Bendorfer Kulturverein präsentiert Lyrik und Lieder gegen den Krieg
Haben wir gelernt?
Bendorf. Dem Bendorfer Kulturverein e.V. ist es ein Anliegen, Kunst und Kultur für jedermann zugänglich zu machen, ein wichtiges Konzept ist die Verständigung über Künste, die auch gerne Diskussionen hervorrufen kann. Der Kleinkunst gilt das Engagement, so werden im Laufe eines Veranstaltungsjahres Konzerte klassischer Musik ebenso wie Jazzkonzerte, Liederabende, Kabarett, Ausstellungen, kulturelle Fahrten und Lesungen angeboten. Mit diesem Projekt bereichern die Mitglieder des Vereins bereits seit März 1997 das kulturelle Leben in Bendorf und Umgebung. Eine zwanzigjährige Erfolgsgeschichte, geschrieben von vielen Künstlern, Künstlergruppen und Chören aus der Region, getragen von den unzähligen interessierten Menschen, die seit vielen Jahren die regelmäßigen Veranstaltungen des Vereins besuchen und nicht zuletzt unterstützt von vielen Freunden und Partnern.
Am letzten Donnerstagabend stand im vollbesetzten Theaterraum der Theodor-Heuss-Schule in Bendorf „Lyrik und Lieder gegen den Krieg“ auf dem Programm. Eingeladen zu diesem Lieder- und Gedichte Abend hatte der Kulturverein Dr. Peter Thomas aus der Nähe von Altenkirchen, der Gedanken, Gedichte und Liedvorträge auf seiner Gitarre präsentierte, am Saxofon begleitet von seinem Sohn Torsten.
Der 1941 geborene Künstler stammt aus dem Westerwald und war in seinem Arbeitsleben Chirurg, als solcher wirkte er rund zwanzig Jahre lang am Kemperhof Koblenz und 18 Jahre im Hospital der Kreisstadt Altenkirchen. Blick aktuell erzählt Dr. Thomas, dass seine Frau und er ihre Väter im Zweiten Weltkrieg verloren und deshalb nie kennengelernt haben. Das habe ihn so sehr geprägt, dass er sich des Themas „Krieg“ in seinen Liedern immer wieder angenommen habe, nach seinem Eintritt in den Ruhestand hat er wieder angefangen zu singen, zu rezitieren und seine Kunst auf Kleinkunstbühnen darzustellen, vorwiegend in seiner Heimatregion. Dr. Thomas: „Ich habe immer schon ein Faible für Lieder und Lyrik gehabt sowie eine enge Verbindung zu dem vergangenen Jahrhundert durch eigene Erlebnisse. Die heute erneut in Gefahr geratene Friedensordnung hat mich bewogen, dieses Thema wieder aufzugreifen. Bei der Entwicklung, die wir sehen, freut es mich besonders, heute Abend ein so zahlreich interessiertes Publikum hier vorzufinden.“ Mit seinem Bühnenprogramm erinnert er an viele Lieder, die zu den Erschütterungen der Kriegszeiten, also auch zu heutigen Konflikten, Stellung nehmen und „Weltgewissen“ sind. Nach einem kurzen Rückblick auf die beiden großen Weltenbrände des ersten und Zweiten Weltkrieges mit insgesamt etwa 74 Millionen Toten, beginnt Dr. Thomas seinen Vortrag mit dem Kinderlied ‚Maikäfer flieg‘, dessen liebliche Wiegenlied-Melodie nüchtern das Grauen erzählt: Vater im Krieg, Mutter – wer weiß, wo. Dann spannt Dr. Thomas einen lyrisch- musikalischen Bogen vom 30-jährigen Krieg bis zu den heutigen Konflikten im Wechsel von Texten – unter anderen von Theodor Fontane, Erich Kästner und Alfred Lichtenstein– sowie Liedern wie: ‚Lili Marlen‘, ‚Sag mir wo die Blumen sind‘ oder ‚Die Trommel‘ und vielen mehr.
Dem Publikum und sich selbst stellt er dabei die Frage: „Haben wir gelernt? Wir, die wir eine bisher einzigartige Friedensperiode in unserem Teil der Welt erleben?“ Die Antwort liefert er mit dem Hinweis auf eine Interviewaussage des Hirnforschers Vittorio Gallese, Professor für Neurophysiologie: „Wenn es eines gibt, was wir aus der Geschichte lernen, ist es, dass wir niemals etwas lernen.“
Das Publikum honorierte am Schluss den unterhaltsamen und doch nachdenklichen Auftritt der beiden Protagonisten aus dem Westerwald mit kräftigem Applaus.