Viertklässler der GS Löf besuchten Burg Thurant
Grundschüler auf Exkursion ins Mittelalter
Alken/Löf. Derzeit steht das Thema „Mittelalter“ auf dem Lehrplan der vierten Klasse der Grundschule Löf a. d. Mosel. Was liegt da näher, als einmal die seit Jahrhunderten auf der gegenüberliegenden Seite hoch über Alken thronende Burg Thurant zu besuchen. So machte sich die Klasse mit 15 Schülerinnen und Schülern begleitet von zwei Lehrpersonen zu Fuß auf den Weg zur Burg. Nachdem Löf durchquert war, ging es über die Moselbrücke und dann durch die Weinberge den Weg hinauf zur Veste. Das Wetter war an diesem Morgen neblig und grau - also passend zum Mittelalter. Auf der Burganlage fanden die Kinder die Zugbrücke zwar heruntergelassen vor und auch das Fallgitter war hochgezogen, jedoch war das Burgtor verschlossen. Der letzte dort verbliebende Ritter tauchte auf. Dieser mittelalterlich Gewandete, bewaffnet mit Schwert und Schild, fragte nach ihrem Begehr und ob sie in friedlicher Absicht anklopfen würden. Dies wurde lautstark bejaht. Darauf erklärte er, dass er die Schüler gerne durch die Burg führen wolle und über diese und aus seinem Leben dort erzählen wolle. Sofort zückte die Horde Pergament und Stift und begann schon hier mit dem Aufzeichnen von Notizen, um das Gehörte festzuhalten. Begonnen wurde mit dem Begriff der „Pechnase“, einem Erker über dem Burgtor. Hier wurde kein flüssiges Pech herausgeschüttet, denn dabei wäre jedes Mal die Zugbrücke abgebrannt.
Vielmehr wurde dem ungebetenen Besucher zum Beispiel der gefüllte Nachttopf übergeschüttet - und damit hatte er im wahrsten Sinne des Wortes „Pech gehabt“. Weiter ging es vorbei am Knappenhaus auf die erste Terrasse. Dort erfolgten Erklärungen über die Entstehung der Burg (1198 bis 1208) und warum diese dort errichtet wurde. Im Ehrenhof (Gerichtsstätte) ging es dann um die Versorgung des Burgvogts, seiner Familie, den Handwerkern und der Burgmannschaft mit Lebensmitteln und Wein sowie dem Vieh mit Futter. Wasser wurde in drei Zisternen aufgefangen und in Friedenszeiten mit Eseln vom Bachtal herangeschafft.
Interessant - doch leider nur noch ruinös: Pallas (Rittersaal), Pfalzgrafenhaus und Kemenate (lat. Kamin). Danach gab es für die Zuhörer Ausführungen aus der Zeit der Belagerung (1246 bis 1248) durch die Erzbischöfe von Trier und Köln mit rund 1500 Mannen.
Da die Burg äußerst stark befestigt war, gelang es ihnen nicht, diese zu stürmen. Auch ein Beschuss mit Steinkugeln vom Oberfeller Bleidenberg brachte nicht den gewünschten Erfolg. Erst nachdem alles Ess- und Trinkbare aufgebraucht war, musste die Burg vom Burggrafen Berlewin von Alzey, genannt der Zorn von Thurant, nach fast zwei Jahren, an die Belagerer übergeben werden. Gezeigt wurde dann ein Badezuber und es wurde erlärt, wer wann hinein durfte. Toiletten, wie heute gewohnt, waren unbekannt, hießen früher Aborterker und besaßen auch keine Wasserspülung. Über den Söller gelangte die Gruppe zu einem Platz mit einem sogenannten Pranger. In diesen wurden zur Strafe zum Beispiel Obst- und Traubendiebe oder anderes Gesinde gestecktl, welches bei einer Untat erwischt wurde. Da es zu lange gedauert hätte, bis alle Kinder diesen ausprobiert hätten, steckte der Ritter kurzerhand eine der Lehrpersonen als Beispiel hinein. Die nächsten Stationen hießen Rüst(Waffen)kammer und Pferdestall sowie die Hebeanlage für die ganz in Eisen gekleideten Panzerreiter. Weitere Höhepunkte waren das Jagdzimmer, in dem es Einiges zu sehen gab und die anschließende Besteigung des Bergfriedes. Zurück führte der Weg über einen Wehrgang, vorbei am Wappenzimmer auf die Burgterrasse. Auch hier wurde Ritter Ansgard von Nubbelrath zu Cölln nochmals von der - während der Besuches diszipliniert auftretenden Schülerschaft - mit Fragen bestürmt, die gerne beantwortet wurden. Außerdem zeigte er den Kindern einige Rüstungsteile, zum Beispiel ein Kettenhemd, Haube und Helm und historische Waffen wie Schwert und Doppelaxt und führte deren Bedeutung und Handhabe aus. Schlussendlich verabschiedeten sich alle voneinander und die Schulklasse zog mit ihren Lehrerinnen und ausreichendem „Mittelalter-Input“ versehen wieder Richtung Löf. Nicht eindeutig geklärt werden konnte die Frage nach der Herkunft des Ritters. Nach eigener Aussage sei er als 16-jähriger Knappe vor 770 Jahres nach Thurant gekommen und „geistere“ seitdem durch die alten Mauern und obwohl er schon so lange dort oben verweile, habe er selbst noch nie ein Gespenst gesehen.
