Allgemeine Berichte | 01.02.2022, 09:26 Uhr

Gemeinsame Bewerbung der linksrheinischen Kommunen als Leader Region gestartet

Hand in Hand gemeinsam wiederauferstehen aus dem Schlamm und der Verwüstung

„LEADER-Region Voreifel - Die Bäche der Swist“ bewirbt sich um Fördermittel aus der Europäischen Union - Rheinbach, Meckenheim, Wachtberg, Swisttal und Euskirchen beteiligt

Region. „Gemeinsam wiederauferstehen aus dem Schlamm und der Verwüstung - Hand in Hand“, das haben sich die linksrheinischen Kommunen Swisttal, Rheinbach, Meckenheim, Wachtberg und Euskirchen nach der Starkregenkatastrophe auf die Fahne geschrieben. Gemeinsam bewerben sie sich jetzt als „LEADER-Region Voreifel - Die Bäche der Swist“ um Fördermittel aus der Europäischen Union und hoffen auf drei Millionen Euro für kleinere Projekte zum Wiederaufbau nach der Flut.

„Mit einer Regionalen Entwicklungstrategie sollen Leitplanken geschaffen werden für die nächsten sieben Jahre“, erläuterte Christoph Dickmanns vom Planungsbüro CDI-Projekte, das die Bewerbung fachlich begleitet. Schließlich haben die EU und das Land Nordrhein-Westfalen dieses Förderinstrument zur Entwicklung des ländlichen Raumes aus der Taufe gehoben, um verschiedene Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft miteinander zu verbinden. Dabei sollen die regionalen Akteure stark mit eingebunden werden durch die Bildung einer regionalen Aktionsgruppe, in der möglichst viele Bürger und die in der Region ansässigen Wirtschaft- und Sozialpartner mitarbeiten sollen. Die Aktionsgruppe soll sich aus öffentlichen, privaten und gesellschaftlichen Vertretern zusammensetzen, zumindest zu einem Drittel aus Frauen bestehen und auch die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Wobei keine einzelne Gruppe mehr als 49 Prozent einnehmen darf.

Initiative kam vom Bürgerverein Odendorf

Die gemeinsame Bewerbung ist bereits auf bürgerschaftliches Engagement zurückzuführen, denn die Initiative dazu kam vom Bürgerverein Odendorf, der sich infolge der Flutkatastrophe erst kürzlich gegründet hatte. Schriftführerin Angela Gilges erklärte, an Ideen gebe es keinen Mangel, so gebe es Projekte zum Schutz heimischer Pflanzenarten oder für ein Apfelfest, aber auch eine mobile Fahrrad-Werkstatt oder eine Versickerungsfläche als Naherholungsgebiet sind im Gespräch. Weitere Ideen erhofft man sich von einer umfassenden Bürgerbeteiligung, ohnehin müsse letztlich die regionale Aktionsgruppe entscheiden, welche Projekte umgesetzt werden sollen.

Insgesamt stehen in einem Zeitraum zwischen Januar 2023 und Dezember 2027 rund drei Millionen Euro zur Verfügung, falls die gemeinsame Bewerbung der linksrheinischen Voreifel-Kommunen von Erfolg gekrönt ist. Aus dem Leader-Programm würden dann 70 Prozent der Kosten finanziert, den Eigenanteil soll der Rhein-Sieg-Kreis übernehmen. Im Erfolgsfall müsste auch ein Regionalmanagement außerhalb der öffentlichen Verwaltung im Umfang von mindestens anderthalb Vollzeitstellen eingerichtet werden.

Kleine Projekte und ehrenamtliches Engagement fördern

Dickmanns machte aber auch klar, dass es „keine Betonförderung“ gebe, also nicht in Gebäude oder Infrastruktur investiert werden dürfe. Bezuschusst werden sollen vielmehr kleinere Projekte und ehrenamtliches Engagement. Beispielsweise soll dezentraler Hochwasserschutz der gesamten Region wieder ein Sicherheitsgefühl und neue Lebensqualität schaffen. Gleichzeitig sollen neue Naherholungsmöglichkeiten für die Bürger als „Räume für die Seele“ entstehen. Ziele des Programms sind ebenso die Erhöhung der Biodiversität, verbesserte CO2-Speicherung, eine klima- und umweltfreundliche Erneuerung der Landwirtschaft sowie die Förderung nachhaltiger Wirtschaftszweige. Zudem erhoffen sich die beteiligten Kommunen, dass die nachbarschaftliche und überregionale Hilfe und das starke Gemeinschaftsgefühl nach der Flut erhalten und gestärkt werden können. Vernetzung zwischen Jung und Alt, zwischen den einzelnen Dörfern und nicht zuletzt zwischen „Alteingesessenen“ und „Zugezogenen“ stehen auf der Agenda, etwa durch gemeinsame Aktivitäten wie Musik, Theater, Lesungen oder Feiern. Kinder und Jugendliche sowie die älteste Generation mit ihren Wünschen und Plänen sollen ebenfalls aktiv am Wiederaufbau beteiligt werden. „Dorfverschönerungen, Dorfgastronomie, dörfliche Wirtschaft, Sportmöglichkeiten sollen aus der Taufe gehoben und somit das Leben nach der Zerstörung durch die Flut doppelt so stark zurückkommen“, wünschen sich die Initiatoren.

Drei Workshops für Jedermann zum Auftakt

Dabei sei beim Aufstellen der Regionalen Entwicklungsstrategie die aktive Mitarbeit engagierter Menschen aus der Region selbst das Herzstück, betonte Dickmanns. In drei Online-Workshops mit möglichst breiter Beteiligung soll zunächst die inhaltliche Richtung dieses Konzeptes beraten werden. Die endgültige Entscheidung über die Regionale Entwicklungstrategie, mit der sich „Voreifel - Bäche der Swist“ als Leader-Region bewerben will, soll dann bei einem Regionalforum als Abschlussveranstaltung Ende Februar getroffen werden. „Wenn wir erfolgreich sind, dann gibt das Hoffnung für die Zukunft - und die brauchen wir hier mehr als alles andere“, sagt Andrea Gilges. JOST

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