Allgemeine Berichte | 22.01.2019

Künstlerforum Remagen e.V. präsentiert:

„Gewandet und gewendet“

Poetische Installationen von Ulrike Oeter und Margret Schopka - Ausstellung ab 3. Februar

Installation von Ulrike Oeter.Privat

Remagen. Landkarten, gebrauchtes Butterpapier, Kaffeesatz, getragene Kleidungsstücke, Tischdecken aus Spitze, Vulkanasche aus Island und Hibiskus-Blüten sind nur einige der Materialien, die Ulrike Oeter und Margret Schopka bei ihren Installationen und Objekten verwenden. Einige davon werden erst vor Ort entstehen. Ein spannendes Aufeinandertreffen zweier Künstlerinnen, die mit ihren ungewöhnlichen, doch stets poetischen Werken den Betrachter verzaubern. Die Werkschau mit dem Titel „gewandet und gewendet“ startet am Sonntag, 3. Februar um 15 Uhr im Künstlerforum Remagen, Kirchstraße 3, mit einer Einführung von Dr. Heidrun Wirth. Die Künstlerinnen sind zur Vernissage anwesend. Die Ausstellung läuft bis einschließlich 24. Februar 2019. Sie ist an den Wochenenden samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Informationen unter: www.kuefo-remagen.de.

Ulrike Oeter

„Genähte Gebilde durchweben den Raum, schweben und tänzeln. Stroh in Taschen, wehend im Wind. Kinderrettungswesten aus Drachenpapier, Teebeuteln, hauchzart – suggerieren Sicherheit, tanzen im Sturm, können den Meereswogen aber nur Papier und Stroh entgegen- aber nicht standhalten. Installationen aus Papierkleidern, Schutzmasken und Gewand-Objekten ziehen den Betrachter in ein Kraftfeld aus Poesie und Verwunderung“ … so heißt es im Text von Ulrike Oeter. Und weiter: „Die Sehnsucht nach Kleidungsstücken mit langer Tradition, in denen sich Geschichten von Schönheit und Anmut, Würde und Gewalt, Schande und Magie spiegeln, hat mich immer wieder in die Welt gelockt. Auf Märkten, in Zügen, an Straßenrändern und vielen großen und kleinen Museen der Welt bewundere und erforsche ich die Erfindungskraft, die sich in diesen Gewändern spiegelt. Beobachtend, zeichnend und fotografierend fülle ich Reisetagebücher, um im Atelier diese Anregungen aus der ganzen Welt in papierne Gebilde zu transponieren. Lebensgroße Papierkollektionen aus alltäglichem Material wie Butterbrotpapier, Teebeuteln oder Apfelsinenpapieren entsteigen der Nähmaschine. Ich nähe, drucke, sticke, zeichne und sammle Kleidung, die vom Verschwinden bedroht ist oder eine neue Bedeutung erlangt.“ Ulrike Oeters Arbeiten aus Papier beschwören Zartheit und Zerbrechlichkeit. Unaufgeregt verbindet sie Leichtigkeit mit Vorsicht, Schweben mit Aufmerksamkeit. „Unordentlich“ genäht, teils mit heraus hängenden Fäden, die Papiere scheinbar unpassend, lassen ihre Werke die Gedanken des Betrachters in die Ferne schweifen. Bei Oeter wird alles wieder verwendet: geknautschte Bäckertüten, Butterpapier, Autokarten, chinesische Totenpapiere, Telefonbücher oder das Weihnachtspapier von 1960.

Alles Material, das seine Bestimmung bereits hinter sich hat. Hieraus entstanden sind unter anderem zahlreiche Mundschutzhauben, wie wir sie aus dem medizinischen Bereich oder von erkälteten Menschen aus dem asiatischen Raum kennen. In Remagen zeigt Ulrike Oeter eine daraus arrangierte poetische Raum-Installation.

Margret Schopka

Auch sie zeigt in Remagen eine raumfüllende Arbeit, die aber erst vor Ort entstehen wird: Dabei siebt sie kalten Kaffeesatz über antike Tischtücher aus Spitze.

Die Spitzendecken als ein Relikt feiner Tischkultur werden dabei zu einer Art „Braunpause“ dieser Kunst-Schöpfung.

An die Schönheit und Flüchtigkeit indischer Mandalas erinnernd, wabert schließlich ein filigranes Gebilde von vergänglichem Zauber rhythmisch in den Raum.

Am Ende der Ausstellung wird die Arbeit fotografiert und weggefegt. Bei ihren „Tausenblütenteppichen“ verarbeitet Margret Schopka auf einfühlsame Weise industriell gefertigte Auslegeware, sprich: alte Teppichböden, die sie „häutet“ und skelettiert und meist von der Unterseite zeigt.

Die von ihrer Nutzung gezeichneten Böden verwendet sie als Untergrund für ihre zarten Collagen, die sie aus Blüten und Textilfragmenten erstellt.

Trotz der Gegensätze bei den verwendeten Materialien strahlen ihre Arbeiten eine besondere Ruhe und Leichtigkeit aus.

Bei ihren Reisen durch Island arbeitet Margret Schopka gerne mit der dort vorgefundenen Natur: Auf ausgewählten Parzellen lässt sie neue, künstlerisch bearbeitete Segmente, sogenannte „Intarsia“ (zum Beispiel aus Vulkanasche) entstehen. Es bilden sich filigrane Muster heraus und die Landschaft wird auf eine andere Wahrnehmungsebene gehoben.

In einer Umgebung, die einem ständigen Wandel unterworfen ist, erschafft sie unwiederholbare Momente, die sie fotografisch festhält, bevor das Werk wieder Teil der unberührten Natur wird.

„Stille und Einsamkeit, die Kraft der Natur und die Schönheit und Kargheit der Landschaft mit ihren besonderen Bergformationen reizen mich zu diesen minimalistischen Anmerkungen“, kommentiert Schopka ihre Arbeit.

Wand- und Bodenarbeit von Margret Schopka.

Wand- und Bodenarbeit von Margret Schopka.

Installation aus Mundschutzmasken von Ulrike Oeter.

Installation aus Mundschutzmasken von Ulrike Oeter.

Installation von Ulrike Oeter.Fotos: Privat

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