Allgemeine Berichte | 17.04.2020

Große Osternester für Neuwieder Krankenhäuser

„Hand in Hand – Schausteller helfen im ganzen Land“

Schausteller der Aktionsgemeinschaft Heddesdorfer Pfingstkirmes spendeten Kirmes-typische Leckereien

Neuwied. Dort, wo sich an Ostern in Neuwied zum ersten Mal im Jahr die Karussells drehen, wo der Duft von gebrannten Mandeln und Currywurst die Frühlingsluft erfüllt, dort auf der Kirmeswiese im Neuwieder Stadtteil Heddesdorf blieb der Platz zu Ostern in diesem Jahr leer. Von den aus der Corona-Krise getroffenen Einschränkungen sind auch die Volksfeste und Kirmese betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie treffen auch die Schausteller hart ins Mark. Durch die Allgemeinverfügung der Bundesregierung und der damit verbundenen Absage alle Volksfeste sind die Schausteller arbeitslos. Das letzte Geld in der Branche wurde auf den Weihnachtsmärkten verdient. Bei fantastischen Frühlingswetter der letzten Tage ist es besonders schmerzhaft, denn ein Schausteller wartet sehnsüchtig darauf, im Frühling endlich raus zu fahren und seine Fahrgeschäfte aufzubauen um den Menschen nach den trüben Wintertagen wieder Freude zu schenken.

Aber nur untätig herumsitzen, das liegt dem Schausteller nicht im Blut. Die beiden Berufsverbände „Deutscher Schaustellerbund e.V.“ und der „Bundesverband deutscher Schausteller und Marktkaufleute e.V.“ haben eine Initiative ins Leben gerufen; unter dem Motto „Hand in Hand – Schausteller helfen im ganzen Land“ engagieren sich die Kirmesleute mit Ideen und ihrem Equipment dort, wo Menschen Hilfe und Wertschätzung dringend brauchen. Auch die Neuwieder Schaustellerbetriebe haben sich eine für Neuwied passende Idee überlegt. So wurden Teile der für die Osterkirmes angeschafften Warenbestände an das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth und das DRK Krankenhaus gespendet. „Die Krankenschwestern-, Pfleger und Ärzte beider Häuser kämpfen für uns an vorderster Front gegen das Corona-Virus; dem Personal gebührt unser Dank und man möchte mit den Kirmes-typischen Leckereien für Nervennahrung sorgen und die Wertschätzung zum Ausdruck bringen,“ so die beiden Schausteller und Initiatoren der Idee Herbert Meyer und Rudolph Müller. Getreu den Worten des Papst Franziskus „Schausteller bringen Licht in das Dunkel der Welt“.

Mit Unterstützung der Aktionsgemeinschaft Heddesdorfer Pfingstkirmes wurden zahlreiche Kartons zu großen Osternestern ausstaffiert und mit süßen Leckereien gefüllt. Auch die Bäckerei Preißing, mit der die Schausteller im vergangenen Jahr auf der Pfingstkirmes das Frühstück im Riesenrad ins Leben gerufen haben, hat sich nicht nehmen lassen, sich mit frischem Ostergebäck zu beteiligen.

Am Verteiltag staunten die Krankenhäuser nicht schlecht, auf einem großen Tisch vor dem Eingang der Krankenhäuser waren die Osterpakete angerichtet und wurden von den Mitgliedern der Aktionsgemeinschaft Heddesdorfer Pfingstkirmes an das Personal überreicht. Selbstverständlich im gebührenden Abstand, mit Mundschutz und Latexhandschuhen. Und auch der Osterhase war dabei. Überwältigt bedankten sich die beiden Krankenhäuser bei den Schaustellern. Einige der Ärzte und Pfleger brachten ihre Freude hierüber persönlich mit einem Eintrag auf Facebook kund.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat es in seinem Interview vom 07.04.2020 deutlich gemacht, Volksfeste sind für ihn verzichtbar. Aber was für den einen die Oper oder ein Besuch in einem Museum ist, ist für andere der Besuch auf einem Volksfest. Denn wie Goethe es schon sagte „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“. Aber auch den wirtschaftlichen Faktor hat Herr Spahn außer acht gelassen. Denn an der Schaustellerbranche hängen nicht nur 5000 Familien die in bis zur 7. Generation die Familienbetriebe führen, sondern auch 200.000 Arbeitsplätze die in und um das deutsche Volksfest mit seiner über 1000-jährigen Tradition arbeiten. Nun hoffen die Schausteller, dass die Volksfeste besonders in der zweiten Jahreshälfte nicht zu früh abgesagt werden, sondern dass die Veranstalter mit ihrer Entscheidung die weitere Entwicklung abwarten. Ob und wann sich in diesem Jahr noch ein Karussell drehen wird, ist jedoch ungewiss...

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