Mit dem Forum Kultur Bad Breisig den „Zwibbelsmaat“ beleuchtet
Geschichtsstunde in geselliger Runde
Bad Breisig. Unter den Schatten spendenden Platanen auf der Terrasse des Hotels „Rhein-Residenz“ konnte Bernd Lang, Chef des quellenstädtischen „Forums Kultur“, einen Kreis interessierter Bürger begrüßen, um mit ihnen Hintergründe, geschichtliche Fakten und Details zum jährlich veranstalteten „Zwiebelmarkt“ zu ergründen.
Als Gesprächsleiter hatte er den Hobby-Heimatkundler Waldi Fabritius geworben, der es verstand, in aufgelockerter, launiger Atmosphäre, mehr plaudernd als dozierend, das zu vermitteln, was zu dem Thema allgemein interessiert. So erfuhren die Zuhörer, wie es vor rund sechseinhalb Jahrhunderten (1374) dazu kam, dass dem unscheinbaren Dorf Breisig das Marktrecht verliehen wurde, und wie es sich auf die Entwicklung des Ortes auswirkte. Anekdoten aus den verschiedenen Zeitaltern würzten die historischen Fakten. Dabei konnte auch „Hüttenwirt“ Werner Schäfer manch Ergänzendes beisteuern. Die riesigen Schafherden hatten zum Beispiel in der Region so viel Bedeutung, dass in Breisig ein eigener Viehmarkt durchgeführt wurde.
Was den Vorläufer des Zwiebelmarktes angeht: Es besteht kein Zweifel, dass die durch die Tempelritter aus dem Heiligen Land mitgebrachten Partikel vom Kreuz Jesu die jährliche Wallfahrt zum Hochfest der Kreuzerhöhung am 14. September und damit den „Heiligkreuz-Markt“ begründet haben. Die Breisiger Niederlassung des Ordens hatte besondere Bedeutung durch die Lage an der Pilgerstraße nach Aachen und Köln. Das den Pilgern vorbehaltene Hospiz hatte nicht nur wohltätige Aspekte. Die Breisiger erkannten: Mit der Versorgung der Pilger ließen sich gute Geschäfte machen, und so wuchs der ursprünglich an der Templer-Niederlassung durchgeführte Markt zu ungeahnter Größe; er brauchte bald zusätzlichen Platz und wanderte im Lauf der Zeit in die Straßen des Ortes. Nach der Vernichtung des Templer-Ordens hatten die Johanniter dessen Komturei in Besitz genommen und verwahrten die Reliquie bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen. 1826 kamen die Kreuz-Partikel in den Besitz der Marien-Pfarrei und wurden Mittelpunkt des immer größer werdenden Heiligkreuz-Marktes.
Er hieß inzwischen im Volksmund „Zwiebelmarkt“, und tatsächlich wurden unter anderem Unmengen an Saatzwiebeln gehandelt. Der Gesprächskreis stöberte in den unterschiedlichsten Dokumenten und erörterte, wie der Markt früher aussah und was daraus geworden ist. Man konnte in alten Bildern stöbern und staunte zum Beispiel, wie der im vergangenen Jahr verstorbene Karl-Heinz Ziebarth die Historie des Zwiebelmarktes zeichnerisch umgesetzt hat.
Der nächste Termin des Gesprächskreises ist vorgesehen für Donnerstag, 6. Oktober, 17 Uhr, im und rund um das Puppenmuseum im alten Rathaus. FA
