Ausgrabungsarbeiten auf dem „Schumacher-Gelände“
Grabungen gehen in die Endphase
28 qm großer Brennofen wurde freigelegt - Infostand während der Kulturnacht am 2. September im Stadtmuseum -
Andernach. Es scheint so, als gäbe es auf dem „Schumacher-Gelände“ momentan einen Stillstand. Nach den zahlreichen Ausgrabungen in den letzten Jahren (Blick aktuell berichtete) wurde im März dieses Jahres das gesamte Grabungsareal mit Lava abgedeckt und somit vor dem Verfall gesichert. Entstehen soll hier nun ein Parkhaus. Hinter dem Bauzaun steht ein Container, der zeigt, dass es doch noch Aktivitäten auf dem Gelände gibt. Dazu sprach Blick aktuell mit Grabungsleiterin Stefanie Baumgarten-Mischuda.
Blick aktuell: Man sieht Sie an einigen Tagen doch noch auf dem Gelände graben? Haben Sie etwas Besonderes gefunden?
Baumgarten-Mischuda: Das kann man so sagen. Nachdem im Nordbereich eine Mauer abgetragen wurde, konnten wir einen Brennofen auf einer Fläche von etwa 28 qm ohne Sicherheitsbedenken freilegen und anhand von Plana und Profilen archäologisch dokumentieren.
Blick aktuell: Warum verdient dieser Ofen denn eine so große Beachtung? Gibt es da eine Besonderheit?
Baumgarten-Mischuda: Dass dem Ofen eine größere Beachtung geschenkt werden sollte, lag nicht nur an seinen Ausmaßen ( etwa 3,10 m x 2,60 m), sondern auch an seinem Erhaltungszustand. Freigelegt wurden die bereits im letzten Jahr erkannte Schüröffnung, die Schürkanäle, die Ofensohle, der Mittelsteg, die zum Teil erhaltenen Lochtenne mit darauf liegender Keramik und der Anfang der Feuerkammern. Die Ofenwandung mit Reparaturstellen und der Aufbau der Kuppel sind sehr gut zu erkennen. Rund 500 Brennstücke fasste der Brennofen damals.
„Einiges ist noch verborgen“
Sehr schnell wurde deutlich, dass dieser Ofen in Verbindung mit der Töpferscheibe und den Maukgruben (Arbeitsgruben für Tonaufbereitung) von großer Bedeutung ist. Die ergrabenen Grundrisse des hier vorliegenden Töpfereibezirks zeigen eine zusammenhängende Ordnung. Zwar sind Straßenzüge ebenfalls bekannt, aber leider nicht die genaue Anordnung der Wasserversorgung, die in einem Handwerkerviertel erforderlich war. Dieses bedarf weiterer Forschungen. Nach Beendigung der ausführlichen Dokumentation wird ein umfassender Abschlussbericht gefertigt und eine Sonderausstellung im Stadtmuseum stattfinden. Zwar ist mit diesen Ausgrabungen ein weiteres Stück der Geschichte Andernachs nun bekannt, doch einiges ist noch verborgen.
Blick aktuell: Wie sieht es denn mit weiteren Grabungen aus? Wo vermuten Sie, dass „noch Einiges“ im Verborgenen liegt?
Baumgarten-Mischuda: Da hänge ich noch etwas in der Luft. Natürlich würde ich gerne weitergraben, aber sicherlich wird es hier in Kürze mit dem Bau des Parkhauses losgehen. Mich würde eine Grabung auf dem Alten Friedhof am Ende des Kirchhofsweges interessieren. Dort könnte man sehr tief graben und mit Sicherheit weitere interessante Exponate der Andernacher Geschichte finden.
Blick aktuell: Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Wer jetzt schon neugierig auf Zwischenergebnisse ist und einige ausgewählte Fundstücke sehen möchte, ist von Grabungsleiterin Stefanie Baumgarten-Mischuda zur Kulturnacht am 2. September von 18 bis 22 Uhr ins Stadtmuseum Andernach eingeladen. Dort beantwortet sie am Infostand gerne alle Fragen. WAM
Ein 28 qm großer Brennofen wurde freigelegt.
