Siebter Friedensethischer Studientag am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr
Gerechter Frieden für Mali?
Koblenz. „Wir beobachten einen richtigen Hunger danach, dass die Soldatinnen und Soldaten den Menschen in Mali helfen wollen.“ So fasste Militärbischof Dr. Bernhard Felmberg die Einsatzerfahrungen der 62 Seelsorgerinnen und Seelsorger zusammen, die den Bundeswehreinsatz in Mali seit 2013 begleitet haben. Der Vortrag des Bischofs auf dem Friedensethischen Studientag am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz stand unter dem Titel „Der Bundeswehreinsatz in Mali aus Sicht der Militärseelsorge“. Zum siebten Mal fand dieser Studientag statt, eine Kooperation von Evangelischer Militärseelsorge, Zentrum Innere Führung, Evangelischer Akademie im Rheinland, des Ev. Kirchenkreises Koblenz und der Landeszentrale Politische Bildung Rheinland-Pfalz.
Ziel der Studientage ist ein Dialog zwischen Bundeswehr und kirchlich-zivilgesellschaftlicher Friedensarbeit. Für die etwa 50 Teilnehmenden ging es um die Frage, ob die Militäreinsätze im westafrikanischen Mali, die UN-Mission MINUSMA und die von der EU verantwortete Trainingsmission EUTM zum Frieden beitragen. Passen militärische Anteile und die Aufgaben einer zivilen und wirtschaftlichen Entwicklung eigentlich zusammen? Über dem Krieg in der Ukraine gerät der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr leicht aus dem Blick, obwohl der Bundestag gerade seine Verlängerung beschlossen hat.
Generalmajor André Bodemann, der Kommandeur des Zentrums Innere Führung, betonte, wie wichtig es für die Soldatinnen und Soldaten sei, sich intensiv und eigenständig mit der Frage nach Sinn und Legitimität des Einsatzes auseinanderzusetzen. Katrin Döll von der Stabilisierungsplattform des Auswärtigen Amtes ordnete die Einsätze politisch ein. Brigadegeneral Jochen Deuer, im Jahr 2021 Kontingentführer der EUTM, gab eine Einschätzung aus militärischer Sicht. Mit Daniel Djemboudou und Mohammed Sissoko waren Gesprächspartner eingeladen, die das westliche Engagement aus Sicht der malischen Zivilgesellschaft durchaus kritisch beleuchteten. Aus Bamako, der malischen Hauptstadt, war Christian Klatt, der Repräsentant der Friedrich-Ebert Stiftung, zugeschaltet.
Ein Schlusspodium aller Referierenden stellte sich den Nachfragen des Auditoriums. Wenig überraschend gingen die Wertungen auseinander: Sind die Stabilisierungs- und die Ausbildungsmission trotz mancher Schwierigkeiten insgesamt erfolgreich, oder zeichnet sich ein neues Desaster wie in Afghanistan ab? Reiner Anselm, Professor für Ethik in München und Vorsitzender der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD, fasste die Impulse des Studientages für die Weiterarbeit an der Friedensethik zusammen. Friedensethik, das Nachdenken darüber, wie Frieden bewahrt und gefördert werden kann, muss sich den Erfahrungen der Auslandeseinsätze ebenso stellen wie der durch den Krieg in der Ukraine grundlegend veränderten europäischen Sicherheitslage. Das Militär, so das Fazit des Tages, kann bestenfalls Räume offen halten für zivile Prozesse der Konflikttransformation. Mangelnde politische Teilhabe und exzessive Gewalt aber zerstört Vertrauen als Basis des Friedens. Mit Blick auf den Studientag stellte Generalmajor Bodemann fest: „Gerade angesichts der schwierigen Situation brauchen wir den Dialog dringender denn je“. Er lud dazu ein, die Veranstaltungsreihe am Zentrum Innere Führung fortzusetzen.
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