Allgemeine Berichte | 22.01.2026, 17:14 Uhr

Wenn Liebe tödlich endet

Gewalt gegen Frauen: Warnsignale, Hilfsangebote und die Debatte um Femizide

Symbolbild. Foto:pixabay.com
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Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Nicht immer handelt es sich dabei um körperliche Übergriffe – oft zeigt sie sich auch in verbaler Form, durch Manipulation, Erniedrigung und Isolation.

Begriffe wie „Toxische Männlichkeit“, Machtmissbrauch und Unterdrückung spielen in der Debatte um Gewalt an Frauen eine zentrale Rolle. Gipfelt diese sogar in der Tötung einer Frau, spricht man gemeinhin von einem Femizid – auch wenn dieser in Deutschland keinen eigenen Straftatbestand darstellt.

Am Koblenzer Landgericht startete am vergangenen Dienstag, 20. Januar, das Verfahren um den Mord an der 31-jährigen Anna K. aus dem Kreis Ahrweiler. Die junge Frau soll von ihrem getrenntlebenden Ehemann aus Habgier und niedrigen Beweggründen heimtückisch getötet worden sein. Matthias K. befindet sich deshalb bereits seit Juli 2025 in Untersuchungshaft.

Wie kann Gewalt gegen Frauen aussehen?

Geschlechtsbeszifische Gewalt beschreibt ein ganzes Spektrum an Verhaltensweisen und Vorgehen.

„Die Frauen, die bei uns im Frauenhaus Schutz suchen, waren in den meisten Fällen körperlicher Gewalt ausgesetzt. Körperliche Gewalt geht aber immer einher mit an deren Gewaltformen. Beleidigungen, Erniedrigungen, soziale Isolation.“, schildert Doris Elsweiler vom Frauenhaus Ahrweiler.

Den Grund dafür, dass der Anteil an Frauen, die körperliche Gewalt erleben mussten, überproportional hoch sei, liege vorrangig darin, dass in den Köpfen vieler Frauen noch immer die Meinung herrsche, nur dies reiche aus, um Schutz und Hilfe zu suchen, ordnet die Mitarbeiterin des Frauenhauses die Fälle ein.

Warnsignale für Gewalt in Partnerschaften

Für Doris Elsweiler gibt es einen Zeitraum, in der Frauen besonders gefährdet sind: „Die Zeit nach einer angekündigten Trennung erhöht das Risiko für Frauen, Gewalt zu erleben“, sagt sie.

Diese Einschätzung teilt auch Liane Pohl von der Universität Koblenz, die sich im Rahmen ihres Studiums der Kulturwissenschaften wissenschaftlich mit dem Thema Femizid befasst hat:

„Trennungen und Trennungsabsichten der Frauen können in einigen Fällen ein Auslöser für die Tötung von Frauen sein. Das ungleiche Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern zeigt sich beispielhaft daran, dass der Täter die Vorstellung verfolgt, die Frau dürfe sich nicht (ohne sein Einverständnis) trennen. Nicht die Trennung selbst ist die Ursache des Mordes, sondern das internalisierte ungleiche Machtverhältnis.“

Wo betroffene Frauen Hilfe finden

In der Region gibt es unterschiedliche Anlaufstellen für Frauen, wenn sie von Gewalt betroffen sind. Das Hilfsangebot richtet sich hierbei ausdrücklich nicht nur an Frauen, die körperliche Gewalt erfahren.

„Gewalt ist das, was Frauen und Kinder als Gewalt empfinden“, heißt es auf dem Notfallkärtchen des runden Tisch gegen Gewalt im Kreis Ahrweiler.

Hilfe finden betroffene bei folgenden Stellen:

  • Frauenhaus Ahrweiler unter: 02633 / 470588
  • Frauennotruf Koblenz unter: 0261 / 35000
  • WEISSER RING Opfertelefon unter: 116006
  • Gleichstellungsbeauftragte für den Kreis Ahrweiler unter:02641 / 975349
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter: 0800 / 116016

Was ist ein Femizid?

Auf die Frage danach, was ein Femizid ist, liefert Liane Pohl von der Universität Koblenz eine kulturwissenschaftliche Perspektive:

„Ein Femizid ist definiert als ein Tötungsdelikt, bei dem ein Mann eine Frau aus geschlechtsbasierten Motiven tötet. Die Unterscheidung zu anderen Gewaltdelikten ist essenziell, da ein Femizid einen strukturellen Hintergrund aufweist. Daher lässt sich nicht automatisch feststellen, dass jeder Mord an einer Frau als Femizid zu klassifizieren ist.“

Die Tötung von Frauen – weil sie Frauen sind, fuße dabei auf einer Verachtung von Frauen, die noch immer tief in der Gesellschaft verankert sei. Diese Ablehnung, auch Misogynie genannt, stellt aus Sicht der Studentin ein systematisches Problem dar.

„Ohne das Aufbrechen dieser Strukturen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene wird dieses Denken fortwährend reproduziert“, mahnt Liane Pohl.

„Um die Dringlichkeit der Verantwortungsübernahme des Staates in Bezug auf dieses Problem zu verdeutlichen, greifen viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch den Begriff des „Feminizids“ auf“, erklärt sie.

Doris Elsweiler geht noch einen Schritt weiter und spricht sich explizit dafür aus, Femizide in Deutschland als eigenen Straftatbestand zu behandeln – in Italien ist dies bereits der Fall.

Von der Politik wünscht sie sich die Einführung von Fußfesseln für Täter und eine konkrete Auswirkung auf das Sorge- und Umgangsrecht, wenn sich die Gewalt gegen eine Mutter richte.

Im Fall der getöteten Anna K. aus Gimmingen gibt es unterschiedliche Einschätzungen dazu, ob es sich um einen klaren Fall eines Femizides handelt. Die Mahnawache am Vortag des Prozessbeginns zeigte jedoch deutlich, dass die Begrifflichkeit längst Einzug in die Köpfe der Menschen erhalten hat.

RRO

Bei der Mahnwache in Koblenz gedachten viele Menschend der getöteten Anna K. aus dem Kreis Ahrweiler. Foto:SCH

Bei der Mahnwache in Koblenz gedachten viele Menschend der getöteten Anna K. aus dem Kreis Ahrweiler. Foto:SCH

Symbolbild. Foto:pixabay.com

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