Kult-Rentner begeistern Publikum auf der Bürgbühne in Mayen
Glanzvoller Comedyabend mit Willi und Ernst
Mayen. Hocherfreut zeigte sich Mayens Intendant Alexander May ob der proppenvollen Ränge im Hof der Mayener Genovevaburg als er das letzte Festspielextra der Spielzeit 2023 ankündigte. „Zwei Pinguine vom Nordpol“ so der Titel des Programms des Comedyduos Willi und Ernst alias Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum aus Koblenz.
Zwei Koblenzer Rentner, denn das sind Willi und Ernst, in Mayen wäre ebenfalls ein Titel für den Abend gewesen, der wie das Original eine eher ungewöhnliche Kombination beschreibt, hätte man denken können, aber weit gefehlt. Herzlich vom Publikum empfangen liefen die Protagonisten des Abends direkt zur Hochform auf. Dabei sparten sie nicht mit spontanen Pointen mit Bezug zu Mayen. Ganz besonders hatte es ihnen die Flagge mit den Mayener Stadtfarben angetan. Die Parallelität zur italienischen Flagge und die Ereignisse im Frühjahr sorgten für viel Gelächter.
Noch immer sind Willi und Ernst Single. Wenn man die Versuche sah, bei den Damen im Publikum zu landen, dann wird das noch lange so bleiben. Selbst ein spontanes Liebesgedicht für Gabriele aus Heinzberg konnte das nicht ändern. Dafür aber bog sich das Publikum vor Lachen.
Ganz besonders komisch wurde es, wenn sich Willi und Ernst stritten, dann schien es, als würden beide den Faden verlieren und der Unterschied zwischen Programm und spontaner Improvisation war kaum zu erkennen – und beides meisterlich. „Du musst Sätze bilden“ erinnerte Willi den immer wieder in Rage geratenden Ernst, der dann scheinbar zusammenhanglose Wortfetzen aneinanderreihte, denen man wunderbar folgen konnte.
Neben dem wunderbaren Wortwitz ließen die Beiden auch den wilden Klamauk nicht aus. So goss Ernst seinem Freund im Rahmen einer Wette ein komplettes Glas Wasser in die Hosentasche – was beide dann aus dem Wechsel zu einer trockenen Hose machten, war große Klasse.
Zwischendurch wechselten Willi und Ernst auch schon mal die Perspektive und machten sich über das eigene Programm lustig – und das Publikum lachte und klatschte begeistert.
Höhepunkt der schrägen Einfälle war ein Traum den Ernst schilderte. Er war ein Knoblauch in einem Kühlschrank. Sein Freund Willi war in diesem Traum eine Tomate und so schlüpften sie in eben diese Rollen und philosophierten aus dem Kühlschrank über die Vergänglichkeit des Seins.
Das ist übrigens die große Stärke des Duos, da werden Gags nicht erzählt, sie werden zelebriert. Zwischendurch erfolgt mitunter ein harter Bruch mit einem gelungenen Gag, um dann wieder zur eigentlichen Geschichte zurückzukehren. Dies alles unterstreicht Markus Kirschbaum mit unglaublichen Grimassen, Verrenkungen und Geräuschen.
Und weil sich die Comedians auch selbst nicht so ernst nehmen und auch selbst parodieren, boten sie dem Publikum einen wunderschönen Abend.
Lang anhaltender Beifall war der verdiente Lohn für „zwei Pinguine vom Nordpol“, die aber so agierten, als gehörten sie genau dorthin. BLA
