu viele Grünflächen geopfert worden. Der Grüne Michael Sexauer wollte nicht über andere Plätze diskutieren. Im Zentrum gelegen mit seiner Nähe zur KiTa sei dieses Projekt eine wichtige Entwicklungsmöglichkeit für den Stadtteil Hausen. So sah das auch FDP-Fraktionsvorsitzender Raab. Wir können uns das gut vorstellen und andere Ortsteile wären glücklich über solch ein Angebot. Die AfD war nicht vertreten.

Oberbürgermeister Meid plauderte aus dem Nähkästchen und sprach sogar von nahezu zeitgleich zwei Investoren, die im Mai sehr grob ihre Vorstellungen präsentiert hatten. Der Stadtrat habe sich für IMCOVEST entschieden und bedingt sowohl durch die Sommerferien als auch noch nicht präsentationsreife Unterlagen habe sich der jetzige leider sehr späte Termin ergeben. Ortsvorsteher Weber ergänzte weiter, im Rahmen der Ortsbegehung Stadtdörfer sei er gefragt worden, was er denn, mit der ungenutzten Fläche im Ortskern zu tun gedenke. Dies unter der rheinland-pfälzischen Entwicklungsprämisse innen vor außen.

Fragen und Antworten zum Bauprojekt in Hausen

Im Anschluss an die Präsentation des Projekts sowie die in einer Einwohnerversammlung erlaubten Stellungnahmen der Ratsfraktionen erfolgte eine allgemeine Aussprache sowie die Sammlung von Anregungen der Einwohner. Die schiere Anzahl macht eine vollständige Erwähnung unmöglich. Bestem Wissen nach wurde der Schwerpunkt an dieser Stelle auf allgemein interessierende Fragen und Anregungen gelegt.

Zahlreiche Fachfragen wurden an den Investor sowie den Architekten und die Stadtverwaltung gestellt. Der Bogen spannte sich dabei von der Zufahrtsmöglichkeit von Rettungsdiensten über die Beseitigung des Abwassers bis hin zur Starkregenproblematik einzelner anliegender Grundstücke und dem Baulärm sowie Verkehrsaufkommen während der Bauphase.

Der von der Bürgerinitiative BIMO beauftragte Trierer Rechtsanwalt Rainer Zahnhausen verwahrte sich gegen die in machen Beiträgen angedeuteten abfälligen Äußerungen und wiederholte größtenteils die bereits per Flugblatt an alle Haushaltungen und im Internet verbreiteten Argumente der Initiative. Herr Zahnhausen bemühte die historische Entwicklung des aktuell gültigen Bebauungsplans und den darin festgelegten Gebrauch des Platzes durch Kinder und Jugendliche, den diese auch intensiv nutzen. Gerade diese letzte Wortwahl des Anwalts rief allgemeines Gelächter unter den Anwesenden hervor. Stadtchef Meid befand, dass Dinge sich ändern und kein Bebauungsplan für die Ewigkeit geschaffen sei. Ortsvorsteher Weber platzte ob der letzten Worte des Anwalts nahezu der Kragen. Seinen Worten zufolge musste der vorhandene Bolzplatz aufgegeben werden wegen seiner Lautstärke. „Anlieger des Platzes haben unsere Kinder aus der Dorfmitte verdrängt“ so Ortsvorsteher Weber. BIMO-Sprecher Thomas Weber wiederholte ebenfalls bekannte Argumente. Der Initiative gehe es vor allem um den Erhalt „der grünen Lunge“ des Stadtteils. Gegen ein Seniorenheim in Hausen sei man keinesfalls. Die „massive Bebauung“ solle jedoch an einen dazu geeigneten Platz verlegt werden mit einer darauf ausgelegten Infrastruktur.

Die Änderung des Bebauungsplanes soll in der Ortsbeiratssitzung am 19. September um 19.30 Uhr im Bürgerhaus sowie den weiteren städtischen Gremien beraten werden. Sollten alle Gremien ihre Zustimmung erteilen, kann der Bauantrag für die Errichtung des Gebäudes gestellt werden. Tatsächlich gebaut würde somit frühestens 2024. WEC

Blick in das voll besetzte Bürgerhaus Hausen. Mitglieder der Bürgerinitiative BIMO drückten ihren Unmut über das Projekt auf Transparenten aus.

Blick in das voll besetzte Bürgerhaus Hausen. Mitglieder der Bürgerinitiative BIMO drückten ihren Unmut über das Projekt auf Transparenten aus.

(v.l.) Investor Norbert Wergen, Architekt Jens. J. Ternes und Oberbürgermeister Dirk Meid sowie Ortsvorsteher Karl-Josef Weber und Architektin Vera Schmidt informierten über das geplante Seniorenwohnheim. Fotos: WEC

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