Baustopp in der Römerstraße – Lücke in bester Lage bietet ungewöhnliche Einblicke
Halbe Fassade ist erhaltenswerte Bausubstanz
Bad Ems. In bester Lage von Bad Ems, im Herzen der Kurstadt, direkt gegenüber des Kurparks fehlt etwas ganz Entscheidendes. Die auf ganzer Länge der Bad Emser „Flaniermeile“ Römerstraße geschlossene Fassadenreihe ist unterbrochen. Eine Fassade steht seit Wochen, gestützt von einem Stahlkorsett, nur noch bis auf halbe Höhe. Das gesamte Hinterhaus fehlt komplett – doch auf der Baustelle tut sich nichts. Viele Bad Emser fragen sich, warum sich in der Toplage nichts tut. Doch entgegen anderslautender Gerüchte ist da keineswegs ein Bauherr zahlungsunfähig, auch hat niemand eine ursprüngliche Sanierungsabsicht zwischenzeitlich aufgegeben. Der Grund für den Stillstand und die momentan unschöne Lücke: die Substanz des Gebäudes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts war wesentlich schlechter als zunächst angenommen. Ein Problem was Bauherren und Bad Emsern gleichermaßen nicht neu ist, beispielsweise beim Klosterhof (BLICK Aktuell berichtete) zeigte sich eine ähnliche Problematik. Eine weitere - aber definitiv nur zufällige- Parallele, die Bad Emser Firma Immo-Concept hat den privaten Bauherren beraten und gibt Auskunft über den Grund für den Stillstand. „Nein, das liegt nicht an uns, wir haben das Objekt ‚Römerstraße 34‘ auch nur planerisch begleitet“, schmunzelt Robert Niessen von Immo-Concept. Allerdings ähnelten sich die ursprünglichen Konzepte vom Klosterhof und dem Objekt im Herzen der Kurstadt: bei beiden Objekten sollte aufwändig die historische Substanz erhalten bleiben, beide Objekte waren von der Ursprungsplanung so ausgelegt, dass quasi die Gebäudehülle stehen bleibt und im Inneren neue Decken eingezogen werden und dann auch neue Grundrisse für barrierefreie Mietwohnungen entstehen. Doch auch hier holte die Realität den Bauherren ein: im Zuge der Abrissarbeiten zeigte sich, dass die Substanz wesentlich schlechter war, als die stichprobenartige Beprobung vermuten ließ. Speziell in der Fassade zeigte sich, dass die verwendeten Balken „eher Streichhölzer waren“, so Niessen.
Die Folge: der ursprünglich schon genehmigte Bau musste völlig neu geplant werden, definitiv nicht haltbare (nahezu alle) Gebäudeteile mussten „rückgebaut“ werden, Erkenntnisse aus den Rückbauarbeiten mussten in der neuen Planung nachgearbeitet werden, schließlich muss alles neu genehmigt werden. Besondere Schwierigkeit im Fall der Römerstraße 34: im Gegensatz zum alleine stehenden Klosterhof am Bahnhof ist das Projekt eine klassische Lücke, das heißt, alle möglichen und auch nur denkbaren Auswirkungen auf die Nachbarhäuser müssen beachtet und berechnet werden. Derzeit läuft das Verfahren auf Hochtouren, möglichst bald soll es auf der Baustelle weitergehen. „Es war von vornherein klar, dass das Gebäude dringend und umfassend saniert werden muss. Natürlich wäre es auch wesentlich einfacher, einen „hochmodernen Klotz“ zu bauen – aber das Objekt soll sich ja später harmonisch in die historische Substanz einbinden. Dazu gehört auch alle Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen und so viel wie möglich von der historischen Substanz zu erhalten. Deswegen steht auch noch die halbe ursprüngliche Fassade – mehr war aber beim besten Willen nicht zu erhalten“, erklärt Niessen. Willi Willig
