Bereichernde Gemeinschaftsfahrt des Dekanats zum Kirchentag in Berlin
Glaubensimpulse, Politik, Proteste und Kultur bewegen
2019 geht’s nach Dortmund
Rhein-Lahn-Kreis. Mit einigen überraschenden und noch mehr positiven Eindrücken, Denkanstößen und guter Laune sind die fast 200 Teilnehmenden aus dem Dekanat Nassauer Land vom Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin zurückgekehrt. Nicht nur evangelische, auch katholische Besucher aus dem Kreisgebiet sammelten bereichernde Erinnerungen.
„So wenig bequem es auch sein mag in so einem Gemeinschaftsquartier – es ist ein schönes Miteinander und Wir-Gefühl, das sich bei solch einer Fahrt entwickelt und erlebbar wird“, sagt Anja Beeres, Vorsitzende des evangelischen Dekanats Nassauer Land, warum das Dekanat auch in zwei Jahren beim Kirchentag in Dortmund sicher wieder eine Gemeinschaftsfahrt anbieten wird. Die vielen Begegnungen seien eine Bereicherung für den jetzt wieder beginnenden Alltag, sagte Beeres am Stand des ehemaligen Kauber Pfarrers Urs Michalke, der dort die evangelisch-lutherische Kirche in Italien vertrat. Abgesehen vom vielfältigen Angebot an Kultur, spannenden Bibelarbeiten und thematischen Diskussionen mit hochrangigen Theologen und Persönlichkeiten trage Kirchentag dazu bei, sich zu vergewissern, „was und dass ich glauben kann“. Was ihr in diesen Zeiten sehr gefallen hat: dass sich die Losung des Kirchentags „Du siehst mich“ sowohl im Neuen Testament der Bibel als auch im Koran findet. „Vor allem macht der Kirchentag deutlich, dass sich erfülltes Leben nicht nur um sich selbst dreht, sondern immer im Bezug zu unseren Mitmenschen steht.“
Außergewöhnliche und inspirierende Begegnungen gab es zuhauf, etwa die mit Fulbert Steffensky im Berliner Dom. Die Bibelarbeit des 83-jährigen Theologen, einst Mönch im Kloster Maria Laach, bevor er zur evangelischen Kirche konvertierte und Dorothee Sölle heiratete, ließen sich einige Rhein-Lahner nicht entgehen.
Überragende Gedanken und Impulse
„Das sind Gedanken und Impulse, die sind einfach überragend“, erzählen Jutta und Ulrich Werner aus Miehlen. Musikalisches Abschalten gab es für jeden Geschmack wie etwa die Wyse Guys, Viva Voce, Yvonne Catterfeld oder Jazz-Musiker Michael Wollny. Wolfgang Riehl aus Nassau krönte auf dem Gendarmenmarkt mit einem Solidaritätskonzert unter dem Titel „Musik kennt keine Grenzen“ der Berliner Philharmonikern mit Sir Simon Rattle am Pult seinen Kirchentagsbesuch, nachdem er zuvor unter anderem eine Diskussion über Glaubwürdigkeit mit Martin Schulz interessiert verfolgt hatte. „Ein tolles Erlebnis“, so der Katholik und Kommunalpolitiker, der am gleichen Ort noch die letzte Viertelstunde des DFB-Pokal-Finales verfolgte. Für die Partie und für Fairness hatten sich am Vormittag EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung, Fanclub- und Polizei-Vertreter sowie DFB-Präsident Reinhard Grindel stark gemacht.
Ein Negativ-Highlight für Beeres und andere Teilnehmer aus dem Kreisgebiet, die in der Gedächtniskirche einen Bitt-Gottesdienst für den Frieden mit Militärbischof Sigurd Rink und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen miterleben wollten, war der nicht geplante Auftritt von Friedensaktivisten, die sich von der Empore abseilten. Zugleich zeigte sich darin die politische Dimension des Kirchentages. „Ich hab nur ein hysterisches Schreien von den zwei Frauen wahrgenommen, aber sie kaum wörtlich verstanden“, schildert Volker Hausen aus Dachsenhausen. Auf einem Banner hieß es „Keine Kampfdrohnen für die Bundeswehr“. Souverän habe die Ministerin reagiert, als sie die Aktivistinnen bat, sich hinter sie zu stellen, um den Gottesdienst nicht zu stören. Freiheit sei, auch so etwas auszuhalten, und die Bundeswehr stehe dafür ein, „dass ihr hier gegen uns sein könnt“. Die Besucher animierte der Auftritt zum Kanon „Dona nobis pacem“. Transparent-Träger, die vor einer Überfremdung der Gesellschaft warnten, tauchten unerwartet bei einer Diskussion mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer über gelingende Integration durch gute Bildungspolitik auf.
Damit die Reise keine Eintagsfliege bleibt, will Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, das Thema des Kirchentags in der Region noch einmal aufgreifen. „Es wäre schade, wenn die vielen Impulse einfach verhallen“, so der Theologe. „Dazu sind dann nicht nur die Mitreisenden eingeladen.“ Pressemitteilung
Dekanat Nassauer Land
Genossen das Angebot für Familien und beteiligten sich an einer Graffiti-Malerei: zwei Familien aus Klingelbach.
Für Anja Beeres, Vorsitzende des Dekanats Nassauer Land (hier mit Pfarrer Urs Michalke), bot die Gemeinschaftsfahrt zum Kirchentag auf einmalig vielfältige Weise die Chance, bereichernde Impulse für das Leben mit nach Hause zu nehmen.
