Allgemeine Berichte | 02.10.2019

Infoabend der Gleichstellungsbeauftragten

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine Straftat

Schläge stehen oft am Schluss der Spirale von Demütigung, „Kleinmachen“ und Stalking

VG Maifeld. Häusliche Gewalt geht durch alle Schichten, alle Altersklassen, alle Religionen und sie spielt sich immer hinter der verschlossenen Tür ab. Das machte Opferschutzbeauftragte Michaela Gasber in der ersten Veranstaltung der neuen Gleichstellungsbeauftragten der Verbandsgemeinde Maifeld, Martina Kolbinger, deutlich. Zusammen mit der Polizeibeamtin Ramona Bomm und dem Vertreter der Weißer Ring-Außenstelle Mayen-Koblenz Udo Hönes, informierte sie im Ratssaal in Polch über ein Thema, das vorwiegend, aber nicht nur, Frauen betrifft: „In 80 Prozent aller Fälle von Partnergewalt sind die Opfer Frauen. Immer aber mit betroffen sind die Kinder.“

Die Zahlen sprechen für sich: Laut Studien hat jede vierte Frau schon einmal Häusliche sprich Partnergewalt erlebt. In den 17 rheinland-pfälzischen Frauenhäuser suchen regelmäßig über 500 Frauen mit ihren Kindern Schutz vor dem Partner. „Oft beginnt es mit einer harmlosen Beleidigung“, weiß die Sozialarbeiterin vom Polizeipräsidium Koblenz. Wie du aussiehst. Du kannst nichts. Du bist nichts wert. Dich will sowieso keiner außer mir… Mit solchen oder ähnlichen Sätzen wird versucht, den Partner klein zu halten, ihm das Selbstbewusstsein zu nehmen, ihn systematisch von Freunden und Verwandten zu isolieren. So beginnt es mit psychischer, oft auch ökonomischer Gewalt sowie ständiger Kontrolle und Eifersucht. Am Schluss steht vielfach die körperliche Gewalt. Dann genügt eine Kleinigkeit und es wird zugeschlagen. Auch nach einer Trennung hört die Gewalt manchmal nicht auf, die Betroffenen werden durch ihre Ex-Partner oft weiter belästigt und bedroht.

Diese Fälle hat auch Polizeihauptkommissarin Ramona Bomm oft erlebt. Sie machte klar: „Die Polizei ist rund um die Uhr erreichbar. Wenn Sie mitbekommen, dass es in der Nachbarschaft offensichtlich gewalttätig zugeht, rufen Sie uns an. Damit mischen Sie sich nicht ein, sondern helfen dem Opfer.“ Denn Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist keine Privatsache, sondern eine Straftat. Ganz wichtig auch: Der Anrufer kann anonym bleiben. Für die Opfer betont sie: „Wer schlägt, geht.“ Nicht die Frau und ihre Kinder müssen das Heim verlassen, sondern dem gewalttätigen Partner werden die Schlüssel abgenommen. Generell rät sie Betroffenen: „Sichern Sie Beweise in Form von Fotos, Protokoll der Vorkommnisse etc. und scheuen Sie sich nicht Hilfe zu rufen. Sie stehen nicht alleine da.“

Erster Ansprechpartner nach der Polizei ist die Interventionsstelle der Caritas in Mayen, die neben Beratung u. a. auch Unterstützung im Umgang mit Behörden und Vermittlung an andere Hilfsinstitutionen bietet.

Zum Beispiel an den Weißen Ring. Dieser bietet den Betroffenen, wie Udo Hönes betonte, Beratung vor Ort, Hilfe und Begleitung bei allen erforderlichen Wegen zu Behörden, Einrichtungen, Rechtsanwalt, Gericht und darüber hinaus auch finanzielle Unterstützung, z. B. in Form eines Erstberatungsschecks für Anwälte oder als Soforthilfe etwa für den Kauf von Möbeln und Lebensmitteln. „Hinschauen, hingucken und lieber einmal zu oft anrufen“, gab Gleichstellungsbeauftragte Martina Kolbinger den ca. 15 Besuchern nach gut eineinhalbstündiger Gesprächsrunde zum Thema „Häusliche Gewalt“ mit auf den Weg. Von Gewalt Betroffene können sich auch ohne Anzeige Rat und Unterstützung holen. Zum Beispiel bei der Interventionsstelle der Caritas, Telefon, 02651/9869 139, bei der Opferschutzbeauftragten der Polizei, Telefon 0261/103 2874, beim Weißen Ring, Telefon (0 61 31) 8 30 30, oder über das Hilfetelefon: Tel. 0800 0 11 60 16. Infos auch unter: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/mehr-schutz-bei-haeuslicher-gewalt/81936

Pressemitteilung der

Verbandsgemeindeverwaltung Maifeld

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